Mellingen: Genossenschaft will zwei städtische Liegenschaften im Baurecht übernehmen und renovieren
Die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Mellingen hat Grosses vor. Sie will die Liegenschaften Reussweg 1 und Altes Schlachthaus renovieren und bewohnbar ...
Mellingen: Genossenschaft will zwei städtische Liegenschaften im Baurecht übernehmen und renovieren
Die Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft Mellingen hat Grosses vor. Sie will die Liegenschaften Reussweg 1 und Altes Schlachthaus renovieren und bewohnbar machen.
n der ordentlichen Generalversammlung der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft Mellingen kam das Wichtigste zum Schluss: Unter dem Traktandum 9 stand knapp «Projekt Reussweg 1». Die Erklärung: «Wir möchten die Liegenschaft Reussweg 1, wie auch die benachbarte Liegenschaft des Alten Schlachthauses, im Baurecht übernehmen und sie für Wohnungen nutzbar machen», erklärt Genossenschaftspräsident Raphael Rimpf auf Anfrage. Das Haus Reussweg 1 am Reussufer war früher bewohnt. Heute ist es unbewohnbar – und in einem desolaten Zustand. Das soll sich nun ändern. «Wir würden diese und die zweite Liegenschaft gerne umbauen», so Rimpf. Die Stadt wäre einverstanden. Es war nicht das erste Mal, dass an einer GV der Gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft mit 38 Mitgliedern über dieses Projekt gesprochen wurde. «Das Geschäft war schon ein paar Mal traktandiert, es ist aber kompliziert», erklärt er. Und es war umstritten. An der ordentlichen GV, die am 28. April im Alterszentrum stattfand, wurde über den aktuellen Stand des Projekts informiert, Ideen bei den Mitgliedern abgeholt und diese erhielten Gelegenheit, Stellung zu nehmen. «Der Mellinger Stadtrat hat bestätigt, dass er mit uns zusammenarbeiten will», so der Genossenschafts-Präsident. Laut Auskunft von Stadtrat Hanspeter Koch, der die Stadt im Vorstand vertritt, weil sie Anteilscheine hat, liegt der Abschluss von Baurechtsverträgen in der Kompetenz des Stadtrats. Der Vorstand präsentierte der Versammlung den aktuellen Stand. Die Idee des Vorstandes ist, in jedem Gebäude drei Wohnungen zu realisieren. Im Haus Reussweg 1 sind zwei 2,5-Zimmer-Wohnungen und eine 5,5-Zimmer-Wohnung vorgesehen. Im Alten Schlachthaus sollen zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen und eine 2,5-Zimmer-Wohnung entstehen. «Es soll die Möglichkeit bestehen, dass die Stadt Räume mieten kann, deshalb soll es flexibel nutzbare Räume geben. Wir wollen nicht alles verbauen», sagt der Genossenschaftspräsident. Die Wohnungen sollen gemeinnützig, also erschwinglich werden. «Es gibt Leute, die auf erschwinglichen Wohnraum angewiesen sind», sagt Raphael Rimpf, «die grösseren Wohnungen wären für Familien gedacht.» Finanzieren will die Genossenschaft, welche heute die Wohnungen in der Liegenschaft Iberghof besitzt, die bauliche Investition mit einem «Heimfall», der 2029 fällig wird. Die Wohnungen im Iberghof werden dann gemäss einem Baurechtsvertrag, der für 30 Jahre abgeschlossen wurde, zurück an die Stadt Mellingen gehen.
Mellingen kauft Iberghof zurück
Mellingen wird die Genossenschaft mit rund 1,7 Millionen Franken entschädigen. «Das Kapital würde dann wieder frei und wir möchten es wieder investieren.» 2029 ist deshalb auch der späteste Zeitpunkt für die Realisierung des neuen Projekts am Reussufer.
Soweit der Plan. Als nächstes soll ein Vorprojekt ausgearbeitet werden. Der Architekt ist noch nicht definitiv bestimmt. «Ein schwieriges Thema wird der Hochwasserschutz sein. Der Denkmalschutz wird auch eine Rolle spielen und wir müssen sämtliche Bewilligungen einholen», sagt Rimpf. 2022 gab es bereits einmal ein Projekt für die Liegenschaft Reussweg 1, das vom Architekten und Ex-Gemeindeammann Paul Zürcher entworfen wurde. Er ist auch Genossenschafts-Mitglied. Der Vorschlag wurde dem Stadtrat präsentiert. Doch das Ganze verlief im Sande. Die GV sagte schliesslich Ja zum neuen Vorhaben, mit einigen Gegenstimmen und Enthaltungen. «Es gab auch kritische Stimmen zur Machbarkeit, dem Baulichen und den Kosten», erzählt der Präsident. Bei grösseren Ausgaben wird eine Kostengutsprache bei den Genossenschaftern eingeholt.
Marc Benedetti