Patrick Oldani lebt mit seiner Familie in Tägerig. Der Einkaufsleiter ist Mitglied des Gemeinderates. In der Freizeit ist er gerne in der Natur unterwegs, unternimmt etwas mit der Familie oder werkelt am Haus oder im Garten.
Zum 1. Mai schlage ich das Wort zum Sonntag an, besser zum ...
Patrick Oldani lebt mit seiner Familie in Tägerig. Der Einkaufsleiter ist Mitglied des Gemeinderates. In der Freizeit ist er gerne in der Natur unterwegs, unternimmt etwas mit der Familie oder werkelt am Haus oder im Garten.
Zum 1. Mai schlage ich das Wort zum Sonntag an, besser zum Weissen Sonntag. Eigentlich ist das den Seelsorgern vorbehalten, doch wage ich mich dank der «Carte blanche» für uns RB-Kolumnisten erneut an die 10-Millionen-Initiative heran. Mein letzter Beitrag hat Trubel ausgelöst. Man teilte mir unter anderem mit, dass auch unsere Vorfahren Einwanderer waren … das solle ich doch bedenken! Die Absicht dahinter? Wohl weil die Initiative von der «bösen» SVP kommt. Zudem ist in der «Mitte» Patriotismus nicht chic und die FDP hat den Kompass verloren.
Blicken wir zurück: Je nach Zweig wanderten meine Vorfahren um 1874 von Magenta, in der Nähe von Milano ein, kamen im Ersten Weltkrieg aus Deutschland oder in den 1940ern aus Ligurien. Sie waren genügsam, arbeitsam und fleissig. Engagierten sich in Vereinen und Behörden. Damals gab es keine Krankenkasse, die vom Staat bezahlt wurde und man musste selbst für Essen und ein Dach über dem Kopf aufkommen. Sie kamen nicht hierher, um Sonderrechte einzufordern, sondern um sich anzupassen, ein Anspruch, der heute allzu oft als Zumutung gilt. Mein Grossvater, in dritter Generation hier geboren, heiratete eine Deutsche und leistete Aktivdienst, nachdem er sich 1942 einbürgern liess. Der andere Grossvater, ein Ortsbürger, heiratete eine Toggenburgerin aus Alt St. Johann, deren Sohn wiederum eine Italienerin usw. So sieht es bei vielen von uns aus: Wir sind ein Mix aus verschiedenen Ursprüngen, die über Generationen hier ankamen und sich anpassten.
Am Weissen Sonntag nun, die Kirche mitten im Freiamt fing letzten Sonntag um 10 Uhr an, pünktlich natürlich. Wer aber kam dann 10, 30 oder gar 50 Minuten zu spät? Es waren durchwegs etwa 15 Einwanderer. Gestylt und auf Stöggelis wird während der Messe hineinstolziert und «la Famiglia» gesucht, sodass man es auch ja in der ganzen Kirche hören konnte. Am Apéro merkte ich schnell, dass sie besser ihre Heimatsprache als Deutsch sprechen, obwohl sie seit 20 und mehr Jahren hier leben oder hier zur Schule gingen.
Seien Sie mutig! Wer für die Schweiz ist, ist für die 10-Millionen-Initiative und stimmt Ja zur Nachhaltigkeitsinitiative, ganz ohne ideologische oder rassistische Gräben. Gehen Sie auf die Website Facts4future und staunen Sie. Denn am Ende ist jeder von uns irgendwo ein Fremder; wir sind alle nur Einwanderer mit zeitlichem Vorsprung.