Jetzt lebt sie ihren Traum bei Arsenal in London
17.07.2020 Sport, FussballEs war vor sieben Jahren. Die damals 13-jährige Malin Gut sagte zum «Reussbote», sie träume mit ihren Kolleginnen von der Frauen-Nati. Malins Traum ist längst in Erfüllung gegangen. Mehr noch. Seit letzten Montag lebt sie in London und spielt als Profi bei den ...
Es war vor sieben Jahren. Die damals 13-jährige Malin Gut sagte zum «Reussbote», sie träume mit ihren Kolleginnen von der Frauen-Nati. Malins Traum ist längst in Erfüllung gegangen. Mehr noch. Seit letzten Montag lebt sie in London und spielt als Profi bei den «Gunners» von Arsenal.
Auf der Videoplattform «Vimeo» nennt sie sich Jaya Gut. Dort findet sich ein eindrückliches Video mit dem Titel «Kamala-Sport als Emanzipationshilfe im Land der Götter und Berge». Der Film ist eine Maturitätsarbeit von Malin Gut, die sie in diesem Frühjahr abgeliefert hat. Das professionell gestaltete Video handelt von Frauen in Nepal, die mit ihrem Willen und Mut Berge versetzen. Irgendwie typisch für Malin Gut. Auch sie ist eine, die sich Dinge in den Kopf setzt, und so lange dafür arbeitet bis sie ihr Ziel erreicht hat. Schon als 13-Jährige sagte sie im «Reussbote», was sie als Fussballerin einmal erreichen wolle. Schon damals träumte sie von der Frauen-Nationalmannschaft. Zu jener Zeit wohnte Malin weg von zu Hause in Huttwil (BE), wo sie als Zwölfjährige bei einer Gastfamilie wohnte und sechsmal pro Woche in der Football-Academy des Schweizerischen Fussballverbandes trainierte. Nach einem Jahr zog sie mit der Academy für zwei Jahre um nach Biel.
Auch wenn sie manchmal das Heimweh plagte, biss sie sich in der Fremde durch. Bereits als fünfjähriges Mädchen trat sie dem FC Däniken bei, weil die Familie dort wohnte. Nach ihrem Umzug nach Niederrohrdorf schloss sich Malin Gut dem FC Fislisbach an, wo sie mit den Buben bei den E- und D-Junioren dem Ball nachjagte. Damals war sie acht Jahre alt. Mit dreizehn wechselte sie ins U14-Team des FC Baden. Längst stand Malin Gut auf dem Radar der Scouts aus den grossen Vereinen, in denen Frauenfussball professionell betrieben wird. Im Sommer 2015 wechselte sie zum Frauenteam des FC Zürich, das damals amtierender Schweizermeister war.
Von Erfolg zu Erfolg
Auch dort setzte sie sich durch und erkämpfte sich auf Anhieb einen Stammplatz. In den Saisons 2015/16, 2017/18 und 2018/19 gewann Gut mit dem FC Zürich jeweils das Double. In der Saison 2016/17 kam sie erstmals in der UEFA Women’s Champions League zum Einsatz und erreichte mit ihrem Team das Achtelfinale. Insgesamt bestritt sie für den FCZ 15 Partien in der Champions League.
Auf die Saison 2019/20 wechselte sie zum Grasshopper Club Zürich.
Im September 2017, mit nur gerade 17 Jahren debütierte Gut in der U-19 Nationalmannschaft, mit der sie 2018 an der U-19-Europameisterschaft teilnahm. Dabei führte sie das Team als Captain aufs Feld. Am 5. Oktober 2018 war es so weit: Malin Gut lief beim WM-Qualifikationsspiel gegen Belgien erstmals für die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft auf. Der Traum, den sie 2013 dem «Reussbote» verraten hatte, war nur fünf Jahre später in Erfüllung gegangen. Und Anfang Juli dieses Jahres wurde der Wechsel zum grossen Arsenal London bekannt.
Bei Arsenal herzlich willkommen
Letzten Montag flog sie in Begleitung ihrer Mutter Anja nach London. Wie Grossvater Paul Gut aus Fislisbach, der 2002 als Finisher des Everest Marathon für Schlagzeilen sorgte, sagt: «Meine Tochter Anja wird die ersten drei Wochen mit Malin in London bleiben, um sie zu unterstützen.» Ein Blick auf die Webseite von Arsenal zeigt den Stellenwert, den auch der Frauenfussball auf der Insel hat. Die am 1. August 20 Jahre alt werdende Aargauerin aus Niederrohrdorf wird mit einem herzlichen «Welcome» begrüsst. So rasant und gradlinig wie ihre Karriere bisher verlaufen ist, würde es nicht überraschen, wenn Malin Gut sich auch im rauheren Klima des englischen Frauenfussballs zielstrebig durchsetzen wird.
Beat Gomes


