Dani Pfyl ist vom AFV enttäuscht
20.08.2021 Sport, FussballMägenwils Ex-Gemeindeammann Daniel Pfyl ist überzeugt: Bei Othmarsingens Abstieg war was faul
Für Daniel Pfyl war es eine «Mission Impossible». Pfyl wollte Licht in eine Affäre bringen, an deren Ende der FC Othmarsingen aus der 2. Liga abgestiegen ist. Der ...
Mägenwils Ex-Gemeindeammann Daniel Pfyl ist überzeugt: Bei Othmarsingens Abstieg war was faul
Für Daniel Pfyl war es eine «Mission Impossible». Pfyl wollte Licht in eine Affäre bringen, an deren Ende der FC Othmarsingen aus der 2. Liga abgestiegen ist. Der einstige Ammann von Mägenwil hält mit Kritik am AFV nicht zurück. Er bemängelt die «Transparenz» beim Aargauer Fussballverband.
Die Delegierten der Aargauer Fussballvereine mussten am letzten Samstag früh auf. Schon um 10 Uhr begann in Muri die Delegiertenversammlung des Aargauer Fussballverbandes AFV. 85 Vereine waren mit 72 Delegierten im Festsaal der Gemeinde Muri vertreten. Der FC Othmarsingen war vertreten durch Daniel Pfyl, der im Vorstand des Bünztaler Vereins Delegierter für die «Aussenpolitik» ist. Das deshalb, weil Vereinspräsident Beat Dünki nach eigenem Bekunden die Nase vom Verband gestrichen voll hat. «Wenn ich mit diesen Leuten reden muss, werde ich emotional. Deshalb haben wir Daniel Pfyl delegiert. Er versteht es, stets sachlich zu bleiben.»
Sachlich, aber nicht weniger deutlich. Pfyl nahm an der Delegiertenversammlung mit der Absicht teil, Klarheit in einen Fall zu bringen, der den FC Othmarsingen den Erhalt in der 2. Liga gekostet haben soll. Zumindest aus der Sicht des FCO-Vorstandes ist das so. Um was geht es? Der FC Othmarsingen stand im Juni mit fünf anderen 2.-Liga-Teams im Abstiegskampf.
«Merkwürdigkeiten» beim Spiel FC Niederwil – FC Lenzburg
Noch zwei Partien waren zu spielen. Othmarsingen siegte am 12. Juni zu Hause überraschend gegen Fislisbach klar und deutlich 3:0. Gleichzeitig war Lenzburg auf Gedeih und Verderben gezwungen in Niederwil zu gewinnen, was er mit dem Resultat von 3:1 auch tat. Doch dem FC Niederwil fielen Merkwürdigkeiten bei den Wechseln der Lenzburger auf. Die Vereinsverantwortlichen sandten eine E-Mail an den Verband. Darin stand: «Der Spieler Luca Sortino spielte mit der Nr. 17, auf dem Matchblatt im Internet ist er als Nr. 20 aufgelistet. Der Spieler Daniel Fernandes Figo ist gar nicht auf der Liste zu finden. Er spielte mit der Nr. 12 (wurde eingewechselt 86. Minute), auf dem Matchblatt aber steht der Name Faton Abduli als Nr. 12. Die Niederwiler baten den AFV, diese «Unklarheiten» im Sinne des Fairplay-Gedankens zu beseitigen. AFV Geschäftsführer Hannes Hurter nahm sich der Sache an. Auf Nachfrage des «Reussbote» sagte er damals, der Fall sei von der Kontroll- und Disziplinarkommission KDK des Verbandes gründlich untersucht worden. Dabei sei festgestellt worden, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei (der «Reussbote» berichtete). Das mit der «gründlichen Untersuchung» hat nach Recherchen von Daniel Pfyl so nicht stattgefunden. Hannes Hurter, habe den Fall in Eigenregie untersucht. Die Untersuchung, so Pfyl habe darin bestanden, dass die Sekretärin den Schiedsrichterrapport eingefordert habe. Zudem seien die Spielerbögen, wie man sie auch im Internet finden kann, konsultiert worden.
Besuch von Ponte und Hurter
Pfyl: «Nach einem Besuch von Hurter und Verbandspräsident Luigi Ponte bei mir zu Hause am 20. Juli, hat mir Ponte versprochen, den Schiedsrichterrapport vorzulegen. Gebracht hat er dann die beiden Seiten mit den Spielern drauf und gesagt, es gebe noch eine weitere Seite, welche von Hand verändert worden sei, da vor dem Spiel ein Funktionär des FC Lenzburg beim Schiedsrichter in der Kabine gewesen sei.» Pfyl bat darum, diese von Hand abgeänderte Seite, zu sehen. Ponte habe ihm versprochem, diese Seite zu beschaffen, sobald der Schiedsrichter aus den Ferien zurück wäre. Übrigens: Auch gegenüber dem «Reussbote» hat Ponte versprochen, die Angelegenheit seriös abzuklären. Doch es kam nichts mehr von der Seite des Verbandspräsidenten, der an der Delegiertenversammlung für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt worden ist. Auch Pfyl wartet bis heute auf die Resultate der Abklärungen. Pfyl erzählt, er habe Luigi Ponte letzten Samstag in Muri gefragt, wo nun die ominöse Seite des Schiedsrichters geblieben sei. Die, so habe Ponte im Vorbeigehen geantwortet, sei nicht mehr aufzufinden. Womit sich das Thema erledigt hat.
