Die Projektunterlagen für die Höchstspannungsleitung der Swissgrid liegen öffentlich auf
Kaum liegen Projektunterlagen für die neue Freileitung der Swissgrid zwischen Niederwil und Obfelden auf, regt sich Widerstand. Während Private Einzeleinwendungen einreichen, ...
Die Projektunterlagen für die Höchstspannungsleitung der Swissgrid liegen öffentlich auf
Kaum liegen Projektunterlagen für die neue Freileitung der Swissgrid zwischen Niederwil und Obfelden auf, regt sich Widerstand. Während Private Einzeleinwendungen einreichen, machen die betroffenen Gemeinden eine Sammeleinwendung.
Die 17 Kilometer lange Freileitung zwischen Niederwil und Obfelden spaltet die Lager. Während die einen froh darüber sind, dass nach über 40 Jahren die direkt am Dorfrand verlaufende Starkstromleitung auf den Hügelzug «Wagenrain» verlegt wird, stossen sich die anderen daran, dass mit der neuen Linienführung das Reusstal markant geprägt wird. «Die Masten werden doppelt so hoch, wie die bestehenden», führt Stephan Bärtschi, Präsident des Gegnervereins Verträgliche Starkstromleitungen Reusstal (VSLR) aus. Das heisst, statt 40 Meter werden diese bis zu 90 Meter hoch sein. Und diese würde gemäss Abschreibungsplan der Swissgrid für die nächsten 80 Jahre dort bleiben – drei Generationen müssten mit dieser Aussicht leben. Für viele ist das ein triftiger Grund, eine Einsprache zu deponieren, um so doch noch zu erreichen, dass die Starkstromleitung in den Boden verlegt wird.
Einwendung der Gemeinden
Neben zahlreichen privaten Personen mit Einzeleinsprachen haben sich 14 betroffene Ortsbürger- und Einwohnergemeinden wie Besenbüren, Bünzen, Fischbach-Göslikon, Jonen, Niederwil, Obfelden ZH, Oberlunkhofen, Ottenbach ZH, Rottenschwil, Unterlunkhofen, Waltenschwil und Wohlen, zusammengeschlossen und führen gemeinsam Einsprache. Die Stadt Bremgarten hat für diese Partnergemeinden den Verfahrenslead übernommen. Die von ihnen beauftragten, auf Energie- und Verfahrensrecht spezialisierten Anwälte haben inzwischen eine 80 Seiten starke Einsprache ausgearbeitet. Am Mittwochnachmittag fand das Treffen mit Vertretern der betroffenen Gemeinden statt. Beraten wurde über den Einspracheinhalt, die an das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) zu stellenden Anträge und die weiteren Schritte. Das kommt nicht unerwartet. Die Gemeinden haben der Swissgrid schon vor über einem Jahr detailliert dargelegt, weshalb sie eine Erdverkabelung der Leitung wünschen, haben aber keine Antwort erhalten.
Interessensabwägung wird hinterfragt
Die Einsprache der Gemeinden wird nun beim ESTI eingereicht. «Es braucht eine umfassende Interessenabwägung zwischen Erdverkabelung und Freileitung», führt Stefan Walder, Leiter Abteilung Bau der Stadt Bremgarten, aus. Es sind die Einflüsse auf Raum und Umwelt und die technische Unterschiede (Energieverlust) zu klären und dann muss eine detaillierte Kostenbetrachtung erfolgen. Das ist unterblieben, weil sich Swissgrid gestützt auf den bestehenden bundesrechtlichen Sachplan auf die Freileitungsvariante festgelegt hat.
Die Erdverkabelung hat insbesondere mit Blick auf das Landschaftsbild im Reusstal, den Vogelschutz, die landwirtschaftlich wertvollen Fruchtfolgeflächen und die tieferen Stromverluste gewichtige Vorteile. Was jedoch die Kosten betrifft, ist die Freileitung besser. Es braucht deshalb eine differenzierte Interessenabwägung, so die einsprechenden Gemeinden. Doch auch Private können bis am 24. März eine Einsprache beim ESTI einreichen. «Wer jetzt keine Einsprache macht – auch gegen die vorgesehenen Enteignungen – ist vom weiteren Verfahren definitiv ausgeschlossen und kann sich auch nicht mehr gegen die Enteignung wehren», führt Stefan Walder aus.
Mustervorlage ist auf Homepage
«Wir wünschen ein Erdkabel», sagt Stephan Bärtschi. «Technisch gesehen ist das möglich. Alles wird heute wegen des Landschaftsschutzes unsichtbar verbaut. Nur bei der Starkstromleitung wird darauf verzichtet.» Die geplanten Masten seien wegen der Höhe auch beim Fundament wesentlich grösser dimensioniert. Und weil die Freileitung exponiert auf dem Hügelzug gebaut werde, habe bereits das Bundesamt für Zivilluftfahrt angekündigt, dass die Leitungen mit orangen Kugeln sichtbar gemacht werden müssen. «Damit wird die Leitung noch markanter zu sehen sein», so Bärtschi. Für alle, die noch eine Einwendung gegen die Freileitung einreichen wollen, hat der VSLR eine Vorlage auf der Homepage (vslr.ch) bereitgestellt. «Jeder, der die geplante Leitung sieht, kann bis am 24. März eine Einwendung einreichen», führt er aus. Das nach dem Motto: Wenn nicht jetzt, dann nie.
Debora Gattlen