Es ist ein Privileg, in aller Ruhe im Restaurant die Zeitung lesen zu können, ohne mit jemandem sprechen zu müssen. Ohne Zeitdruck, ohne Gesprächspartner, der einem dauernd die Welt erklären will. Deshalb setze ich mich von Zeit zu Zeit an den kleinsten und hintersten Tisch in ...
Es ist ein Privileg, in aller Ruhe im Restaurant die Zeitung lesen zu können, ohne mit jemandem sprechen zu müssen. Ohne Zeitdruck, ohne Gesprächspartner, der einem dauernd die Welt erklären will. Deshalb setze ich mich von Zeit zu Zeit an den kleinsten und hintersten Tisch in der Wirtschaft, bestelle ein Mineralwasser (ja!), widme mich dem Blatt und hoffe, von niemandem erkannt zu werden. Und dann geht es los: Natürlich studiere ich als erstes den Sportteil. Je nach Wochentag gibt der nicht viel her: Der FC Aarau ist momentan ein Ärgernis, und Xhaka macht wieder mal Schlagzeilen, jedoch nicht fussballerische. Also weiter im (Zeitungs-)Text. Was ich sehr liebe, sind Interviews, fast egal mit wem und warum. Glück gehabt, ich finde kürzlich zwei Seiten, die mich interessieren: Ein Gespräch mit Rolf Dobelli, einem Schriftsteller und Philosophen. Liebe Leserschaft, blättern Sie deswegen nicht sofort weiter! Philosophen sind ja auch nur Menschen, oft auch gescheite, Dobelli jedenfalls. Seine Theorien beeindrucken mich schon länger. Am Schluss des Interviews verrät er, dass er eine App habe, welche «auf Grundlage der neusten Forschung» seinen Todestag berechnen könne. Mit «neuster Forschung» ist natürlich KI gemeint. Sehr interessant, finde ich. Allerdings möchte ich persönlich mein Lebensende jetzt noch nicht so genau erfahren. Es reicht mir, meinen Geburtstag zu kennen. Dieses Datum stimmt sicher. Todsicher.
Jean