Wer Kinder ernst nimmt, gibt ihnen (echte) Verantwortung
27.02.2026Beratungskolumne der Schulischen Heilpädagogin und Familientherapeutin Iris Selby
Werkzeugkiste für eine gelingende Erziehung: Wie Du deine Kinder erziehst – und ganz nebenbei auch Dich selbst!
Frage:
«Mein Kind zieht sich zurück, ...
Beratungskolumne der Schulischen Heilpädagogin und Familientherapeutin Iris Selby
Werkzeugkiste für eine gelingende Erziehung: Wie Du deine Kinder erziehst – und ganz nebenbei auch Dich selbst!
Frage:
«Mein Kind zieht sich zurück, wirkt oft lustlos und will auch nichts helfen. Was können wir tun, um diese Situation zu verändern?»
Mit dieser Frage kommen viele Eltern zu mir. Häufig steckt dahinter die Sorge, etwas falsch zu machen. Die kurze Antwort darauf lautet: Kinder wollen helfen. Sie möchten sich dabei jedoch wirklich gebraucht fühlen und nicht nur beschäftigt werden.
Gebraucht zu werden macht stark
In der Erziehung hat sich vieles zum Positiven verändert. Kinder erleben heute mehr Nähe, Respekt und gemeinsame Zeit mit ihren Eltern. Auch Väter sind deutlich präsenter in der Begleitung und Erziehung als in früheren Generationen – eine sehr erfreuliche Entwicklung. Dennoch fehlt vielen Kindern etwas Entscheidendes: das Gefühl, einen echten Beitrag in der Familie leisten zu können.
Früher mussten Kinder im Haushalt, auf dem Hof oder bei der Betreuung der Geschwister mit anpacken. Das war zwar anstrengend – gab den Kindern aber das Gefühl, wichtig zu sein. Heute investieren wir viel in die Zukunft der Kinder und vergessen dabei manchmal das Hier und Jetzt. Kinder wollen spüren, dass wir auf sie zählen können.
Sinn entsteht durch Mitwirken
In Gesprächen mit Jugendlichen taucht immer wieder ein Gedanke auf: Wozu bin ich eigentlich da? Wenn sich über Jahre hinweg alles nur um Schule und die Vorbereitung auf das spätere Leben dreht, fehlt die wichtige Erfahrung, schon heute gebraucht zu werden. Für den Selbstwert und die Lebensfreude ist genau das zentral. Auch deshalb lohnt sich ein Perspektivenwechsel. Frage dich nicht nur, was du für dein Kind tun kannst, sondern auch, was dein Kind für dich bzw. euch tun kann. Sinn entsteht zum Beispiel, wenn dein Kind einem Klassenkollegen bei den Hausaufgaben hilft, im Sportverein oder in der Musikgruppe Verantwortung übernimmt oder einer Nachbarin die Einkäufe in die Küche trägt.
Helfen liegt in unserer Natur
Schon kleine Kinder heben Dinge auf, trösten andere oder wollen beim Kochen mitmachen. Dieser Wunsch ist angeboren. Entscheidend ist, ob wir Erwachsenen ihn auch zulassen. Oft bremsen wir. Aus Sorge oder Ungeduld. Zu gefährlich, zu langsam, zu viel Chaos … Doch auch einfache Aufgaben geben Kindern die Chance zu erleben und zu spüren: Ich kann etwas bewirken. Wenn dein Kind den Kuchenteig rühren darf, selbstständig den Tisch deckt oder auf dem Spielplatz ein anderes Kind tröstet, ohne dass sofort ein Erwachsener diese Funktion übernimmt, dann macht es genau diese wichtige Erfahrung von «Wirksamkeit».
Verantwortung statt Pflichtprogramm
Viele Kinder verweigern Hilfe nicht aus Faulheit, sondern weil sie bereits spüren, dass ihre Aufgabe keine echte Bedeutung hat. Teller abzuräumen, weil es zur Pflicht gehört, fühlt sich anders an, als wirklich gebraucht zu werden. «Ämtli» in der Familie zu verteilen ist wichtig – doch es sollte darüber hinausgehen. Kinder möchten ganze Aufgaben übernehmen, ihre Fähigkeiten einbringen und am Ergebnis beteiligt sein. Stolz und Selbstwert entstehen etwa dann, wenn dein Kind einmal pro Woche das Familienessen plant – vom Einkauf bis zum Kochen, den Sonntagsausflug organisiert oder sich eigenständig um ein Haustier oder ein Gartenbeet kümmert. In solchen Momenten erlebt es: Ich trage wirklich etwas bei und ich trage Verantwortung. Du hältst das für unmöglich? Dann probiere es aus! Nimm dir Zeit und Geduld und frage dich: Wo könnte mein Kind mich/uns unterstützen? Besprecht dann anschliessend die Aufgabe und die Regeln für alle gemeinsam.
Vertrauen anstatt Kontrolle
Achte dich auf deine Ungeduld und dein Misstrauen. Du erinnerst und kontrollierst ständig und dein Kind verliert die Lust an der Aufgabe? Dann verlasse diesen Kreislauf subito. Zeige echtes Vertrauen, übergib die Aufgabe. Das braucht im Alltag etwas Übung, aber es wird besser und besser. Versprochen. Du bittest dein Kind, noch Brot zu kaufen, aber du fragst nicht mehr nach. Das Brot fehlt dann? Kein Drama. Das nächste Mal klappt es. Hat es geklappt, dann, genügt ein ehrliches «Danke». Mehr braucht es nicht.
Eure Iris Selby
1 Stunde kostenlose Online-Erziehungsberatung morgen Samstag, 28. Februar, 10 – 11 Uhr
Schreibe mir noch heute eine E-Mail an mail@irisselby.ch und du bekommst einen Online-Link für «Teams» zur Teilnahme. Während einer Stunde stehe ich für die Anwesenden Rede und Antwort in Erziehungsfragen.
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