Wie Menschen ihren inneren Raum wieder bewohnen
28.08.2026 MellingenMellingen: Tanya Squirrell veröffentlichte bereits einen Simulationsfilm, welcher im Kino Royal in Baden gezeigt wurde. Nun folgt ein Buch
Vor 14 Jahren realisierte die Mellingerin Tanya Squirrell einen Film zum Thema Burn-out. Nun folgt ein Buch, das eine damals bereits ...
Mellingen: Tanya Squirrell veröffentlichte bereits einen Simulationsfilm, welcher im Kino Royal in Baden gezeigt wurde. Nun folgt ein Buch
Vor 14 Jahren realisierte die Mellingerin Tanya Squirrell einen Film zum Thema Burn-out. Nun folgt ein Buch, das eine damals bereits zentrale Frage weiterführt: Was geschieht, wenn der Mensch zunehmend den Kontakt zu sich selbst verliert? Im Fokus steht dabei die innere Architektur.
In ihrem 423 Seiten starken Buch «TRUEFLOW» beschreibt die diplomierte Mal- und Kunsttherapeutin Tanya Squirrell die innere Architektur als bewegliches Zusammenspiel von Körper, Schutz, Bedeutung und Präsenz. Sie zeigt auf, wie Erleben sich organisiert, wo Schutz übernimmt, wie Bedeutung entsteht und wie innere Organisation wieder tragfähiger werden kann. «Das Buch ist wie eine Landkarte, an der man sich orientieren kann», sagt die Mellinger Autorin. Das Buch ist aus derselben Frage entstanden, die bereits bei ihrem Film «Film im Kopf - Burnout» im Zentrum stand: Was geschieht, wenn ein Mensch zunehmend den Kontakt zu sich selbst verliert? «Trueflow» geht jedoch wesentlich weiter in der Thematik.
Buchvernissage in Ennetbaden
Das Buch Trueflow verbindet psychologisches, neurobiologisches und körperorientiertes Wissen mit langjähriger therapeutischer Erfahrung. Eigens entwickelte Modelle und Grafiken machen komplexe innere Zusammenhänge sichtbar und verständlich.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen sich selbst wieder bewusster wahrnehmen und den eigenen inneren Raum bewohnen können. Nach vielen Jahren des Forschens, Schreibens und Entwickelns ist es nun so weit: Am 18. September präsentiert Tanya Squirrell ihr neues Buch Trueflow erstmals im Rahmen der Bucheinführung bei Prosenio & Callavita in Ennetbaden. Der Anlass findet in mehreren Räumen statt und greift so die Idee der inneren Architektur auch räumlich auf.
Innere Räume erkunden
«Es gibt viele Muster im Leben», sagt Tanya Squirrell. «Oft machen wir etwas immer wieder und sagen, dass es einfach so ist.» Genau hier kann angesetzt werden. Die Frage ist, weshalb wir in einer bestimmten Situation so handeln oder weshalb sie bei uns eine bestimmte Reaktion auslöst. Dabei besteht in einer aktuellen Situation nicht zwingend eine reale äussere Gefahr - der Körper kann dennoch mit Angst oder Nervosität reagieren. In ihrem Buch gibt die Therapeutin Orientierungshilfen, die Signale des Körpers besser zu lesen. «Wir sind wie ein Haus mit verschiedenen Räumen. Manche davon betreten wir nicht gerne, vielleicht weil sie sich dunkel oder unangenehm anfühlen», sagt sie. Angst in einer bestimmten Situation könne mit einem solchen inneren Raum verglichen werden. Vielleicht war diese Angst früher, etwa in der Kindheit, begründet, heute aber nicht mehr. Angst kann Teil eines Schutzmechanismus sein. Wird erkennbar, wovor ein solcher Schutz ursprünglich schützen sollte, kann damit ein bewussterer Umgang entstehen.
«Man muss nicht wegschauen, sondern erkennen, wie die eigene innere Architektur aufgebaut ist», sagt sie. Jeder Mensch habe eine individuelle innere Architektur mit unterschiedlichen Räumen. Sich auf einen bislang gemiedenen inneren Raum einzulassen, bedeute jedoch oft auch Arbeit.
Der Mensch ist kein Roboter
Viele Menschen fühlen sich im Alltag gestresst. Die Frage sei, woher dieser Stress komme und welche Faktoren dabei zusammenwirkten. Oft trägt der Zeitgeist mit dem Anspruch, immer alles gut erledigen zu müssen, dazu bei. «Wir sind Menschen und keine Roboter», sagt Tanya Squirrell. Wenn die eigene innere Organisation lesbarer wird, kann deutlicher werden, wo Handeln möglich ist und wo Grenzen wahrgenommen werden müssen. Es sei ein Lernprozess, nicht immer im gleichen Muster zu bleiben, sondern auch einmal die Perspektive zu wechseln. Wichtig sei, besser zu verstehen, wie eine Disbalance entsteht und welche inneren Muster dabei wirksam werden. «Trueflow» sei kein Konzept zur Optimierung. Es ist gemäss Squirrell ein Modell, das beschreibt, wie sich menschliches Erleben organisiert. Es folgt einer inneren Ordnung — einer Architektur, die sich in jedem Moment ausdrückt.
Buch war ein langer Prozess
Dem Buch von Tanya Squirrell liegt nicht nur ein einziger Gedanke zugrunde. Es ist über Zeit gewachsen — durch Beobachtung, Erfahrung, Praxis, Zweifel, Präzisierung, Verwerfen, Wiederfinden und die langsame Formung einer Sprache für etwas, das lange noch keinen Namen hatte. «Ich wollte nie ein Buch schreiben. Da ich nicht musste, bereitet das mir Spass», sagt sie. Als gelernte Typografin hat Tanya Squirrell die Gestaltung des Buches vollständig selbst entwickelt – bis hin zum Cover. Das Buch zeigt vier Ebenen für die innere Organisation auf: 1. Flow: Wenn innere Organisation trägt. 2. Glitches: Wenn Schutz den Fluss unterbricht. 3. Codes: Wenn Erleben Bedeutung gewinnt. 4. Integration: Innere Architektur wird bewohnbarer.
«Ich arbeite mit Metaphern, Bildern, die alle leicht verstehen. Das Buch soll anregen, aber nicht reparieren», führt Tanya Squirrell aus. «Trueflow» sei nicht als Theorie, sondern als lesbare Struktur gedacht. «Das Buch ist eine Art Kompass, um innere Architektur zu lesen und bewohnbar zu machen», sagt sie. Es ist ein Buch für Menschen, die sich selbst anders begegnen wollen.» Da Tanya Squirrell gebürtige Engländerin ist, wird es später auch eine englische Version des Buches geben.
Debora Gattlen
Buchbestellungen ab 18. September: trueflow.ch

