Vor zehn Jahren begann er als «One Man Show»
29.05.2026 MellingenMellingen: Die Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Seit der Eröffnung des Jugendbüros 2016 ist viel passiert
Jugendarbeiter Marvin Kingsley baute 2016 die Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil von Grund auf. Er fing buchstäblich ...
Mellingen: Die Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Seit der Eröffnung des Jugendbüros 2016 ist viel passiert
Jugendarbeiter Marvin Kingsley baute 2016 die Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil von Grund auf. Er fing buchstäblich in einem leeren Raum in der Grossen Kirchgasse an. Seither ist die Jugendarbeit stetig gewachsen und gut etabliert.
ls Marvin Kingsley vor zehn Jahren von Bad Zurzach nach Mellingen kam, gab es dort bereits seit Jahren keinen Jugendtreff mehr. Gerade die Chance, etwas Neues aufzubauen, habe ihn angesprochen, erzählt Kingsley, der zuvor zu Mellingen keinerlei Bezug hatte. «Ich fand es spannend, weil extrem viel Potenzial vorhanden war», erklärt er. In Mellingen als Zentrumsgemeinde habe er viel Raum für Wachstum gesehen, zumal es in den umliegenden Gemeinden, abgesehen von Fislisbach und dem Rohrdorferberg, damals keine Jugendarbeit gab. Diese Einschätzung habe sich in den vergangenen Jahren bestätigt. Doch zunächst musste der 29-Jährige bei null anfangen. Das neue Jugendbüro in der Grossen Kirchgasse bestand, abgesehen von ein paar Sitzgelegenheiten und Standardspielen, buchstäblich nur aus einem leeren Raum. Nach und nach richteten er und die Jugendlichen den Treff nach deren Wünschen gemütlich ein. «Es ging dabei um Partizipation und darum, dass sich die Jugendlichen mit dem Raum identifizieren können», so Kingsley. Dass von Seiten der Jugendlichen ein grosses Bedürfnis nach einem eigenen Treffpunkt vorhanden war, zeigten von Beginn an die Besucherzahlen. Bis zu 20 Jugendliche – überwiegend aus Mellingen und Wohlenschwil – kamen zu den Spitzenzeiten pro Tag. Nach und nach fassten die Jugendlichen Vertrauen zum Jugendarbeiter. Mittlerweile kommen sie auch mit privaten oder schulischen Problemen zu Marvin Kingsley und seinen heutigen Kolleginnen Vanessa Battistini und Nada Wyss. Mit der Zeit bildete sich ein fester Stamm aus Jugendlichen, der sowohl altersmässig als auch von der sozialen Herkunft her sehr durchmischt sei, wie Kingsley berichtet. Der Anteil von Jungen und Mädchen betrage rund 60 zu 40 Prozent. «Beziehungsarbeit ist das A und O in der sozialen Arbeit», erklärt der Jugendarbeiter. Die ersten drei Jahre nach Eröffnung habe er darüber hinaus grundlegende Vernetzungsarbeit geleistet, um die Jugendarbeit bei Behörden, Schulen und in der Bevölkerung bekannt zu machen.
Heute sind sie zu dritt
Mit dem wachsenden Zulauf wurde auch das Team schrittweise grösser: «Nach drei Jahren haben wir erstmals jemanden für die Ausbildung eingestellt, seitdem sind wird ein Ausbildungsplatz», erklärt Marvin Kingsley. Seit vergangenem Sommer ist das Team nun zu dritt. Jugendarbeiterin Vanessa Battistini konnte ihr ursprüngliches Pensum sogar von 60 auf 70 Prozent erhöhen. Denn ebenfalls seit letztem Jahr betreut die Jugendarbeit Mellingen-Wohlenschwil als dreijähriges Pilotprojekt zusätzlich an zwei Tagen pro Woche den Kinder- und Jugendtreff in Mägenwil («Reussbote» vom 27. Mai 2025). Doch springen wir noch etwas zurück. «Ein weiteres Highlight ist der Bauwagen gewesen, den haben wir seit sechs Jahren», erinnert sich Marvin Kingsley. Als «Corona-Projekt» hätten die Jugendlichen diesen von A bis Z selbst umgebaut. «Bob der Bauwagen», wird seither im Sommer in wechselnden Gemeinden aufgestellt und bildete die Grundlage für die mobile Jugendarbeit, die seither fester Bestandteil des Konzepts ist.
Ein weiterer Meilenstein folgte im Oktober 2024. Damals zügelte der Jugendtreff vom längst zu eng gewordenen Jugendbüro in der Mellinger Altstadt, einmal über die Brücke, ins neue Jugendbüro am Zentralplatz. «Wir haben die Fläche fast vervierfacht», freut sich Marvin Kingsley. Am neuen Ort ging es abermals zuerst an die Gestaltung und Einrichtung durch die Jugendlichen – auch mit Hilfe von Sachspenden aus der Bevölkerung. Heute gibt es dort eine Pingpongplatte, einen Billardtisch, einen Boxsack und im Untergeschoss einen Gaming-Raum. Ein weiteres Highlight ist die Küche: «Sie war ein Wunsch der Jugendlichen und wird rege genutzt. Die Jugendlichen kochen auch füreinander», so Kingsley. Mit den neuen Räumlichkeiten und Mitarbeitenden konnten auch die Öffnungszeiten erweitert werden. Am Freitagabend ist das Jugendbüro nun statt bis 19 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Und auch die Besucherzahlen explodierten. Zu Spitzenzeiten kommen in der besonders stark frequentierten Winterzeit bis zu 60 Personen ins Jugendbüro. «Ich glaube, wir sind an einem recht guten Punkt, an dem wir uns etabliert haben», so Kingsley. Mittelfristig sieht er noch Wachstumspotenzial.
Jubiläumsfeier am Jugendfest
Als nächstes Projekt steht die Jubiläumsfeier zum zehnjährigen Bestehen an. Diese soll im Rahmen des Jugendfestes vom 25. bis 27. Juni in Mellingen stattfinden. Die Jugendarbeit MeWo wird rund um die Sportwiese in Wohlenschwil und den Sportplatz an der Kleinen Kreuzzelg in Mellingen präsent sein. Es gibt Getränke, Feuerschalen und gebratene Marshmallows. Die Kids können ausserdem mit «Bubble Balls», durchsichtigen begehbaren Plastikbällen, herumturnen. Zum Jubiläum möchte Marvin Kingsley auch einmal «Danke» sagen – an die Bevölkerung und an die Behörden, welche die Jugendarbeit sehr unterstützten. «Es ist ein sehr wohlwollendes Umfeld. Das ist nicht selbstverständlich», findet der Jugendarbeiter. Doch noch etwas ist ihm wichtig zu betonen: «Es sind die Jugendlichen, die das Ganze am Leben erhalten.»
Michael Lux

