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Er laicht im Tümpel und klettert in Baumkronen

Fr, 23. Apr. 2021

Pro Natura Aargau wertet mit zwei Tümpeln den Lebensraum des Laubfrosches auf, das nützt auch vielen anderen Tieren

Zwei neue Tümpel am Waldrand bei Sulz sollen dem Laubfrosch auf die Bäume helfen. Pro Natura wertet gemeinsam mit dem Kanton den Lebensraum des stark gefährdeten Laubfrosches auf.

Kein einziger Laubfrosch hat sich an diesem Morgen bei den Tümpeln gezeigt. Leider. Dabei waren die beiden Tümpel im Gebiet Mittelsack in Künten, in der Nähe des Campingplatzes Sulz, eigens für die Frösche geschaffen worden. Christoph Flory, Amphibienexperte und Vorstandsmitglied bei Pro Natura, aber sagt: «Noch ist es dem Laubfrosch zu kühl, sowohl in der Nacht als auch am Tag.» Nachts müsse es wenigstens 10 Grad warm sein. Erst dann würden sich die Laubfrösche aus der Winterstarre bewegen. Auch tagsüber wünscht dieser Frosch, verwandt mit Kletterfröschen in den Tropen, angenehmere Temperaturen. «Noch rund eine Woche», meint Flory. Dann wagen sich zunächst die Männchen aus den Asthaufen und suchen seichte, genügend warme Gewässer auf, hocken sich hinein und quaken durch die Nacht. Laut ist ihr Lockruf – 90 Dezibel stark – und auf rund 800 Meter Entfernung zu hören. Ihr Ruf lockt weitere Männchen an. Der ganze «Sängerknabenchor», wie Flory sagt, soll schliesslich die Weibchen verführen. Haselnussgrosse Laichkugeln sollen sie in den neuen Tümpel legen. Wenn der neue Tümpel denn funktioniert.

Heute über 5000 Laubfrösche
«Die beiden Mulden wurden möglichst natürlich gestaltet», sagt Philipp Schuppli, Projektleiter bei Creanatira GmbH, einer Tochtergesellschaft von Pro Natura. Creanatira setzt das Projekt um, erste Arbeiten werden in Zusammenarbeit mit dem Forstbetrieb Reusstal und dem Naturschutzprogramm Wald der kantonalen Abteilung Wald ausgeführt. «Mit einem schweren Gerät», erklärt Projektleiter Schuppli, «wurde der lehmige Boden überrollt und verdichtet, ohne zusätzliches künstliches Material.» Sollte sich der Boden als zu durchlässig erweisen, werde mit künstlichem Material leicht nachgeholfen.
Die beiden Wassermulden liegen mitten im Laubfroschkorridor der Region Künten-Sulz, einem Schutzgebiet von nationaler Bedeutung. Nach jahrzehntelangen intensiven Schutzbemühungen zählt die Laubfroschpopulation im Reusstal heute rund 5000 Frösche – damit hat sich die Population gegenüber den 1980er-Jahren vervielfacht. Matthias Betsche, Geschäftsführer bei Pro Natura Aargau, spricht denn auch von einer Erfolgsgeschichte. Damals hatte der Verlust von Lebensraum zu einem starken Rückgang geführt, gerade mal tausend Frösche waren in den 80er-Jahren gezählt worden. Dennoch gehört der Laubfrosch, wie viele Amphibienarten, noch immer zu den auf der Roten Liste als «stark gefährdet» eingestuften heimischen Tierarten. Die Förderung bleibt deshalb zentral. «Die beiden neuen Tümpel sind als Aufwertungsmassnahme besonders wichtig, weil dieser Standort Lebensräume vernetzt», betont Betsche. Das begünstigt den genetischen Austausch unter der Laubfroschpopulation im Reusstal. Laubfrösche sind Vagabunden und legen in einer Nacht bis zu 500 Meter, in einer Saison bis zu drei Kilometer zurück. Unterwegs finden sie immer wieder neue Tümpel.

«So macht man das heute»
Pro Natura konnte im Laubfroschkorridor Land kaufen. In Zusammenarbeit mit der Abteilung Wald, mit der auch ein Pflegevertrag vereinbart worden war, wurden hier Bäume gefällt, es wurde stark aufgelichtet. Noch fehlt rund um die Tümpel die Krautschicht, Stauden und Gräser sucht man vergeblich.
«Manche bezeichnen das hier als ‹Puff› im Wald», sagt Philipp Schuppli. Er zeigt auf die aufgeschichteten Äste, auf liegengebliebenes Totholz und auf die hohe, schwächelnde Buche. So aber mache man das heute, meint er. Die Waldrandparzelle auf einer Fläche von 1,5 Hektaren wird nicht nur dem Laubfrosch als Unterschlupf dienen, hier leben auch viele Insekten, der Iltis oder das Wiesel. Darüber informiert am Wegrand neben den Tümpeln auch eine Informationstafel.

Heidi Hess

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