Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Ich erinnere mich gut an die Zeit, ...
Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Ich erinnere mich gut an die Zeit, als ich als kleiner Bub vor und neben dem Weihnachtsbaum Gedichte aufsagen «musste», weil meine Grosseltern das damals so gerne hören wollten. Später wurden dann meine jüngeren Geschwister dazu verdonnert, aber singen mussten wir alle, vier oder fünf Lieder waren es bestimmt immer, an beiden Weihnachtstagen.
Später wurde ich in die Weihnachtstraditionen der Familie meiner Frau eingeführt. Im Grossen und Ganzen lief alles ähnlich ab, bis auf das Essen oder den Ablauf beim Geschenkeauspacken. Womit wir beim Thema wären: Geschenke und Tradition oder die Frage: Sind Geschenke bloss eine Tradition, so wie das Singen von Liedern um den Weihnachtsbaum?
Für mich als Kind waren sie das Beste an Weihnachten. Und so war es auch für unsere Buben. Doch die Buben sind nun junge Männer, und Geschenke wie auch Traditionen spielen in ihrem Leben eine untergeordnete Rolle – so wie damals bei mir, als ich älter wurde.
Daher stellen wir uns nun schon zum zweiten Mal die Frage: Wie weiter mit den Traditionen, wenn es nur noch wir Erwachsenen sind, die diese aufrechterhalten? Aber für wen eigentlich? Machen die anderen nur noch mit, weil wir an den Traditionen festhalten? Weil man es eben so macht. Weil man es schon immer so gemacht hat. Nur: Wenn dabei keine leuchtenden Kinderaugen mehr zu sehen sind, sondern höchstens noch halbherzig mitgesungen wird, sollten wir dann nicht ehrlich zu uns selbst sein und uns darauf besinnen, was wir wirklich wollen, was uns wirklich wichtig ist?
Bei mir sind es die Menschen meiner Familie. Auch wenn wir weit verstreut über die Schweiz wohnen, treffen wir uns doch immer mindestens einmal im Jahr alle zusammen. Und das ist schön, finde ich. Auch wenn wir alle unsere eigenen Leben leben und unsere Bürden mit uns herumtragen, gibt es diese beiden Abende im Jahr und zum Glück manchmal auch noch ein paar mehr, an denen man sich trifft und etwas Zeit miteinander verbringt.
Denn schon jetzt sind nicht mehr alle dabei; einige mussten diese Welt schon verlassen. Umso mehr freue ich mich darauf, wenn vielleicht schon bald neue Gesichter in unserer Runde dazukommen. Ob dann noch gesungen oder Gedichte aufgesagt werden, ob unter dem Baum viele Geschenke liegen oder wenige – mir egal. Diese Abende haben nie von Perfektion gelebt, sondern davon, dass wir da sind. Vielleicht ist genau das die Tradition, die es zu bewahren lohnt: nicht das Ritual, sondern das Zusammensein.