Töffs werden in Unikate verwandelt
19.02.2021 Künten, Region ReusstalDer «Reussbote» hat Kuhn-Motos besucht, wo Vater und Sohn (noch) gemeinsam an Motorrädern schrauben
Claudio Kuhn hat die Leidenschaft für Motorräder von seinem Vater Aschi geerbt. Unter dessen Anleitung frisierte er mit 15 Jahren seine erste Yamaha. Heute ist ...
Der «Reussbote» hat Kuhn-Motos besucht, wo Vater und Sohn (noch) gemeinsam an Motorrädern schrauben
Claudio Kuhn hat die Leidenschaft für Motorräder von seinem Vater Aschi geerbt. Unter dessen Anleitung frisierte er mit 15 Jahren seine erste Yamaha. Heute ist Claudio selbst ein Spezialist für Umbauten aller Art. Demnächst wird er die Werkstatt übernehmen.
Ernst Kuhn oder «Aschi», wie ihn alle nennen, ist seit über 40 Jahren Motorradmechaniker. «Mechaniker, kein Verkäufer», wie er sofort betont. Früher habe er noch neue Maschinen verkauft, sogar Vespas. Die Vorschriften der Händler wurden ihm jedoch schnell zu viel. Und es liege ihm nicht, mit Hemd und Krawatte vor die Kundschaft treten zu müssen. Er führt in den hinteren Teil der Werkstatt, in die Teileproduktion. «Hier bin ich in meinem Element», sagt er mit Blick auf Säge, Bohrer, Fräse, Dreh- und Schleifmaschinen, die zur Metallbearbeitung bereitstehen. Ersatzteile, die schwer zu bekommen sind oder die es nicht mehr gibt, werden hier hergestellt.
Das ist Gold wert, wenn man auf alte Motorräder steht – und Veteranen haben es ihm immer noch angetan. Besonders italienische. Zum Beispiel die der Marke Moto Guzzi. Kuhn begann 1977 als offizielle Vertretung von Moto Guzzi in der Schweiz. Oder Malanca. 1982 startete er als Generalimporteur. Vier Jahre später wurde die Produktion in Italien eingestellt. In Künten bekommt man trotzdem noch Ersatzteile für die mittlerweile seltenen Gefährte. «Manchmal erreichen uns sogar Bestellungen aus Italien», sagt er zufrieden. In seinem Privatbesitz befinden sich selbstverständlich mehrere dieser historischen Öfen.
Teile selbst herzustellen erleichtert es zudem, Sonderanfertigungen zu realisieren. Das ist die zweite Spezialität von Kuhn-Motos. Stolz zeigt Aschi Kuhn eine zum «Cafe Racer» umgebaute Suzuki Savage. Ohne eigene Teile wäre dieser Totalumbau nicht möglich gewesen. Jede Änderung muss Schweizer Normen und Richtlinien entsprechen und vom Strassenverkehrsamt abgesegnet werden. Bereits ist ein zweiter Umbau in Planung, der identisch werden soll.
Niemals ein «Bike von der Stange»
Fachmann und Fan von japanischen Motorrädern ist Sohn Claudio. Er würde niemals ein Motorrad «von der Stange» fahren, erklärt dieser seine Faszination für individuelle Motorräder. «Das halte ich privat auch so.» Zu ihm kommen die Kundinnen und Kunden mit genauen Vorstellungen, vom kleinen Heckumbau bis zur grossen Totalveränderung, bei der man die ursprüngliche Maschine nicht mehr wiedererkennt. Letzteres mache ihm am meisten Spass. «Gemeinsam finden wir immer einen Weg, konkrete Vorstellungen umzusetzen», sagt er.
Grund zum schimpfen gibt es für Vater und Sohn nur, wenn das penible Schweizer Strassenverkehrsamt mal wieder einen Strich durch die Rechnung macht und sie die Kunden bei ihren Ideen bremsen müssen. «Mit den strengen hiesigen Vorschriften sind wir tagtäglich konfrontiert», sagt Claudio. «Das nervt extrem. In einem Land wie den USA werden einem da mehr Freiheiten gelassen. Aber Sicherheit und Gesetzeskonformität ist uns absolut wichtig – von daher haben wir meist auch Verständnis dafür.» Der Motorradmechaniker holt ein Bild aus dem Büro, auf dem er, 15 Jahre jung, an seinem ersten Bike bastelt. Er wischt den Werkstatt-Staub weg, die Inschrift ist zu sehen, ein Dankeschön an den Vater, der ihm damals die Handgriffe zeigte. Gleich nach seiner Lehre auf Honda und Suzuki (bei Heimgartner-Motos in Scherz) fing er in der Werkstatt in Künten an. Seit fast zehn Jahren arbeiten sie nun Rücken an Rücken. Bald soll der Sohn das Geschäft übernehmen. Am Konzept will er indes nicht gross schrauben: «Auch einen ganz normalen Service oder Reifenwechsel soll man bei uns weiterhin bekommen.»
Stefan Böker

