Zu spät bewässert: 50 Prozent Ausfall
31.07.2026 Region ReusstalRegion: Die Trockenheit bringt insbesondere Gemüsebauern ins Schwitzen. Ohne Bewässerung geht nichts mehr
Es ist staubtrocken. Die Gemeinden der Region rufen zum Wassersparen auf. Private dürfen teilweise ihren Rasen nicht mehr wässern. Anders sieht es bei der ...
Region: Die Trockenheit bringt insbesondere Gemüsebauern ins Schwitzen. Ohne Bewässerung geht nichts mehr
Es ist staubtrocken. Die Gemeinden der Region rufen zum Wassersparen auf. Private dürfen teilweise ihren Rasen nicht mehr wässern. Anders sieht es bei der Landwirtschaft aus. Die Bewässerung sorgt dafür, dass Gemüse und Salate weiterhin in den Läden erhältlich sind. Ohne Wasser würden Regale leerbleiben.
Die vierte Hitzewelle hat die Schweiz fest im Griff – Die Temperaturen steigen und Regen ist auch weiterhin nicht in Sicht. Wassersparen ist daher bei den meisten Gemeinden in der Region angesagt. Für Private bedeutet das, kein Sprinkler für den Rasen mehr. Anders sieht es in der Landwirtschaft aus. Felder und Kulturen werden bewässert. Das kommt in der Bevölkerung bei der anhaltenden Trockenheit nicht immer gut an. Landwirte sagen, dass sie deswegen auch schon angefeindet wurden. «Anwohnende verstehen manchmal nicht, weshalb wir bewässern dürfen und sie nicht. Wir produzieren aber für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung», sagt Thomas Käser, der Inhaber der Gemüse Käser AG aus Birmenstorf. Zu schaffen mache auch, dass wegen der Hitze und Trockenheit das Gemüse darunter leide. Sowohl bei der Kundschaft wie auch beim Handel sei dafür wenig Verständnis vorhanden.
Ohne Wasser gedeiht nichts mehr
Diesen Sommer sind Gemüsebauern und andere Landwirte darauf angewiesen, ihre Kulturen zu bewässern. Ohne vertrocknen ihre Kulturen innert kurzer Zeit. Als Beispiel zeigt Thomas Käser ein Feld mit Stangensellerie in Birrhard. Die Hälfte des Feldes sieht grün aus, die andere weist Lücken und kümmerliche Pflanzen auf. «Die Hälfte habe ich vor einem Wochenende bewässert, die andere Hälfte erst Montagmorgen.» Leider habe er dafür bezahlt. Zwischen 50 und 70 Prozent verdorrten, weil sie zu spät Wasser erhielten. Die anhaltende Hitze führe zu zusätzlichem Aufwand im Betrieb. Bewässert wird nach einem ausgeklügelten System. Für die Wasservergabe sind in jeder Gemeinde die Brunnenmeister zuständig. Sie sagen, wann und mit wie viel Wasser Landwirte oder Gemüsebauern bewässern dürfen. Daher sind oft mitten in der Nacht Sprinkleranlagen in Betrieb. «Nebst mir sind wegen der Trockenheit vier Mitarbeitende nur für die Bewässerung im Einsatz. Sie erhalten jeweils per SMS eine Nachricht, wann sie welche Parzelle bewässern müssen. Die Ventile werden von Hand auf- und wieder zugedreht.» Inzwischen ist auch die Crew am Wochenende im Einsatz. Froh ist Käser, dass er im Birrfeld Reusswasser nutzen kann. «Ich habe letztes Jahr aufgegleist, dass ich dieses Jahr für die Felder im Birrfeld Reusswasser pumpen kann», so Käser. Dabei müsse das Wasser 70 Höhenmeter überwinden. «Ich habe das initiiert und aus dem eigenen Sack bezahlt», sagt Thomas Käser. Er habe bereits anderen Landwirten mit seiner Leitung ausgeholfen. Tatsache sei, dass Landwirte für jeden Kubikmeter Wasser bezahlen müssten. «Wenn wir in unserem Betrieb nicht bewässern können, gibt es nichts mehr zu ernten. Dann wären 70 Arbeitsplätze gefährdet», sagt er. Vor zwei Wochen musste sich Käser mitten in der Saison das Kreuzband operieren lassen. Das hält ihn nicht ab, mit einer Kniestütze bereits wieder zu seinen Kulturen zu schauen. Trotz der Hitze müssen bereits neue Setzlinge in den Boden, damit im Herbst geerntet werden kann. Wegen des trockenen Bodens müssen zusätzlich die Erdballen der Setzlinge mit Wasser getränkt werden. «Setzlinge müssen wie Kinder umsorgt werden und brauchen viel Aufmerksamkeit», sagt Thomas Käser.
Durchhalten ist angesagt
Jörg Friedli, Inhaber Friedli Gemüse aus Wohlenschwil, ist ständig wegen der Trockenheit auf Achse. «Solange es nicht regnet, ist es für Landwirte brutal herausfordernd», sagt er. «Leider haben wir dieses Jahr bereits die vierte Hitzewelle, Regen ist gemäss Langzeitprognosen nicht in Sicht.» Auch bei Friedli Gemüse geht daher ohne Bewässerung nichts. «Es gibt immer Besserwisser, die denken, dass Landwirte nicht bewässern müssen», so Friedli. «Die Frage ist, ob man dann auch auf fehlende Produkte in den Läden verzichten will.» Jörg Friedli bewässert seine Felder mit Reuss- und Trinkwasser sowie mit bei ihm im Betrieb gespeichertem Wasser. «Die Landwirte sprechen sich untereinander ab, die Brunnenmeister bestimmen, wann bewässert werden darf. Es gibt aber überall Einschränkungen, wir bewässern daher nur mit dem Minimum. Eigentlich wäre mehr nötig, damit die Kulturen gut gedeihen», führt Friedli aus. Bei Temperaturen über 30 Grad werde zudem das Wachstum der Pflanzen eingestellt, da diese in den Überlebensmodus übergehen. Wind mache die Lage noch schwieriger. «Bei der Grösse meines Betriebs kann ich nicht mehr überall zum richtigen Zeitpunkt vor Ort sein, um zu bewässern», sagt er. «Alle Kulturen leiden gleichermassen.» Er überlege daher gut, wann welche Kultur mit Wasser versorgt werde. Zusätzlich laufe bereits der Anbau für die Herbsternte.
Debora Gattlen