Pfyl blitzt mit seinen Anträgen ab
Was immer nun im Spiel Niederwil – Lenzburg am 12. Juni passiert ist: Wir werden es nicht mehr herausfinden. Doch der Vorstand des FC Othmarsingen wollte das nicht kommentarlos hinnehmen. Deshalb hat er an die Delegiertenversammlung des AFV zwei Anträge platziert. Und zwar wie folgt:
1. «Der Schiedsrichter hat vor offiziellen Spielen des AFV ab sofort wieder eine Personenkontrolle mit den abgegebenen Spielerkarten zu machen.» Da in der heutigen Zeit viele Spielernamen schwer auszusprechen seien, sei folgendermassen vorzugehen, schlug Pfyl an der DV in Muri vor. «Der Schiedsrichter ruft anhand der Spielerkarte die Rückennummer auf, der entsprechende Spieler mit dieser Nummer steht auf, zeigt sein Leibchen mit Nummer und sagt seinen Namen.» So könne in Zukunft wieder vermehrt der Fairplay-Gedanke ins Spiel gebracht werden und allfällige Unklarheiten vom Offiziellen verhindert werden.
Es bleibt wie es ist
2. «Die KDK (Kontroll- und Disziplinakommission) soll in Zukunft aus einem Präsidenten, der im AFV-Gremium ist und drei bis fünf aussenstehenden Mitgliedern bestehen.» So könnte in Zukunft neutraler und unabhängiger recherchiert und allfällige Diskrepanzen neutraler beurteilt werden, plädierte Pfyl.
Die Delegierten hatten für die Anliegen des FC Othmarsingen kein Gehör. Sie liessen die Anträge sang- und klanglos abblitzen. «Eine ernsthafte Diskussion ist erst gar nicht aufgekommen», zeigte sich Pfyl enttäuscht. Nach seiner Einschätzung ist Hannes Hurter in seiner Funktion als AFV-Geschäftsführer in Frage zu stellen. «Er hat den Fall in eigener Regie behandelt oder behandeln wollen, aber etwas anderes erzählt.»
Pfyl fährt schweres Geschütz auf
«Luigi Ponte», so Pfyls Einschätzung, «musste seinen Geschäftsführer schützen und hat dann ebenfalls den engagierten Präsidenten gespielt, der transparent seinen Job erledigen will, aber eigentlich im Kern lieber als ‹good man› dastehen möchte und auf keinen Fall einen Fehler zugeben kann.»
Daniel Pfyl sagt nach verlorener Schlacht: «Wenn man mir wenigstens die versprochenen Unterlagen gezeigt hätte und der Einsatz eines nicht gemeldeten Spielers ein Unterlassen oder eben ein Fehler gewesen wäre – wäre ich schon zufrieden. Es müssten keine Köpfe gefordert werden.» Und er fügt noch leise an: «Dies kann ja dann mit den ordentlichen Wahlen in zwei Jahren erfolgen, ausser der AFV-Vorstand ist mit der Geschäftsführung vorher schon nicht zufrieden.»
Damit ist das Thema gegessen. Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter.
Der FC Othmarsingen hat letzten Sonntag die Meisterschaft in einer Liga tiefer begonnen. Und Lenzburg hat in der 2. Liga in Fislisbach sein erstes Meisterschaftsspiel 1:4 verloren.
Die Fussballgemeinschaft ist zu ihrem Alltag zurückgekehrt.
Beat Gomes
Pfyl fragt nach den Löhnen beim AFV: «Ganz schön viel …»
Daniel Pfyl hat sich an der Delegiertenversammlung in Muri nach den Lohnkosten beim AFV erkundigt. «Da ist es tatsächlich so, dass für 400 Stellenprozente eine Lohnsumme von über 401 0000 Franken ausgegeben wird. Hinzu kommen noch BVG- und AHV-Anteile. Somit kosten diese vier Personen im Verband fast eine halbe Million Franken im Jahr.» Pfyl habe im Vorfeld der DV vermutet, dass in diesem Betrag noch die Entschädigung des Vorstandes drin sei, aber AFV-Finanzchef Patrick Braun habe bestätigt, dass dies nur Lohnkosten der Geschäftsstelle seien. «Ganz schön viel», sagt Pfyl. Bezahlt in erster Linie von den Amateurfussballern im Kanton. Unglaublich viel. Da dürfte man schon etwas mehr Transparenz und Unabhängigkeit erwarten. Aber eben, die Versammlung fand das ja gut ... (bg)



