Wasser 2035: Eröffnung ist für 2030/31 geplant
21.08.2026 Region ReusstalRegion: An der Delegiertenversammlung des Wasserverbundes «Wasser2035 Bünztal–Reusstal» wurde über Neuerungen zum Projekt informiert
Der Slogan «Der Ring bringts» verdeutlicht, wie wichtig für die Gemeinden im Bünz- und Reusstal der ...
Region: An der Delegiertenversammlung des Wasserverbundes «Wasser2035 Bünztal–Reusstal» wurde über Neuerungen zum Projekt informiert
Der Slogan «Der Ring bringts» verdeutlicht, wie wichtig für die Gemeinden im Bünz- und Reusstal der Wasserverbund «Wasser 2035» ist. Im Interview mit dem «Reussbote» führt VR-Präsident Norbert Ender aus, weshalb das so ist und was der Stand des Generationen-Projekts ist.
Kürzlich fand die Delegiertenversammlung der Interkommunalen Anstalt (IKA) Wasser 2035 statt. Norbert Ender, VR-Präsident betonte, dass das Projekt auf gutem Weg sei. Mit dem Projekt wird die Trinkwasserversorgung in der Region langfristig mit einer 20 Kilometer langen Ringleitung gesichert. Die bereits bestehende Wasserleitung im Bünztal wird dazu mit einer zusätzlichen Leitung im Reusstal zu einer Ringleitung verbunden. Die 22 Mitglieder der IKA Wasser 2035 erhalten so einen Anschluss an das ergiebige Grundwasservorkommen im Gebiet Länzert (nordwestlich von Lenzburg). Der «Reussbote» fragte bei Norbert Ender nach, wie es um das Projekt steht und ob es bei der anhaltenden Trockenheit noch zusätzliche Anfragen von anderen Dörfern gibt, die ebenfalls auf den Wasser-Zug aufspringen wollen.
◆ Norbert Ender, wie läuft das Projekt Wasser 2035?
Das Projekt ist auf Kurs. Sowohl in Bezug auf die Wasserbewirtschaftung als auch im Hinblick auf die Realisierung der Ringleitung im Reusstal wurden wichtige Fortschritte erzielt. Für die Realisierung des Bauprojekts konnte ein kompetentes Team aus mehreren Ingenieurbüros und Fachplanern zusammengestellt werden. Das Projektteam hat die Rückmeldungen des Kantons Aargau zum Vorprojekt verarbeitet und löst die technischen Herausforderungen, damit wir bei der Realisierung keine Überraschungen erleben. Wir sind mit dem Fortschritt sehr zufrieden.
◆ Was hat sich seit der letzten DV vor einem Jahr verändert?
Die Erarbeitung des Bauprojekts ist um Einiges fortgeschritten. Verschiedene Baugrunduntersuchungen haben wichtige Erkenntnisse für die weitere Planung ergeben. So können allfällige Risiken besser abgeschätzt und eliminiert werden.
◆ Laufen bereits Verhandlungen für den Landerwerb für die Durchleitung mit Grundeigentümerinnen und -eigentümern?
Ja – im März 2026 wurden erste Dossiers für den Erwerb von Durchleitungsrechten an betroffene Grundeigentümerinnen und Eigentümer verschickt. In den bereits fertig projektierten Abschnitten sind die Verhandlungen im Gang.
◆ Wann ist vorgesehen, die Verträge zu versenden?
Einzelne Verträge wurden bereits versendet. Sobald die Projektierung auf einem Abschnitt abgeschlossen ist, werden die Landerwerbsdossiers zusammengestellt und an die Eigentümer versendet.
◆ Was bedeutet es, dass wegen der Bodenanalyse bei der Autobahnquerung in Mägenwil der Routenverlauf angepasst werden muss?
Weil der Boden bei der Autobahnquerung (A1) einen sehr hohen Kiesanteil aufweist, wäre das ursprünglich vorgesehene grabenlose Bauverfahren mit einem sehr hohen Risiko verbunden. Deshalb prüfen wir derzeit andere Verfahren und alternative Linienführungen.
◆ Wie sieht es mit Mehrkosten aus?
Zu den Kosten des Projekts kann erst am Ende des Bauprojekts eine konkrete Aussage getroffen werden; dann wird ein neuer Kostenvoranschlag vorliegen.
◆ Wann wird das Bauprojekt beim Kanton eingereicht?
Ziel ist es, das Bauprojekt bis Ende des ersten Quartals 2027 beim Kanton einzureichen.
