Die jüngste Städtlichronik legt ihren Akzent auf die Altstadt und ihre Gassen
Die Hauptgasse verändert sich: Es wird gebaut und umgestaltet. Mit ihr sollen auch Nebengassen und das Städtli ein neues Gesicht erhalten. Davon erzählt die neuste ...
Die jüngste Städtlichronik legt ihren Akzent auf die Altstadt und ihre Gassen
Die Hauptgasse verändert sich: Es wird gebaut und umgestaltet. Mit ihr sollen auch Nebengassen und das Städtli ein neues Gesicht erhalten. Davon erzählt die neuste Städtlichronik.
Die neuste Mellinger Städtlichronik könnte man als Flirt mit den Gassen der Altstadt bezeichnen. Wer auch immer sich dazu äussert, die Liebe zur Kirchgasse, zur Scheunengasse oder zur Bruggerstrasse schwingt in den Texten und Bildern mit. Bei den einen verbunden mit Nostalgie, bei anderen mit Erwartungen und mit Hoffnungen. Denn die Hauptgasse und mit ihr das Städtli verändern sich. Es wird saniert und umgestaltet.
Und das nehmen die Chronikmacherinnen und -macher – in der Chronikkommission sind Michael Gerhard, Silvan Herzig, Benedikt Nüssli, Raphael Saxer, Ursula Siragna und Roman Suter – zum Anlass, diese Gassen zum Schwerpunkt der Städtlichronik 2025 zu machen. Sie lassen Altstadtbewohnerinnen und -bewohner sprechen. Zum Beispiel Bruno Schneider, Jahrgang 1945, Sohn des Dorfpolizisten, aufgewachsen in der Grossen Kirchgasse. Er erzählt, alleine in der Grossen Kirchgasse, die mit Rathaus und Pfarrhaus als «vornehme Gasse» galt, seien sie damals 30 Kinder gewesen. Das Städtli war Einkaufszentrum mit Kleidergeschäften, Coiffeur, Eisenwarenhandlung, Schuhmacher und der Metzgerei Buchmüller. «Alles, was man brauchte, war vorhanden», so Schneider und bedauert, heute sei es ruhig geworden. In den Häusern wohnen fast keine Kinder mehr. Zu Wort kommen auch Gisèle Steiert, bekannt für die üppigen Dekorationen ihres Hauses an der Kleinen Kirchgasse 36 oder Otto Bättig, geboren, aufgewachsen und bis heute wohnhaft an der Hauptgasse 5. Tim Krattiger von der Scheunengasse erzählt von «Rundkursrennen» mit Trettraktoren, Velos und «allem Fahrbaren» durch die Scheunengasse und die Bruggerstrasse: «Es war ein riesiger Spass
– zum Glück ist nie etwas passiert, obwohl der Verkehr damals ziemlich intensiv war.» Und vom ehemaligen Bäcker Peter Brügger erfährt man, warum Nachtschwärmer und WK-Soldaten an seiner Backstube anklopften. Die heute 82-jährige Elisabeth van Heijningen-Riegger erzählt, wie sie als Kinder in den 1950er-Jahren in den Gassen spielten, in der Reuss schwimmen lernten und im familieneigenen Kolonialwaren-Laden Riegger mithalfen.
«Es spricht sich herum ...»
Viel weiter zurück – rund 800 Jahre – geht der Historiker Rainer Stöckli in seinem geschichtlichen Überblick, der mit Bildern aus dem Fotoarchiv Mellingen illustriert ist. Er beschreibt, wie sich die Gassen seit der Gründung Mellingens um 1200 bis ins 19. Jahrhundert entwickelten – es geht um Ehgräben, Tavernen, Vorspannpferde und Pferdestallungen. Ein bisschen Rückblick, vor allem aber viel Ausblick auf die nahe Zukunft der Hauptgasse wagt die Einwohnergemeinde Mellingen. «Es spricht sich herum», so ihre Prognose für den Sommer 2027, «Mellingen ist wieder einen Besuch wert, zum ‹Lädelen›, um sich zu treffen, zum Verweilen.»
Dass sich ein Besuch schon heute lohnen kann, zeigt der Bilderbogen von Städtlifotograf Viktor Zimmermann, der die Altstadt von ihren schönsten Seiten zeigt. In seinen Fokus nimmt er verspielte Details genauso wie atmosphärische Begegnungen aller Art.
Heidi Hess