Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
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Edith Nielsen wuchs auf am Zürichsee, arbeitete im Buchhandel in Neuchâtel, London, Zürich und Davos, ferner als Sekretärin von Zirkus Knie, bei BBC und Sterk-Kinos, und war tätig für Terre des Hommes und Helvetas. Sie wohnt beim Hexenturm in Mellingen.
Am Sonntag ist Floh- und Antiquitätenmarkt in Mellingen! (Manchmal mit mehr Flöhen als Antiquitäten). Was zieht uns dabei immer so magisch an? Es liegt in unseren Genen: Die Märkte der Vergangenheit hatten wirtschaftlichen Stellenwert, waren Umschlagplatz für Lebensmittel, Tiere und Gebrauchsartikel und dienten dem Austausch von Informationen. Heute flanieren die Leute durch, haben alles im Überfluss, und punkto Informationen täglich aufgedonnerte News auf allen Kanälen; ob sie stimmen, ist ebenso fraglich wie die Geschichten und Gerüchte, die damals an den Märkten kursierten! Aber, wo bleibt das fröhliche Ausrufen und Anpreisen der Ware? Das Feilschen? Alles Vergangenheit? Ein bisschen Gauklertum und Marktgeschrei wäre belebend! Immerhin ist es erfreulich, wenn diese coole Akkordeonistin durch die Gassen zieht, oder – ein Highlight, Drehorgelklänge zu hören sind. Vielen Dank! Hoffen wir, dass die Herren wieder kommen mit ihren kostbaren Leierkästen.
Ich suche Geschenke. Das Waschbrett von 1800? Als Dekorobjekt etwas zu gross. Zudem klebt vielleicht bittere Not daran. Sehr schöne Messingscharniere? Aber die Türe fehlt... Wasserstiefel? Eher nicht, so trocken wie der Sommer war. Ein Sonnenuntergang am Meer? Für wen denn, wenn heute die Fernseher wandgross sind. - Da! Eine Babuschka! Die braucht nicht viel Platz. Aber aufgepasst: Jeder der herein kommt schreit: «Oh, Babuschkas, darf man sie sehen?» Dann musst du sie auseinander nehmen, in Reih und Glied bis zur erbsenkleinsten Babuschka alle aufstellen, und danach wieder ineinander kriegen! - Ah, jetzt! Eine Trouvaille: Ein Bajonett. Für meine waffenvernarrten Freunde in Amerika! Einfach im Koffer aufgeben. So sind schon die verrücktesten Dinge, sogar Revolver, durchgekommen. Nur beim Personenscanner könnte es schief laufen. Der biometrische Scan wird in deinen Augen das Bajonett erkennen, nur schon, weil du ‘daran denkst’! Dann ist der Leumund aus Bern einen Pfifferling wert! Ich suche weiter. Schade, dass keine Kühe und Geissen, Schafe und Gänse mehr feilgeboten werden, jetzt, wo der Lindenplatz begrünt werden soll und man uns bald auffordern wird, wieder ein wenig Selbstversorger zu sein. Auf meinem Balkon plane ich, zwei, drei Hühner zu halten, auch ein Kaninchenstall hat Platz. Was man sich vorstellt, wird! Wie ca.1783. Und ich übe schon: «Kommt her, ihr Rüebliländer! Frische Eier vom Hexenturm!»