Wohlenschwil: Die Bundesfeier fand ohne 1.-August-Feuer statt, dafür mit einem prominenten Gastredner
Die Schlagzeile lieferte der Journalist und ehemalige Radio- und Fernsehmoderator Jürgen Sahli gleich selbst. Denn seine Festrede zum 1. August war für den ...
Wohlenschwil: Die Bundesfeier fand ohne 1.-August-Feuer statt, dafür mit einem prominenten Gastredner
Die Schlagzeile lieferte der Journalist und ehemalige Radio- und Fernsehmoderator Jürgen Sahli gleich selbst. Denn seine Festrede zum 1. August war für den früheren Radio-Argovia-Chefredaktor eine echte Premiere. In dieser fand er mahnende Worte – jedoch gewürzt mit einer Prise Humor.
In Radio und Fernsehen war und ist es Jürgen Sahli gewohnt, unter dem Motto «de Sänf dezue» das aktuelle Geschehen zu kommentieren. Natürlich weiss der Medienprofi aus seiner journalistischen Tätigkeit auch ganz genau, worauf es bei der Berichterstattung von 1.-August-Feiern ankommt: Möglichst alle Politkerinnen und Promis zu erwähnen. «Sonst hat es einen Rüffel vom Chef gegeben», erinnerte sich Sahli zu Beginn seiner Rede schmunzelnd. An diesem Tag war das Radio-Argovia-Urgestein jedoch selbst als prominenter Gastredner eingeladen. «Jürgen Sahli ist ein Jugendfreund, wir haben zusammen in Wettingen Handball gespielt», erklärte Gemeindeammann Roger Aerne, wie es zum Kontakt kam.
Bereits vor zwei Monaten habe er angefangen, an seiner Rede zu schreiben, verriet Sahli, der in seiner Rede durchaus ernste Töne anschlug. «Warum denken so viele negativ? Warum wird so häufig und zum Teil hemmungslos gegen andere Menschen gelästert», fragte er und wandte sich gegen Beleidigungen, Diffamierung und diejenigen, die Freude daran verspürten, Angst im Land zu schüren. Der 1. August sei ein guter Tag um diesen zuzurufen: «Nein, wir wollen das nicht, wir haben keine Angst.» Was die Schweiz auszeichne seien die Grundrechte, wie das Stimm- und Wahlrecht, Menschenwürde, Rechtsgleichheit, Meinungsfreiheit, Eigentumsgarantie und Wirtschaftsfreiheit: «Aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung», mahnte Sahli. Es sei wichtig, auch vor der eigenen Haustür vorzuleben, dass Demokratie nur funktioniere, wenn man miteinander und nicht übereinander rede. Er rief darüber hinaus zu Rücksichtnahme, Freundlichkeit, Solidarität, Kompromissbereitschaft auf – und zu Humor im Umgang miteinander. Die Gesellschaft funktioniere besser, wenn man nicht alles ernst nehme und auch mal über sich selbst lache. Statt sofort in den «Empörmodus» zu schalten und in den sozialen Medien Dampf abzulassen, solle man einen Konflikt lieber auch mal mit einem Lächeln entschärfen. «Bleiben wir auf unserem erfolgreichen Weg und lassen uns nicht davon abbringen», so sein Credo für die Zukunft.
Kein Feuer, aber Lampionumzug
Töne, die beim Publikum gut ankamen. Und schlechte Stimmung war bei der Bundesfeier in Wohlenschwil, die in diesem Jahr vom Männerturnverein organisiert wurde, ohnehin nicht angesagt – selbst wenn Feuerwerk und Höhenfeuer aufgrund der Brandgefahr ausbleiben mussten. Die Entscheidung sei schon vor dem offiziellen Feuerverbot gefallen, erklärte Roger Aerne: «Wir haben gesagt, wir wollen kein Risiko eingehen», so der Gemeindeammann. Die kleinen Festbesucher mussten dennoch nicht auf den traditionellen Lampionumzug verzichten (siehe Foto Seite 2). Die Gemeinde hatte eigens LED-Leuchten als Ersatz für Kerzen und Fackeln bestellt. So konnte der vom Musikverein Mägenwil-Wohlenschwil musikalisch untermalte Sommerabend gewohnt besinnlich ausklingen.
Michael Lux