Vom Vater zum Sohn. Eine Ära im Wandel
24.04.2026 Serie im Reussbote, Birmenstorf, GewerbeBirmenstorf: Neue Geschäftsführung bei Markus Biland AG. Sohn Marius übernimmt
In Birmenstorf geht eine Ära zu Ende und gleichzeitig eine Neue auf: Markus Biland tritt als Geschäftsführer zurück. Sein Sohn Marius übernimmt das ...
Birmenstorf: Neue Geschäftsführung bei Markus Biland AG. Sohn Marius übernimmt
In Birmenstorf geht eine Ära zu Ende und gleichzeitig eine Neue auf: Markus Biland tritt als Geschäftsführer zurück. Sein Sohn Marius übernimmt das traditionsreiche Bodenbelagsgeschäft.
Es gibt Momente, die weit mehr sind als ein formeller Akt, mehr als das Unterzeichnen eines Dokuments oder das Überreichen eines Schlüssels. In Birmenstorf, wo das Unternehmen Markus Biland AG seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der regionalen Handwerkslandschaft ist, hat sich ein solcher Moment ereignet. Markus Biland (64), der Mann, der mit seinen Händen Räume verwandelt, Böden zum Leben erweckt und unzähligen Häusern Wärme, Charakter und Beständigkeit verliehen hat, tritt einen Schritt zurück und macht Platz für die nächste Generation. Sein Sohn Marius (29) ist seit Anfang Jahr Geschäftsführer. Er tritt in grosse Fusstapfen, denn es ist nicht nur ein Betrieb, sondern ein Stück Familiengeschichte, das er da künftig leiten und führen wird.
Das Teppichverlegen war hoch im Kurs
Wer Markus Biland kennt, weiss: Er ist keiner, der halbe Sachen macht. Im Jahr 1991 übernimmt er von seinen Eltern den gut funktionierenden Betrieb. «Zu Beginn waren wir zu dritt», reflektiert Biland «und die Angebotspalette bestand eigentlich nur aus Teppichen. Diese gab es gerademal in den Farben hellbeige, mittelbeige oder beige. Die Landschaft in Sachen Bodenbeläge war damals eher karg, sehr ‹Teppichlastig› und nicht so umfangreich wie heute». Im Angebot stand zwar auch noch Parkett, aber dieser wurde selten bis nie gewünscht, seitens der Kundschaft. In den darauffolgenden Jahren nimmt der Geschäftsgang richtig Fahrt auf und Markus Biland passt sich den sich stetig verändernden Entwicklungen in der Branche an. Neue Materialien erobern den Markt (Linoleum, Vinyl, Kork, Kunststoff PVC, Kautschuk, Laminat, mineralische sowie Outdoorbeläge) und die Verkaufsberatung nimmt einen umfangreicheren Teil des Arbeitsalltages ein. Es gilt ebenfalls, sich konstant weiterzubilden. Die Digitalisierung schreitet voran. Themen wie Umwelt und Nachhaltigkeit werden in dieser Branche aktueller denn je. Einen sicher grösseren Meilenstein ist dann, als in der Bodenbelagsbranche das lösemittelfreie Zeitalter Einzug hält. Auch die Aussenbereiche von Liegenschaften und Privathäusern (Terrasse/Balkon) gewinnen zunehmends an Stellenwert und Beschattungen (Rollos/Plisée) in jeglicher Form gehören fortan zum Sortiment.
Aus den Fehlern anderer lernen können
Der Fachmann und Branchenspezialist führt nicht nur ein Unternehmen, sondern fungiert zudem während rund zehn Jahren als Schadensexperte beim Dachverband und bildet auch künftige Experten aus. «Ich habe viele Schadensfälle gesehen. Etliche unqualifizierte Arbeiten. Mich hat das nachdenklich gestimmt, aber zugleich konnte ich so aus den ‹Fehlern› anderer viel lernen und es besser machen», so der dreifache Familienvater. Auch die Globalisierung macht in Birmenstorf keinen Halt. Die Zeiten, als es in der Schweiz noch acht Teppichfabriken gibt, gehört definitiv der Vergangenheit an und Biland sieht sich konfrontiert, sich mit der Produktequalität und Herstellungsart aufschwappender ausländischer Herstellern auseinanderzusetzen. Zudem gilt es, «weltliche» Krisen (Immobilienkrise/Finanzkrise usw.) durchzustehen und auch in solchen Zeiten den Mitarbeitenden und den Kunden ein Vorbild zu bleiben und standhaft weiterzumachen.
