Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im ...
Annetta Schuppisser ist in Tägerig aufgewachsen, Grossrätin und wohnt in Baden. Sie hat Masterstudiengänge in International Law & Management in St. Gallen absolviert und arbeitet im Finanzwesen. In ihrer Freizeit segelt sie leidenschaftlich gern.
Schon bald wird sich der Grosse Rat mit der Frage der Selbstdispensation befassen – also damit, ob Ärzte Medikamente direkt an ihre Patienten abgeben dürfen. Die Idee klingt auf den ersten Blick praktisch: weniger Wege für Patienten und mehr Effizienz im System. Doch hinter diesem scheinbar einfachen Konzept verbergen sich ernsthafte Probleme für die Patientensicherheit, die Versorgungsstruktur und letztlich auch für die Kosten im Gesundheitswesen.
Ein zentrales Argument gegen die Selbstdispensation betrifft die Patientensicherheit. Apotheken erfüllen eine wichtige Kontrollfunktion. Sie prüfen Verschreibungen, erkennen mögliche Wechselwirkungen und stellen sicher, dass Dosierungen korrekt sind. Diese zweite fachliche Prüfung wirkt wie ein Sicherheitsnetz. Fällt diese Instanz weg, steigt das Risiko von Fehlern.
Viele Patienten gehen zu mehreren Ärzten – etwa zu Hausärzten, Spezialisten oder ins Spital. Die Apotheke ist oft der einzige Ort, an dem alle Medikamente zusammenlaufen. Ohne diese zentrale Übersicht steigt das Risiko von Medikationskonflikten.
Hinzu kommt die Bedeutung der Apotheken für die Grundversorgung, besonders in ländlichen Regionen. Viele Apotheken bieten niederschwellige Beratung, schnelle Hilfe bei kleineren Gesundheitsproblemen und persönliche Betreuung ohne Termin. Sie sind oft eine erste Anlaufstelle im Gesundheitssystem. Wird die Selbstdispensation ausgeweitet, geraten diese Strukturen unter Druck. Weniger Umsatz bedeutet langfristig weniger Apotheken – und damit weniger wohnortnahe Beratung.
Befürworter argumentieren, Selbstdispensation könne helfen, mehr Ärzte in unterversorgte Regionen zu bringen. Ein Blick in andere Kantone zeigt jedoch: Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Die Einführung der Selbstdispensation hat dort nicht zu mehr Ärzten geführt. Junge Mediziner suchen heute vor allem gute Infrastruktur und Teamarbeit. Gemeinschaftspraxen und regionale Gesundheitszentren sind deshalb der Weg der Zukunft.
Schliesslich entstehen durch Selbstdispensation Fehlanreize. Wenn Verschreibung und Abgabe eines Medikaments in derselben Hand liegen, entsteht ein wirtschaftlicher Interessenkonflikt. Mehr abgegebene Medikamente bedeuten mehr Einnahmen – und damit potenziell höhere Kosten für Patienten und das Gesundheitssystem.
Gute Medizin entsteht dort, wo Ärzte und Apotheken ihre jeweiligen Kompetenzen einbringen.