Überraschungsgast an der Eröffnung
26.09.2023 BirmenstorfDas neue Naturschutzgebiet am Reussufer neben der Lindmühle wurde am Freitag eröffnet
Blindschleiche, Mosaikjungfer, Pechlibelle und Ringelnatter bevölkern den Hang neben der Lindmühle und zur Feier des
Tages zeigt sich sogar die Zauneidechse.
Für die ...
Das neue Naturschutzgebiet am Reussufer neben der Lindmühle wurde am Freitag eröffnet
Blindschleiche, Mosaikjungfer, Pechlibelle und Ringelnatter bevölkern den Hang neben der Lindmühle und zur Feier des
Tages zeigt sich sogar die Zauneidechse.
Für die Ansiedlung der Zauneidechse machen wir an anderen Standorten den Kopfstand», sagte an der Eröffnungsfeier am Freitagabend Matthias Betsche, Geschäftsführer bei Pro Natura und fügte dankbar staunend an: «Und hier kommt sie vor.» Einen herzlichen Dank sprach er deshalb auch der Familie Lehmann von der Lindmühle aus, die das Entstehen des Naturschutzgebietes auf ihrem Grundstück neben ihrer Mühle letztlich möglich gemacht hatte. Zwar sei am Anfang ein Bauverfahren im Zusammenhang mit dem Betriebsumbau gestanden. Letztlich habe sich daraus aber eine wunderschöne Partnerschaft ergeben. «Hier ist etwas ganz Tolles entstanden», meinte Betsche. «Es pflotscht. Überall ist es nass.» Pro Natura inventarisiere zurzeit die Aargauer Quellen – es gebe zwar sehr viele, meinte Betsche. Dass sie natrülich austreten können und ein Gebiet wässern, sei aber sehr selten. «Deshalb ist dieser Hang so besonders.»
Viel Quellwasser und sonnige Steine
Angelegt hatte das Naturschutzgebiet die Firma Creanatira. «Letztes Jahr war hier noch eine grosse Baustelle», erklärte Noah Meier, der das Projekt und die Naturschutzmassnahmen mitgeplant hatte. Drainagerohre und eine militärische Stützmauer wurden entfernt, der Quelle ihr natürlicher Fluss mit zahlreichen Wasseraustritten im Hang zurückgegeben. Der Biologe führte auf dem umgeleiteten neuen Wanderweg durch den Hang. Überall wächst Pfefferminze. «Das ist ein Zeichen für sehr viel Wasser», erklärt er. In diesem Gebiet sei denn auch das Zusammenkommen zweier unterschiedlicher Lebensräume besonders interessant. Zum einen die vielen Quellwasseraustritte, zum anderen der nach Süd-Westen ausgerichtete Hang, an welchem Trockenmauern angelegt wurden, deren Kalksteine bis zu einem Meter in die Erdtiefe reichen. Sie bilden mit Löchern und Hohlräumen ein perfektes Refugium für Reptilien, die sich auf den Steinen sonnen. Meier zählt Mauereidechsen, Ringelnattern und Blindschleichen auf. Alle hier schon gesichtet. Niemand wurde ausgesiedelt, diesen Lebensraum haben die Tiere selbst gewählt. Viel seltener als die Mauereidechse ist die vom Aussehen her kräftigere Zauneidechse mit einem massigen Kopf – während der Paarungszeit machen die Männchen mit hellgrüner Körperfärbung auf sich aufmerksam. An der Eröffnung sonnt sich als Überraschungsgast eine Zauneidechse auf einem Steinhaufen, huscht aber, sobald sie entdeckt wird, flugs unter die Steine. Mehrere Tümpel sind im Hang. Im oberen Teil einer, der mittels Lehmkörper angelegt und von Regenwasser gespiesen wird. Das dürfte Fröschen und Kröten gefallen, etwa der Gelbbauchunke. Ganz unten sammelt sich Quellwasser und darüber schwebt eine grosse Libelle – es ist eine Mosaikjungfer. «Die kleine Pechlibelle kommt hier vor», meint Meier, «wir erwarten auch den Kleinen Blaupfeil».
Durchs Gebiet führt der Wanderweg, auf einer neuen Route, oberhalb der Lindmühle den Hang entlang. Das Leben im Feuchtgebiet und in den Trockenmauern soll – gerne auf den Wegen – bewundert und genossen werden.
Heidi Hess


