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Der Anstoss kam aus dem Reusstal

Fr, 09. Apr. 2021

Anschluss an den Ringverbund «Wasser 2035» ist für beide Gemeinden wichtig

Eine Anfrage aus Niederwil und Fischbach-Göslikon hat 2013 den Anstoss für den Wasserverbund «Wasser 2035» gegeben. Diese Anekdote und weitere Infos zum Projekt erfuhren Interessierte am Mittwochabend. Im Juni wird in beiden Gemeinden über die Beteiligung abgestimmt.

Die Wasserversorgung von Niederwil und Fischbach-Göslikon ist eine Insel. Für ihre Leitungen ist jede Gemeinde selbst verantwortlich, jedoch werden vier Anlagen gemeinsam betrieben – aber Anschluss nach aussen gibt es nicht. Hinzu kommt beim Pumpwerk Karrenwald ein in den letzten Jahren kontinuierlich sinkender Grundwasserspiegel sowie steigender Wasserbedarf durch das Bevölkerungswachstum. Was tun, wenn mal etwas passiert? Diese Frage bereitete den Gemeinderäten beider Gemeinden bereits 2013 Kopfzerbrechen. Weswegen man in Wohlen wegen einer möglichen Zusammenarbeit anklopfte. Was wiederum dort zum Nachdenken über die Wassersituation führte und weitere Kreise zog. Das heutige Projekt «Wasser 2035», einen Ringverbund durch das Bünz- und Reusstal zu bauen, wurde also durch diese Anfrage angestossen. In diesem Jahr stimmen alle 24 Gemeinden über ihre Beteiligung ab (wir berichteten).

Karrenwald muss geschont werden
Vize-Gemeindeammann Thomas Rohrer aus Fischbach-Göslikon hat im Kernteam mitgearbeitet, welches das Projekt ausarbeitete. Keine leichte Aufgabe, bei so viel Beteiligten. Er sagt, es gibt Gemeinden, die mitmachen, weil sie ihre Versorgungssicherheit in Notfällen erhöhen wollen. Aber auch solche, die tatsächlich Wasser benötigen. Bei Niederwil und Fischbach-Göslikon ist beides ein Grund. «Wir profitieren davon, dass wir im Jahresmittel unseren angegriffenen Grundwasserspiegel schonen können und Wasser aus dem Ring bekommen», erklärt Gemeinderat Norbert Ender aus Niederwil. «Im Sommer aber, zu Spitzenzeiten, können wir mehr Wasser pumpen und so auch den anderen Gemeinden helfen, die in Spitzenzeiten Probleme haben.» Aufs Jahr gesehen wird, vor Ort jedenfalls, weniger Grundwasser entnommen und das Vorkommen geschont.
Geleitet wird das Projekt von der Firma Waldburger Ingenieure AG, deren Geschäftsführer Martin Schibli die grundlegenden Absichten erklärte. Und auch deutlich machte: Selbst wenn nicht alle Gemeinden mitmachen, könnte man es dennoch stemmen.
Für Niederwil und Fischbach-Göslikon jedenfalls ist eine Beteiligung finanziell gut tragbar: Beide Wasserversorgungen haben Beträge im sechsstelligen Bereich auf die Seite gelegt. Gebaut werden muss eine Anschlussleitung ans Pumpwerk Karrenwald. Dieses muss zudem aufgerüstet werden. Und einen Abgabeschacht beim Niederwiler Kreisel müsste man bauen. Zusammen mit dem Kapital, welche die «Interkommunale Anstalt (IKA)», die Organisationsform des Ringverbundes zur Gründung benötigt, belaufen sich die geschätzten Kosten in Niederwil auf 1,317 Mio. Fr., in Fischbach-Göslikon auf 712 800 Franken. In Niederwil ist es so, dass nicht einmal die Wasserpreise steigen müssen. In Fischbach-Göslikon sind die Preise aktuell im Vergleich zu umliegenden Gemeinden sehr günstig. «Über eine Erhöhung muss in den kommenden Jahren sicher diskutiert werden. Aber nicht sofort», sagt Gemeinderat Rohrer. Beide Gemeinderäte stehen voll hinter dem Projekt.
Rohrer weist darauf hin, dass Informationen zum Projekt auf den Homepages der Gemeinden und auf wasser2035. ch bereitstehen. Flyer werden ebenfalls verteilt und von der Interessengemeinschaft «Wasser 2035» werden noch zwei Veranstaltungen organisiert, eine fürs Bünz- und eine fürs Reusstal. Am 22. und 24. Juni haben dann die Stimmberechtigten das Sagen.
Niederwil und Fischbach-Göslikon sind unter den ersten Gemeinden, die auf eigene Faust und so früh informierten. «So ist es uns möglich», erklärt Gemeinderat Norbert Ender, «Rückmeldungen noch in den Botschaftstext einzuarbeiten.» Was wahrscheinlich gar nicht nötig sein wird. Das Feedback an der Infoveranstaltung sei durchwegs positiv gewesen. Ender sieht der Gemeindeversammlung darum zuversichtlich entgegen. «Wir haben unsere Wasserversorgung schon immer nachhaltig und vorausschauend geplant. Das ist jetzt ein weiterer Schritt in diese Richtung – auch wenn es ein grosser ist. Die Stimmberechtigten werden das hoffentlich verstehen.»

Stefan Böker

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