◆ Wie sieht es bei der Planung des Stufenpumpwerks in Mellingen aus, konnte ein Standort gefunden und Verträge abgeschlossen werden?
Ein geeigneter Standort wurde gefunden. Der Vetrag wurde inzwischen unterzeichnet.
◆ Sind trotz des extrem trockenen Sommers die Wasservorkommen im Gebiet Länzert ausreichend?
Die Grundwasservorkommen im Gebiet Länzert werden unter anderem vom Aare-Grundwasserstrom gespiesen, der extrem ergiebig ist. Hydrogeologische Untersuchungen haben ergeben, dass in diesem Gebiet mehrere Grundwasserströme zusammenfliessen. Geplant ist deshalb, mit einem neuen Grundwasserpumpwerk Zimberhübel ein weiteres Grundwasservorkommen zu erschliessen. Somit kann auch in Zukunft mit genügend Ergiebigkeit gerechnet werden. Das Vorprojekt wird 2026/2027 ausgearbeitet.
◆ Was haben die Pumpversuche bei den einzelnen Gemeinden gezeigt? Gab es Überraschungen?
Der Pumpversuch im Gebiet der Hinteren Mulde hat im Grundsatz keine Überraschungen gebracht. Im Gebiet Karrenwald hat sich hingegen gezeigt, dass sich der Grundwasserstand nur sehr langsam erholt und deshalb eine grössere Erhöhung der Förderleistung nicht sinnvoll ist: Das Pumpwerk könnte im Sommer jeweils nur einmal zur Spitzendeckung genützt werden, anschliessend müsste eine sehr lange Erholungsphase folgen. Der Verwaltungsrat hat deshalb entschieden, die Planung des Grundwasserpumpwerks Zimberhübel in der Mehrjahresplanung vorzuziehen, um die langfristige Wasserbeschaffung zu sichern.
◆ Was bedeutet das für die Gemeinde Niederwil, das die Quellfassung Karrenwald nicht so ergiebig ist?
Für die Gemeinde Niederwil bedeutet diese Erkenntnis, dass der Ausbau des Grundwasserpumpwerks auf der Basis des Pumpversuchs optimal ausgelegt werden kann und so die Investitionen optimiert werden können.
◆ Gab es Gemeinden, die bereits wegen der Trockenheit nachfragten, wann mit der Umsetzung des Projekts gerechnet wird?
Das kommt vor. Natürlich wünschen sich viele unserer Mitglieder, dass das Projekt bereits umgesetzt wäre – es ist jedoch auch allen klar, dass die Umsetzung noch bis 2030/31 dauert. Während der aktuellen Trockenheit stehen wir regelmässig in Kontakt mit allen Mitgliedern, um Optimierungen zu finden, aber das aktuelle System stösst natürlich an Grenzen. Dies wird sich erst mit der Realisierung des Projekts lösen lassen.
◆ Wie sieht es mit zusätzlichen Anfragen von weiteren Gemeinden für einen Anschluss an den Wasserverbund aus?
Es gibt vereinzelte Anfragen. Momentan sind bis zur Inbetriebnahme des Grundwasserpumpwerks Zimberhübel die Wasserbezüge innerhalb von Wasser2035 ausgeschöpft. Neue Mitglieder können nur aufgenommen werden, wenn auch die Wasserbeschaffung langfristig gesichert ist.
◆ Was ist der Zeitplan für die Umsetzung des Projekts?
Die Eingabe des Bauprojekts hat sich um drei Monate verzögert. Dies wird aber für die Umsetzung des Projekts als unkritisch eingeschätzt.
◆ Wann wird wieder informiert?
Spätestens an der nächsten Delegiertenversammlung wird wieder über den Stand des Projekts informiert.
◆ Was steht in der nächsten Zeit an? In den nächsten Monaten werden Alternativen für die Querung der Bünz in Othmarsingen und der A1 bei Brunegg gesucht. Im Anschluss wird die Linienführung fertig projektiert, der Kostenvoranschlag erstellt und die Eingabe des Projekts beim Kanton vorbereitet. Parallel laufen die Verhandlungen mit den Grundeigentümern für den Erwerb der Durchleitungsrechte.
◆ Wann kann mit der Eröffnung der Ringleitung gerechnet werden, ist das Projekt im Zeitplan?
Ziel ist weiterhin, die Ringleitung ab 2030/31 in Betrieb zu nehmen.
Debora Gattlen

