Zuhören, mitgehen, stärken – den Weg begleiten
28.07.2026 Region ReusstalWegbegleitung: Die Vermittlungsstelle Wegbegleitung Region Baden-Wettingen-Mellingen ist ein niederschwelliges Angebot der Landeskirchen
Wenn jemand einen Menschen an seiner Seite braucht, kann die Institution Wegbegleitung geeignet sein. Dieses Angebot vermittelt Freiwillige, die ...
Wegbegleitung: Die Vermittlungsstelle Wegbegleitung Region Baden-Wettingen-Mellingen ist ein niederschwelliges Angebot der Landeskirchen
Wenn jemand einen Menschen an seiner Seite braucht, kann die Institution Wegbegleitung geeignet sein. Dieses Angebot vermittelt Freiwillige, die ihren Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen und sie begleiten.
Jeder Mensch kennt sie, die kleineren und grösseren Widrigkeiten im Alltag. Ein Angebot im Aargau setzt genau hier an und bringt freiwillige Begleiterinnen und Begleiter mit denjenigen, die sich bei solchen Widrigkeiten Begleitung wünschen, zusammen.
Nicht jeder Lebenslauf verläuft gradlinig. Brüche, Krisen und schwierige Phasen gehören für viele Menschen zur Realität. Oft still, oft unsichtbar. Während einige auf der Sonnenseite des Lebens stehen, kämpfen andere jetzt gerade mit Überforderung, Einsamkeit oder psychischen Belastungen. Ein älterer Herr, der kürzlich seine Frau verloren hat, wünscht sich Unterstützung beim Sortieren und Entwickeln eines Systems im Haushalt, den er nun allein führt. Eine Familie sucht eine neue Wohnung und braucht einfach zwischendurch ein offenes Ohr für ihre Ängste und ein neutrales Gegenüber, das mit ihnen ihre Bewerbungsunterlagen auf Optimierungspotenzial anschaut und sie während dieser Zeit begleitet. Auch administrative Unterstützung ist oft hilfreich und wünschenswert.
Die Wegbegleitung ersetzt keine professionelle Hilfe
Genau hier setzt die Wegbegleitung im Aargau an. Der Kanton Aargau verfügt über sieben Vermittlungsstellen verteilt auf Regionen, wo sich die Hilfesuchenden hinwenden können. Für die Wegbegleitung in der Region Baden-Wettingen-Mellingen ist Vermittlungsstellenleiterin Valentina Matolic, Sozialarbeiterin beim Kirchlichen Regionalen Sozialdienst Baden, geführt durch Caritas Aargau, zuständig.
In ihrer Funktion als Sozialarbeiterin setzt sich Valentina Matolic in Fislisbach, Mägenwil, Mellingen, Niederund Oberrohrdorf, Remetschwil, Stetten, Tägerig, Wohlenschwil, Würenlos, Künten sowie weiteren Gemeinden in der Region für Menschen ein, die Unterstützung im Alltag benötigen. Mit der Wegbegleitung schafft sie ein niederschwelliges Angebot, das Orientierung und Stabilität vermittelt. «Es geht darum, Ressourcen zu stärken und neue Perspektiven zu eröffnen», so Matolic. Die alltagsnahe Begleitung helfe vielen Betroffenen, wieder mehr Sicherheit im eigenen Leben zu gewinnen. In einer Gesellschaft, in der die Relevanz von Freiwilligenarbeit und zivilgesellschaftlichem Engagement zunehmen, gewinnt diese Form der Unterstützung an Bedeutung. Wegbegleitung ersetzt keine professionelle Hilfe, bietet jedoch niederschwellig Begleitung und Unterstützung im Alltag mit seinen vielfältigen Herausforderungen.
Präsenz, Zuhören und gemeinsames Tragen einer Situation
Das Angebot vermittelt freiwillige Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen, in denen sie sich Begleitung wünschen, für eine befristete Zeit zur Seite stehen. Es geht nicht um Therapie oder Beratung im klassischen Sinn, sondern um Präsenz, Zuhören, konkrete Hilfen im Alltag oder auch das gemeinsame Tragen einer Situation. In einer Einsatzvereinbarung werden Ziele, Inhalte und Rahmenbedingungen festgelegt. Ebenso klar definiert sind Anfang und Ende der Begleitung.
Getragen wird das Projekt von der Römisch-Katholischen und der Reformierten Landeskirche im Aargau. Auf kantonaler Ebene begleiten die Fachstellen Diakonie die Umsetzung, unterstützt unter anderem durch Christian Härtli und Severin Frenzel. Das Projekt Wegbegleitung gibt es seit dem Jahr 2012. Das Konzept basiert auf erprobten Grundlagen aus Basel-Stadt und wurde für den Aargau weiterentwickelt.
«So gebraucht zu werden hat auch mir Freude bereitet»
«Ich bin gesund und hatte Zeit» sagt Agnes Troller aus Gebenstorf «deshalb habe ich mich vor vier Jahren entschieden, Wegbegleiterin zu werden.» Sie besuchte den Einführungskurs, dann betreute die 73-Jährige eine Migrantin mit drei kleinen Kindern. «Ich begleitete die Frau auf Ämter, zusammen erledigten wir weitere administrative Belange. Ich spürte, wie dankbar die Frau war und so gebraucht zu werden hat auch mir Freude bereitet» so die gelernte Krankenschwester.
Ein zentrales Element ist die sorgfältige Vorbereitung der Freiwilligen. Wer Wegbegleiterin oder Wegbegleiter werden möchte, besucht einen kostenlosen Kurs und wird während des Einsatzes von den Stellenleitenden eng begleitet. Regelmässige Austauschtreffen zwischen Freiwilligen und Stellenleitenden ermöglichen es, Erfahrungen zu reflektieren, Herausforderungen zu besprechen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Ergänzend dazu verpflichten sich alle Beteiligten zu jährlichen Weiterbildungen. Die Motivation der Freiwilligen ist dabei oft sehr persönlich. «Ich wurde vom Leben reich beschenkt und ich möchte etwas zurückgeben» sagt eine Wegbegleiterin stellvertretend für viele. Dieses Engagement bildet das Herzstück des Angebots: Menschen begleiten Menschen, und zwar respektvoll, auf Augenhöhe und ohne Druck.
Isabel Steiner Peterhans
Interessierte finden die entsprechenden Kontakte online, etwa über die Plattform wegbegleitung-ag.ch.

