Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin (GLP) und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwesen. In ihrer Freizeit segelt sie leidenschaftlich gern.
Wer ...
Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin (GLP) und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwesen. In ihrer Freizeit segelt sie leidenschaftlich gern.
Wer über Zuwanderung spricht, darf die Sorgen vieler Menschen nicht beiseiteschieben. Viele erleben im Alltag, dass Wohnungen knapper werden, Strassen und Züge voller sind, Schulraum fehlt und Gemeinden bei Infrastruktur und Sozialkosten an Grenzen stossen. Wer sich fragt, ob dieses Wachstum langfristig noch tragbar ist, stellt eine berechtigte Frage.
Gerade deshalb muss die 10-Millionen-Schweiz-Initiative nüchtern beurteilt werden. Sie spricht echte Probleme an, gibt ihnen aber eine trügerisch einfache Antwort. Eine Zahl in der Verfassung baut keine Wohnung, entlastet keine Strasse und schafft keine Lehrstelle in der Pflege. Bürgerliche Politik heisst nicht, jedes Wachstum gutzuheissen. Sie heisst, Mass zu halten, Verantwortung einzufordern und Regeln durchzusetzen. Dazu gehören bessere Steuerung der Zuwanderung, konsequente Integration, klare Vorgaben im Asylwesen und die stärkere Nutzung des inländischen Arbeitskräftepotenzials. Wer hier lebt, soll unsere Sprache lernen, unsere Gesetze achten und seinen Beitrag leisten. Wer arbeiten kann, soll arbeiten.
Aber bürgerliche Politik heisst auch, Bewährtes nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Die Schweiz lebt von stabilen Institutionen, verlässlichen Verträgen und einer starken Wirtschaft. Viele Betriebe, Spitäler, Pflegeheime und Handwerksunternehmen finden heute zu wenig Fachkräfte. Wenn die Initiative am Ende die Personenfreizügigkeit und damit den bilateralen Weg gefährdet, trifft das nicht nur Bern oder Brüssel, sondern Arbeitsplätze, Versorgungssicherheit und Familien.
Auch bürgerliche Anliegen wie Eigenverantwortung, eine vorausschauende Finanzpolitik und Sicherheit sprechen nicht für einen Automatismus, der mehr Unsicherheit schafft. Wer Gemeinden entlasten will, muss konkrete Aufgaben lösen: bauen, wo es sinnvoll ist; bestehende Flächen besser nutzen; Verkehr, Energie und Schulen planen; Missbrauch bekämpfen; Integration verbindlich einfordern; und Unternehmen stärker in Ausbildung und Vereinbarkeit einbinden.
Die Schweiz kann nicht beliebig wachsen. Das ist richtig. Falsch wäre aber, daraus eine starre Verfassungsgrenze zu machen, die am Ende mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt. Wir brauchen keine Scheinlösung, sondern Ordnung mit Augenmass. Sorgen ernst nehmen, Probleme anpacken, Stärken bewahren: Darum ist diese Initiative für eine 10-Millionen-Schweiz am 14. Juni abzulehnen.