Dieses Handwerk ist mehr als ein Beruf
Und mittendrin, zwischen Werkzeugkisten, Musterbüchern und dem Duft frisch geschliffenen Parketts, wuchs Marius auf. Der Jüngste der drei Geschwister. Schon als kleiner Junge beobachtete er seinen Vater, wie er mit ruhiger Hand und präzisem Blick arbeitete. «Während meinen Ferien habe ich öfters im Betrieb ausgeholfen und so sah ich, wie Kunden meinem Vater vertrauten, wie sie seine Ehrlichkeit schätzten und seine Fachkompetenz bewunderten». Für Marius war klar: Dieses Handwerk ist mehr als ein Beruf. Es ist eine Haltung. Eine Art, die Welt ein Stück schöner zu machen. Interessanterweise entschliesst sich der Teenager aber, eine Detailhandelslehre in der Uhren- und Edelsteinbranche zu machen. Später absolviert Biland Junior das Militär und entdeckt während dieser Zeit ganz neue Facetten an seiner Persönlichkeit. «Ich merkte, dass ich eigentlich gerne Verantwortung trage und gut ein Team leiten und motivieren kann».
«learning by doing» ist immer gut
In dieser Zeit stellt sich Marius vor, wie es wohl wäre, allenfalls beim Vater im Geschäft einzusteigen. Marius wechselt seinen edlen Detailhandel-Verkaufsanzug gegen Überhosen und arbeitet zwei Jahre auf dem Bau, als Bodenleger. «Mein Vater wollte sichergehen, dass mein Sinneswandel nicht bloss eine Eintagesfliege war und riet mir, meine berühmten Sporen doch mit ‹learning by doing› zu machen. Das war die beste Empfehlung überhaupt», bestätigt der heutige Geschäftsführer. Marius Biland besucht die nötigen Weiterbildungen, schult sich um und macht die dreijährige Ausbildung zum Eidg. dipl. Bodenbelagsberater. Das fundierte Fachwissen gibt ihm Sicherheit und Fachkompetenz. «Dass ich nun seit Anfang diesen Jahres als Geschäftsführer die Firma leiten darf, ist ein grosses Vertrauenszeichen seitens meines Vaters», freut sich Marius. Die beiden «ticken» gleich, teilen dieselben Werte und Marius Biland hat in keinster Weise vor, den Geschäftsgang jetzt komplett umzukrempeln und das Rad neu zu erfinden. «Ich mache es wie mein Vater, ich löse allenfalls auftauchende Schwierigkeiten immer schon vorher, bevor sie eskalieren.»
Tradition und Moderne ergänzen sich
Die Übergabe ist für Markus Biland ein Schritt, der etwas mit Wehmut verbunden ist, aber auch mit ganz tiefem Stolz. Denn er weiss: Sein Lebenswerk ist in den besten Händen. Marius bringt handwerkliches Können, frische Ideen und eine klare Vision für die Zukunft mit. Für die Kundschaft bedeutet der Wechsel Kontinuität und Erneuerung zugleich. Die Werte von Markus Biland, Verlässlichkeit, Präzision, Menschlichkeit, bleiben bestehen, während Marius mit digitalen Tools, innovativen Materialien und nachhaltigen Lösungen neue Wege geht. In Zeiten des Fachkräftemangels ist diese Übergabe ein starkes Zeichen: Tradition und Moderne ergänzen sich. Ein Familienbetrieb bleibt mehr als ein Unternehmen, er ist ein Versprechen für Qualität, Verantwortung und Vertrauen. Wenn Markus heute dankbar auf sein Werk schaut, spürt Marius die Energie eines neuen Anfangs. In Birmenstorf beginnt ein Kapitel, das die Vergangenheit ehrt und die Zukunft gestaltet. Dort, wo Böden nicht nur verlegt, sondern Geschichten geschrieben werden.
Isabel Steiner Peterhans








