Wie Cicely Saunders die Hospizbewegung prägte
13.03.2026 MellingenMellingen: «Du zählst, weil Du bist» – ein Vortrag über die Palliative Care-Pionierin Cicely Saunders im reformierten Kirchgemeindehaus
Die Wanderausstellung über Palliative Care-Pionierin Cicely Saunders ging gestern zu Ende. Zuvor beleuchtete Pfarrerin ...
Mellingen: «Du zählst, weil Du bist» – ein Vortrag über die Palliative Care-Pionierin Cicely Saunders im reformierten Kirchgemeindehaus
Die Wanderausstellung über Palliative Care-Pionierin Cicely Saunders ging gestern zu Ende. Zuvor beleuchtete Pfarrerin Martina Holder-Franz in einem Vortrag das Leben von Cicely Saunders und ihr bis heute wirksames Vermächtnis.
Mit einem eindrücklichen, rund einstündigen Vortrag, von Pfarrerin Martina Holder-Franz rückte die reformierte Kirchgemeinde Mellingen letzten Dienstagabend die Pionierin der modernen Hospizbewegung, Cicely Saunders, in den Mittelpunkt des Interesses.
Der Abend im Saal des reformierten Kirchgemeindehauses bildete einen Höhepunkt im Rahmen der Wanderausstellung «Du zählst, weil Du bist». Diese Wanderausstellung brachte das Leben und Wirken der britischen Ärztin, Pflegerin und Sozialarbeiterin einem breiten Publikum näher. In ihrer kurzen Begrüssung erinnerte die Melllinger reformierte Pfarrerin Karin Voss daran, dass Saunders vor 20 Jahren gestorben ist und während fünf Jahrzehnten schwerkranke Menschen am Lebensende begleitet hatte. Sie tat dies immer mit dem Ziel, deren Leiden zu lindern und ihnen ein möglichst würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Der Titel der Ausstellung, die von den Aargauer Landeskirchen in Kooperation mit «Palliative Aargau» entwickelt wurde, stand programmatisch auch über dem Vortrag: Jeder Mensch zählt, unabhängig von Alter, Diagnose oder Prognose.
Schmerzforschung und Betreuung
Martina Holder-Franz zeichnete in ihrem Referat die wichtigsten Stationen im Leben von Cicely Saunders nach: Von ihren Anfängen in der Pflege über ihre spätere Tätigkeit als Ärztin bis zur Gründung des berühmten St. Christopher’s Hospice in London. Sie zeigte auf, wie Saunders mit ihrer Schmerzforschung und ihrem ganzheitlichen Verständnis von Betreuung (körperlich, seelisch, sozial und spirituell) weltweit neue Massstäbe setzte und dazu beitrug, dass Themen wie Endlichkeit, Krankheit und Tod in Gesellschaft und Medizin neu gedacht wurden.
Ein besonderes Augenmerk legte die Referentin auf die Verbindungen in die Schweiz, wo Saunders mehrfach zu Gast war und Kontakte in die Deutschschweiz wie in die Romandie, unter anderem zum Schwesternorden «Grandchamp», pflegte. Diese internationalen Beziehungen, so Holder-Franz, hätten mit dazu beigetragen, dass Palliative Care auch hierzulande zu einem festen Bestandteil der medizinischen und seelsorgerischen Versorgung geworden sei.
Cicely Saunders: Jeder Mensch zählt
Die begleitende Ausstellung im Kirchgemeindehaus lud die Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich anhand von Texttafeln, Fotos und multimedialen Beiträgen vertieft mit der Person Saunders, mit der Geschichte der Palliative Care-Bewegung und mit aktuellen Angeboten im Kanton Aargau auseinanderzusetzen.
Auch Yolanda Zehnder aus Mellingen war am Vortrag. «Ich habe mir vor dem Referat die Ausstellung angeschaut. Vor acht Jahren verlor ich meinen Partner und bin damals erstmals mit Palliative Care in Verbindung gekommen. Es war eine sehr spezielle, aber äusserst gute Erfahrung und auch wir Angehörigen haben uns in dieser anspruchsvollen Zeit dank Palliative Care sehr aufgehoben und getragen gefühlt.»
Viel mehr als medizinische Technik
Martina Holder-Franz betonte die Leidenschaft, die innere Berufung, ja sogar auch ein bisschen die Hartnäckigkeit von Saunders, weil sich diese jahrelang vehement dafür eingesetzt hatte, dass palliative Versorgung als eigenständiger, wissenschaftlich fundierter Bereich der Medizin anerkannt wird. Saunders prägte die Haltung, dass Sterben nicht als therapeutisches Scheitern, sondern als bedeutsame Lebensphase verstanden werden soll. Linderung von Leid steht dabei im Mittelpunkt. International erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrentitel, unter anderem wurde sie zur Dame Commander des «Order of the British Empire» ernannt.
Cicely Saunders starb am 14. Juli 2005 im Alter von 87 Jahren in dem von ihr gegründeten St Christopher’s Hospice in London an ihrer Krebserkrankung. Mit dem Referat von Martina Holder-Franz wurde deutlich, dass Palliative Care weit mehr ist als medizinische Technik: Sie versteht sich als Haltung, die den Menschen in seiner ganzen Verletzlichkeit ernst nimmt und ihm gerade im Angesicht des Sterbens Zuwendung, Linderung, Entlastung und Sinnsuche ermöglicht.
Die positive Resonanz der Anwesenden zeigte, dass das Vermächtnis von Cicely Saunders auch in Mellingen weiterwirkt und dazu ermutigt, schwer kranke und sterbende Menschen nicht allein zu lassen. Getreu dem Leitsatz «Du zählst, weil Du bist».
Isabel Steiner Peterhans


