Seit Kurzem sind bei der Steffen Bus AG die ersten Elektro-Gelenkbusse im Einsatz. Bis Anfang April wird die E-Flotte aufgestockt
Dieses Jahr feiert die Steffen Bus AG ihr 100-jähriges Bestehen. Mit der modernen E-Bus-Flotte rüstet sich das Traditionsunternehmen für die ...
Seit Kurzem sind bei der Steffen Bus AG die ersten Elektro-Gelenkbusse im Einsatz. Bis Anfang April wird die E-Flotte aufgestockt
Dieses Jahr feiert die Steffen Bus AG ihr 100-jähriges Bestehen. Mit der modernen E-Bus-Flotte rüstet sich das Traditionsunternehmen für die Zukunft. Angesichts der aktuellen globalen Krisen genau zum richtigen Zeitpunkt.
Vor 100 Jahren hat unser Grossvater die Postkutsche abgelöst, heute lösen wir den Verbrenner ab», schmunzelt Inhaber Adrian Steffen. Denn Firmengründer Philipp Steffen setzte vor 100 Jahren als einer der Ersten auf Motorfahrzeuge, während zuvor noch eine wackelnde Pferdekutsche am Rohrdorferberg unterwegs war. Am 5. September feiert Steffen Bus mit einem Tag der offenen Tür das grosse Firmenjubiläum. Doch das Familienunternehmen richtet den Blick nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft. Und die ist elektrisch – zumindest beim öV. Seit zwei Wochen verkehren auf den Linien von Steffen Bus die ersten acht Elektro-Gelenkbusse, bis Ende des Monats sollen weitere fünf E-Busse dazukommen. Damit sind 50 Prozent der Fahrzeugflotte elektrifiziert. Bis 2035 soll die gesamte Flotte mit E-Antrieb ausgestattet sein. Das entspricht der Strategie der Postauto AG, die bis 2035 schweizweit alle Postautos mit alternativen Antrieben auf die Strassen schicken will.
Modernste Infrastruktur
Ausschlaggebend für die Umrüstungspläne bei Steffen Bus war eine Strategievorlage des Kantons, die vorsieht, dass ab 2025 keine neuen Diesel-Fahrzeuge mehr für den öffentlichen Verkehr angeschafft werden sollen und – wo möglich – auf alternative Antriebe umgestellt werden soll. «Wir hatten eine optimale Ausgangslage», erklärt Betriebsleiter Fabian Meier. Denn die Trafostation der Gemeinde Remetschwil befindet sich direkt im Keller des Betriebshofs. Der Verwaltungsrat von Steffen Bus beschloss Nägel mit Köpfen zu machen und rund 2,5 Millionen Franken in eine hochmoderne Ladeinfrastruktur zu investieren. Dazu wurde eine eigene Trafostation auf dem Gelände gebaut, mit der via Mittelspannungsanbindung direkt Energie von der BKW Energie AG bezogen werden kann. In einer der Einstellhallen wurde darüber hinaus ein innovatives Ladesystem mit 16 Ladepunkten und einer Ausgangsleistung von zwei Megawatt installiert, die dynamisch auf die Ladepunkte verteilt werden kann – abhängig von Zeit, Fahrzeugtyp und aktuellem Ladebedarf. An jedem einzelnen Ladepunkt stehen dabei bis zu 960 kW zum Laden zur Verfügung. Zum Vergleich: Öffentliche Ladestationen für E-Autos schaffen meist nur 50 bis 350 kW.
Selbst mit durchschnittlicher Ladeleistung sind die neuen Elektrobusse mit 448-kWh-Batterie und rund 300 Kilometern Reichweite in etwa 1,5 Stunden aufgeladen und bereit für die nächste Schicht. Die Anschaffung der Elektro-Gelenkbusse der Marke Solaris, übernimmt die Postauto AG. Eigentlich hätte der Wagenpark bereits vor einem Jahr ersetzt werden sollen. Aber man wollte die Gelegenheit nutzen und gleich auf die neuen E-Busse umstellen. «Dafür haben wir jetzt die topmodernste und jüngste Fahrzeugflotte am Rohrdorferberg. Das war es wert, das Jahr zu überbrücken», erklärt Betriebsleiter Fabian Meier nicht ohne Stolz.
Umstellung für manchen Diesel-Fan
Aber natürlich müssen auch die Fahrerinnen und Fahrer mitziehen. Sie wurden eigens beim Fahrzeugimporteur von Solaris in Ruswil geschult. Nicht jeder war gleich von Anfang an begeistert: «Der eine ist ein Verbrennertyp, der andere ist innovativer», erzählt Daniel Lorenz, der selbst seit 20 Jahren beim Unternehmen Diesel-Busse fährt, privat aber bereits seit Jahren auf ein Elektroauto umgestiegen ist. Fahrerisch sei die Umstellung aber nicht allzu schwierig gewesen, nur den höheren Aufbau durch die Batterien auf dem Dach müsse man beachten: «Das sind vier Tonnen Batterie auf dem Dach. Die Kurvengeschwindigkeit muss man daher anpassen», erklärt er. Die Leistung des Elektromotors, der die Kraft direkt an die Kardanwelle abgibt, ist mit 520 PS und 4500 Newtonmetern beachtlich. Anders als beim Diesel steht beim E-Motor normalerweise die volle Leistung gleich vom Start weg zur Verfügung. Die Busse sind jedoch bis 30 km/h gedrosselt, um ruckartiges Anfahren zu vermeiden. «Das Rekuperieren ist sehr wichtig», erklärt Lorenz eine weitere Besonderheit beim elektrischen Fahren. Beim Bremsen wird dabei Energie zurückgewonnen. Und selbst «segeln» können die Busse. Dabei Rollen diese einfach nur, ohne dabei Energie zu verbrauchen.
Komfortableres Fahrgefühl
«Ich finde das Fahrgefühl angenehmer und weicher», erklärt Daniel Lorenz. Davon profitieren auch die Fahrgäste. Manchem falle aber zunächst gar nicht auf, dass er in einem elektrisch angetrieben Bus fahre, erzählt er. Sie wunderten sich nur, warum dieser so leise sei. Allgemein sei das Fazit der Passagiere positiv. Der Umwelt kommen die E-Busse allemal zugute, da diese nahezu CO2-neutral fahren. Natürlich erhoffe man sich – neben den positiven Auswirkungen für die Umwelt – auch ein wenig, durch die Umstellung mehr Fahrgäste zu generieren, weil jeder einmal mit einem Elektrobus fahren wolle, so Fabian Meier. Hinzu kommt, dass E-Busse im Service deutlich günstiger sind, weil beispielsweise Öl- und Filterwechsel wegfallen. Und die aktuell exorbitanten Ölpreise spürt man durch die Umstellung ganz nebenbei ebenfalls weniger: «Das spielt uns natürlich in die Hände», sagt Meier. Es zahlt sich also doppelt aus, wenn man nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch vorausschaut.
Michael Lux