Nach 4:0-Führung kamen Fislisbacher ins Zittern
24.08.2021 Sport, FussballFussball 2. Liga: FC Fislisbach gewinnt beim FC Kölliken 5:3. Allein in der 2. Halbzeit versiebte das Team von Ramona Armuzzi elf Grosschancen
Sieben Tore in einer Halbzeit. Fussballherz, was willst du mehr? Ramona Armuzzi an der Seitenlinie des FC Fislisbach hätte allerdings ...
Fussball 2. Liga: FC Fislisbach gewinnt beim FC Kölliken 5:3. Allein in der 2. Halbzeit versiebte das Team von Ramona Armuzzi elf Grosschancen
Sieben Tore in einer Halbzeit. Fussballherz, was willst du mehr? Ramona Armuzzi an der Seitenlinie des FC Fislisbach hätte allerdings gerne auf den Stresstest verzichtet. Beinahe hätte ihr Team nämlich in nur zehn Minuten eine souveräne 4:0-Führung verspielt. Am Ende wars der 18-jährige Junior Meo Till Mazzei, der den Deckel zum 5:3 zumachte.
Was macht man als Trainerin, wenn das eigene Team nach einer halbstündigen Galavorstellung plötzlich den Faden verliert, und nach einer 4:0-Führung zu verlieren droht? Ramona Armuzzi scheint diese Frage nicht verstanden zu haben. Oder sie war nach den nervenaufreibenden 95 Minuten noch immer im Tunnel. Ja, was sagt man als Trainerin, wenn die eigene Mannschaft völlig von der Rolle fällt?
«Ach», sagt Armuzzi, deren Augen hinter dunklen Gläsern ihrer Sonnenbrille nicht zu sehen sind, «mich interessiert in einem solchen Moment nur die Mentalität. Was war, ist schon vorbei. Daran lässt sich nichts mehr ändern. Ich will nur positive Gedanken zulassen.» Und, was hat sie in der Garderobe zu ihren Jungs gesagt? Wieder schaut sie den Fragenden an, als ob dieser vom Mond käme. «Das musst du schon die Spieler fragen.» Um noch zu sagen: «Ich verstehe es zwar, wenn sich die Spieler nach diesen zehn desaströsen Minuten, in denen wir einfach nicht mehr Fussball gespielt haben, anpöbeln. Aber das passt mir nicht. Ich will nur positive Gedanken zulassen. In einem solchen Moment zeigt sich, ob wir ein Team sind, ob wir bereit sind, uns zusammenzuraufen und mit positiver Energie rauszugehen und als Team aufzutreten.» Offensichtlich hat die Trainerfrau, die erst ihr zweites Spiel als Cheftrainerin an der Seitenlinie stand, in der Kabine die richtigen Worte gefunden.
Fislisbacher zeigen Mentalität
Jedenfalls machten die Fislisbacher nach der Pause dort weiter, wo sie in der 32. Minute aufgehört hatten. Sie spielten Fussball. Kompakt, solidarisch mit einem Pressing auf dem ganzen Feld, so dass dem Gegner kaum Zeit zum Atmen blieb. Zwar hatten die Kölliker immer noch Albert Marku, der den Fislisbachern mit seiner Wendigkeit und Torgefährlichkeit in die Glieder gefahren ist. Doch die Defensive, angeführt von Teamcaptain Silvan Bär, liess in der zweiten Halbzeit nichts mehr anbrennen. Brian Bosshard auf der rechten Aussenbahn rackerte wie ein Berserker. Lukas Hövel fand in der Innenverteidigung mit Silvan Bär den Draht. Und Justin Comas machte auf Links die Schotten dicht. Nach vorne sorgten Ryan Allmann, Yannic Frei, Toma Culjak und «Nitscho» Milosavljevic für die Musik, liessen aber zu viele Dinger liegen.
Zwei Spieler verdienen besondere Erwähnung. Einmal Christian Maier. Der erst 21-Jährige kommt nach seiner Nierenoperation immer besser in Fahrt. Er schoss beim 2:0 eine Kiste fürs Erinnerungsalbum.
Maiers unglaublicher Sprint
Maier erobert sich den Ball im eigenen Strafraum, wuselt sich im Zweikampf gegen zwei Gegenspieler frei, spielt den Ball steil zu Christian Gasane. Der leitet weiter zu Yannic Frei, der einen Schmetterantritt hinlegt und scharf vors gegnerische Goal spielt. Und wer kommt dort aus 70 Metern Distanz angerauscht? Richtig, Christian Maier. 70 Meter in 7,5 Sekunden. Das ist einer für die Schweizer Sprintstaffel. Zu erwähnen ist auch Meo Till Mazzei. ein 18-jähriger Junior, der kürzlich erfolgreich seinen Lehrabschluss im Detailhandel vollzogen hat und der demnächst seinen Zivildienst in einer Kita antreten wird. Er kam für Yannic Frei. Und er führte sich gleich mit einem wichtigen Tor ein. Eine Riesenkiste! Ein Knaller aus dem Gewühl heraus unter die Querlatte. Es war die Erlösung nach elf (!) vergebenen Torchancen. Dafür wurde der Debütant nach dem Spiel von seinen Mitspielern in die Mitte genommen und «getauft».
Beat Gomes


