Minions spielten riesig, aber nur einen Satz lang
04.11.2022 Sport, VolleyballVolleyball Damen 3. Liga Pro: VBC Mellingen siegt im Derby gegen den DTV Künten. Allerdings mussten die Reuss Ladys erst unten durch
Das erste Derby zwischen den Minions aus Künten und den Reuss Ladys war am Ende eine klare Sache. Aber nur weil die Minions nach dem 1. Satz der Mut ...
Volleyball Damen 3. Liga Pro: VBC Mellingen siegt im Derby gegen den DTV Künten. Allerdings mussten die Reuss Ladys erst unten durch
Das erste Derby zwischen den Minions aus Künten und den Reuss Ladys war am Ende eine klare Sache. Aber nur weil die Minions nach dem 1. Satz der Mut verliess. Sie spielten nämlich das Spitzenteam aus Mellingen zuerst förmlich an die Wand. Aber halt nur einen Satz lang.
Was ist nur in die Minions gefahren? Das kleinst gewachsene Team der Liga gebärdete sich zeitweise wie eine Furie. Anfänglich ging es zwar noch ganz gesittet zu und her. Da eine missglückte Ballannahme, dort ein verhauener Service. Zwei Teams auf Rhythmussuche. Bis die Künter Frauen langsam aber sicher am Rad zu drehen begannen. Und die Kadenz nach oben schraubten. Das ist es, was Trainer Tobias Heimgartner von seinen Spielerinnen verlangt. «Immer voll drauf und schiessen aus allen Lagen.» Der Chronist, der die Minions schon länger nicht mehr im Einsatz gesehen hat, rieb sich verwundert die Augen. Nicht nur er. Auch die Reuss Ladys wähnten sich wohl in der falschen Halle. Jedenfalls «wummerten» Franziska Peterhans und Co. die Bälle selbst aus dem Rückraum übers Netz, als ob sie alle zwanzig Zentimeter grösser wären. Den Reuss Ladys blieb in dieser Phase nur das Staunen. Derweil ihr Spiel in Stücke zerfiel, als wäre eben ein Tornado durch die Halle gefegt. Au Weia, dachten sich die dünn vertretenen Besucher aus Mellingen. Wenn das für die aktuellen Tabellenführerinnen nur keine Abfuhr setzt.
Setzte es nicht. Das Feuerwerk der Minions entpuppte sich hinterher lediglich als Sternschnuppe. Für Tobias Heimgartner völlig unerklärlich. «Uns ist nach diesem gelungenen Startsatz der Mut abhanden gekommen. Anstatt einfach so weiterzumachen, haben wir die Bälle nur noch rüber gespielt.
Reuss Ladys laufen heiss
Eine Einladung für Mellingen, uns die Bälle reinzuhauen. Ganz so, wie das der Künter Trainer im ersten Frust gesehen haben will, war es dann doch nicht. Natürlich, im 2. Satz hatte der DTV Künten keinen Stich mehr. Nun packten die Reuss Ladys den Hammer aus. Was immer sie wollten: es gelang. Gut hat der Schulabwart nicht mitbekommen, wie die über 1.80 Meter grosse Nicole Gmür mit ihren knallharten Smashes am Netz Löcher in den Hallenboden grub. Dagegen war für die Minions ebensowenig Kraut gewachsen, wie die Longline geschlagenen Donnerschläge von Shari Uhlig, der es nach eigener Schätzung an diesem Abend «nicht besonders gut» gelaufen ist. Na ja, was, wenn es ihr dann mal gut läuft? Die Einzelleistungen der Reuss Ladys hervorzuheben, ist schwierig. Ab dem 2. Satz legten alle zusammen eine gehörige Schippe drauf. Die wieder genesene Sarah Gähwiler steigert sich von Spiel zu Spiel und ist kaum mehr aus dem Team zu denken. Sandra Jäger, die Neue aus Baden, hat sich integriert, als würde sie schon immer in diesem Team spielen. Besonders verwunderlich: Anic Wunderlin. Eine echte Wundertüte. Die eher feingliedrige Stille im Team schlug Services, die zu Punkten führten gleich im halben Dutzend. Auch nicht gerade alltäglich.
«Ja, wenn alle ihre Leistung bringen, sind wir schwer auszurechnen», sagt Co-Trainerin Corinne Twerenbold, die in der Halle nebenan mit den U32-Frauen ebenfalls ein Meisterschaftsspiel bestritt und später zum Team stiess.
Volleyball à la Carte
Verständlich, die gute Laune im Team aus Mellingen. Satz drei und vier gediehen zur Kür. Die Reuss Ladys offerierten Volleyball à la Carte zu später Stunde. Die Minions staunten und mühten sich, fanden aber nie mehr den Schlüssel zur Leistung aus dem ersten Satz. Selbst wenn die Künterinnen zwischendurch nochmals zähen Widerstand leisteten, so zeigten sich die Reuss Ladys doch als äusserst widerstandsfähig.
Und am Ende ein «Ringelpiez»
Auf einen guten Ball der Minions, zahlten sie mit zwei oder drei noch besseren zurück. Zeitweise sah es so aus, als würden sich die Punkte für den VBC Mellingen von selbst ergeben. So ist es auch im Volleyball. Wenns läuft, dann läufts. Die einzige Gefahr drohte im 4. Satz, als es kurzzeitig aussah, als würden die Mellinger Frauen frühzeitig ausstempeln. Doch Pius Widmers Timeout brachte die Reuss Ladys rechtzeitig zurück auf ihren Kurs, sodass sie am Ende ihren «Ringelpiez» der «Tanzenden «Rossschwänze» tanzen konnten, derweil die Minions die Halle ziemlich bedient verliessen. Es hatte für sie doch so schön begonnen ...
Beat Gomes
Match-Telegramm
VBC Mellingen – DTV Künten 3:1
(19:25, 25:12, 25:17, 25:17)
Rüsler-Halle in Niederrohrdorf am letzten Mittwoch, 19 Zuschauer
VBC Mellingen: Andrea Jäger, Samira Köpfli, Corina Varga, Sandra Bickel, Jasmina Saxer, Serena Nocolaci, Celine Werren, Jennifer Roth, Anic Wunderlin, Svenja Wipf, Shari Uhlig, Amina Hukic, Nicole Gmür, Sarah Gähwiler.Trainer Pius Widmer
DTV Künten: Tanja Stadler, Zina Christinger, Nina Vock, Jana Meindl, Joanna Droux, Isabelle Jost, Nadine Tongi, Rahel Koller, Celine Dagelet, Franziska Peterhans, Larissa Heer, Beatrice Uhlig. Trainer Tobias Heimgartner


