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Der Biber, der in Sulz gesichtet wurde

Fr, 30. Apr. 2021

In einem Nebenbächlein der Reuss zeigt sich der Biber, mitten am Tag – vermutlich aber nur temporär

In einem kleinen Bächlein schwimmt beim Campingplatz Sulz ein Biber: Das freut den Biberfotografen. Es freut auch den Geschäftsführer von Pro Natura Aargau und den Fachspezialisten beim Kanton.

Völlig unerwartet taucht ein Biber vor ihnen auf. Sonntag, 14 Uhr, helllichter Tag, in einem Nebenbächlein, das auf offenem Feld zur Reuss hinunter führt. Gesichtet hat den Biber der Küntener Roger Kohler bei einem Spaziergang in der Nähe des Campingplatzes Sulz. «Der Biber blieb ganz ruhig», sagt Kohler, Kommandant bei der Feuerwehr Regio Mellingen. Das Tier müsse aber wohl bemerkt haben, dass es beobachtet wird. «Der Biber hat versucht, sich im Wasser unter dem überhängenden Gras zu verstecken.» Gelungen ist es ihm nur teilweise, sein Hinterteil jedenfalls bleibt im Bächlein gut sichtbar. Kohler zückte geistesgegenwärtig sein Handy und schoss aus 1,5 Metern Entfernung ein paar Fotos von dem pelzigen Gesellen. – «Toll!», kommentiert Matthias Betsche, Geschäftsführer bei Pro Natura Aargau diesen Vorfall, und fügt an, es freue ihn sehr, dass der Biber dort gesichtet wurde.

Früher war der Biber tagaktiv
Der Biber ist eigentlich nachts und in der Dämmerung aktiv, tagsüber ruht er in seinem Bau. Das bestätigt Christian Tesini, Biberbeauftragter und Fachspezialist Jagd und Fischerei bei der Abteilung Wald des Departementes Bau, Verkehr und Umwelt. Am ehesten entdecke man ihn in der Dämmerung, morgens oder abends. Das war aber nicht immer so. Ursprünglich sei der Biber tagaktiv gewesen, sagt Tesini. «Davon zeugen unter anderem seine kleinen Augen. Der Mensch hat diesen Nager in die Nacht gedrängt.» In Kanada, in Gebieten, wo wenig Menschen unterwegs sind, sind Biber auch heute noch tagaktiv. Auch in unseren Breitengraden komme es immer wieder vor, dass sich Biber an die Präsenz des Menschen gewöhnen, sagt Tesini. 2017 zum Beispiel vergnügten sich Biber auf einem im Wasser liegenden Baum bei der Zurlindeninsel in Aarau und erduldeten dabei tagelang viel Publikum beim Biber-Spotting.

Dem Biber gefällts an der Reuss
Der kantonale Biberbeauftragte geht davon aus, dass sich der in Sulz gesichtete Biber nur temporär im Seitengewässer aufgehalten hat. Tesini vermutet, dass das Tier auf Nahrungssuche oder in seiner gewohnten Umgebung in der Reuss aufgescheucht worden war. Immerhin sei der Biberbestand auf beiden Seiten des Reussufers aber inzwischen so dicht, dass die Nagetiere auch die Altarme der Reuss besiedeln und in Seitengewässern zu Hause sind.
Alle fünf Jahre werden im Aargau die Biber gezählt. Christian Tesini verweist auf das letzte kantonale Bibermonitoring aus dem Jahre 2018. Im ganzen Kanton wurden insgesamt 113 Biberreviere erfasst: Gezählt wurden damals 63 Einzel- oder Paar-Reviere und 50 Familienreviere. Damit ist die Zahl seit einer früheren Zählung im Jahr 2013 um 36 Reviere gewachsen. Gewachsen ist seither auch die Anzahl Biber und zwar um geschätzte 68 Tiere auf heute über 340 Biber im ganzen Kanton. Laut Bibermonitoring 2018 erfolgte «die Zunahme vorwiegend in der südlichen Kantonshälfte und dort besonders an der Reuss.» Im Süden bestehe offenbar immer noch ein gewisses Ausbreitungspotenzial mit geeigneten Lebensräumen, die noch nicht vom Biber besiedelt sind.

Heidi Hess

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