Für mich ist der Jahresübergang immer ein besonderer Moment: Ein Moment, um Bilanz zu ziehen, mich auf das Positive in meinem Leben zu besinnen und mir über die Ziele für das neue Jahr klar zu werden. Das braucht ein bisschen Leere, Innehalten und trotzdem Verbundenheit mit ...
Für mich ist der Jahresübergang immer ein besonderer Moment: Ein Moment, um Bilanz zu ziehen, mich auf das Positive in meinem Leben zu besinnen und mir über die Ziele für das neue Jahr klar zu werden. Das braucht ein bisschen Leere, Innehalten und trotzdem Verbundenheit mit dem grossen Ganzen. Als Ritual gehört für mich dazu, in der Silvesternacht dem Glockenläuten und dem Mitternachtsschlag zu lauschen und damit das neue, noch «leere» Jahr in Empfang zu nehmen. Vor einem Jahr hatte ein durchgehender Knallteppich dies verhindert. Es hat mich gefreut, dass sich die Silvesterknallerei in unserem Dorf dieses Mal in Grenzen gehalten hat und ich die zwölf Schläge gut hören konnte. Super, dachte ich bei mir, so, das neue Jahr beginnt vielversprechend.
Am Neujahrsmorgen gab es dann ein böses Erwachen. Im Radio wurde von einer Brandkatastrophe in einer Bar in Crans-Montana berichtet. Innert Sekunden war ich in Sorge, denn mein Bruder verbrachte mit seiner Familie inklusive meiner festfreudigen, jungen Nichte und ebensolchem Neffen die Feiertage dort. Ich sendete umgehend eine Nachricht an meinen Bruder. Handy ausgeschaltet, keine Antwort. Eine halbe Stunde später schrieb ich direkt meiner Nichte. Es verging nochmals eine halbe Stunde, bis ich von ihr hörte, dass es allen gut geht. Meine Nichte ging aber haarscharf an der Katastrophe vorbei. Sie war in der Nähe und ist oft in dieser Bar anzutreffen.
Was für ein trauriger Jahresbeginn! Ich konnte kaum meinen Ohren trauen, als zuerst von Dutzenden Toten und sehr vielen Verletzten die Rede war. Das Ausmass der Katastrophe wurde mit der Zeit immer deutlicher. Sie kennen die Zahlen. Unglaublich, dass so etwas in der präzisen und sicheren Schweiz möglich ist. Was mich auch beelendet, ist die Tatsache, dass immer sofort nach Schuldigen und Verantwortlichen gesucht wird. So tragisch und unendlich traurig dieser Brand ist: Die schlimmen Auswirkungen sind nicht mehr rückgängig zu machen. Da hilft es auch nicht, bei der Gemeinde Crans-Montana eine Mitverantwortung zu suchen. Nun gilt es, als Schweiz zusammenzustehen und diese Tragödie gemeinsam zu überstehen. Das Leben geht weiter. Auch immer eine Schlagzeile wert, sind die in der Silvesternacht geborenen Aargauer Neujahrsbabys. Sie hören auf die klingenden Namen Vincent und Aurora. Schade, dass ihre Ankunft dieses Jahr so wenig beachtet wurde.