Niederrohrdorf: Im Torfmoos ist erstmals ein Waschbär gesichtet worden – die Jagdaufsicht ist alarmiert
Im Naturschutzgebiet Torfmoos ist der Bär los – der Waschbär. Die herzig aussehenden Tiere gelten als invasiv und gefährden einheimische Tierarten. ...
Niederrohrdorf: Im Torfmoos ist erstmals ein Waschbär gesichtet worden – die Jagdaufsicht ist alarmiert
Im Naturschutzgebiet Torfmoos ist der Bär los – der Waschbär. Die herzig aussehenden Tiere gelten als invasiv und gefährden einheimische Tierarten. Gemeinde und Jagdaufsicht bitten um Sichtmeldungen und ergreifen erste Massnahmen.
Der Biber hat sich schon seit Längerem im Niederrohrdorfer Torfmoos, das zu den seltenen Hochmooren gehört, häuslich eingerichtet. Nun scheint ein weiterer – allerdings ungern gesehener – Gast angekommen zu sein: ein Waschbär. «Er ist vom Fischpächter des Torfmoosweihers gesehen worden», berichtet der zuständige Jagdaufseher Erich Hess. Er selbst hat ihn zwar noch nicht zu Gesicht bekommen, doch etwas tiefer im Wald, wo der Biber diesen unter Wasser gesetzt hat, ging ein Exemplar einem Fotografen in die Fotofalle. Ob es tatsächlich ein und dasselbe Tier sei, müsse noch eruiert werden, so Hess. Er hat die Kollegen der benachbarten Reviere bereits informiert. Auf dem Küntener Gebiet sei in der Vergangenheit bereits einmal ein Tier beobachtet worden. Abgesehen davon ist es aber das erste Mal, dass die ursprünglich aus Nordamerika stammende Art in der Region gesichtet wurde.
Unerwünschter Einwanderer
Vor rund 100 Jahren wurden Waschbären für die Pelzzucht nach Deutschland importiert, gelangten dort in die freie Wildbahn und pflanzten sich seither fort. Anfang der 2000er-Jahre wurden die ersten Tiere dann in der Schweiz gemeldet. Der Waschbär ist definitiv auf dem Vormarsch», bestätigt Hess. Laut Kantonaler Jagdstatistik wurden im vergangenen Jahr insgesamt 54 Tiere geschossen, doppelt so viele wie im Vorjahr. Ein weiteres Indiz, für die zunehmende Verbreitung im Aargau. Alles halb so schlimm, die Pelztierchen sind doch ganz herzig, oder? Für die heimische Tierwelt ist der Waschbär allerdings eine Bedrohung: «Der Waschbär ist ein Allesfresser», erklärt der Jagdaufseher. Auf dessen Speisezettel stünden Schnecken, Käfer, Würmer, Mäuse, aber auch empfindliche Arten, wie Amphibien, Reptilien und Vögel. «Er geht die Nistkästen ausplündern. Durch seine langen dünnen Pfoten kommt er dort gut hinein», weiss Erich Hess. Darüber hinaus macht der Waschbär Dachs, Iltis und Marder bei der Beute Konkurrenz. Als erste Massnahme von Gemeinde und Jagdaufsicht sollen nun Infoflyer für die Bevölkerung im Gebiet aufgehängt werden und Abfallkübel rund um die Feuerstellen «bärensicher» gemacht werden. Weitere Waschbärensichtungen sollten der Jagdaufsicht (Tel. 079 207 88 32) gemeldet werden. Auch zu Hause kann man etwas tun, um ungebetenen Besuch zu vermeiden. Ähnlich wie beim Schutz vor Füchsen, sollten z.B. Abfallsäcke erst am Morgen vor die Tür gestellt werden. Mülleimer sowie Türen und Fenster sollten unzugänglich sein. «Wenn der Waschbär erst einmal im Wohngebiet ist, haben wir ein Problem», so Hess. Denn dort finden die Tiere jede Menge Nahrung und vermehren sich weiter. So putzig der Niederrohrdorfer Waschbär aussieht: Sollte er sich nicht wieder verdrücken, geht es ihm an den Pelz. Für gebietsfremde Tierarten, sogenannte Neozoen, gibt es laut Jagdaufsicht keine Schonzeit. Im Wald würde er geschossen, im Siedlungsgebiet eingefangen und anschliessend getötet.
Michael Lux