Dank idealer Route in Olten unterwegs zur WM
11.06.2024 SportRütihof: Der Orientierungsläufer Timo Suter lässt seinen Exploit in Olten Revue passieren und freut sich auf den nächsten grossen Start
Im Juli kann Timo Suter an den OL-Weltmeisterschaften in Edinburgh starten. Das Ticket für die WM hat er auch seinem tollen Lauf ...
Rütihof: Der Orientierungsläufer Timo Suter lässt seinen Exploit in Olten Revue passieren und freut sich auf den nächsten grossen Start
Im Juli kann Timo Suter an den OL-Weltmeisterschaften in Edinburgh starten. Das Ticket für die WM hat er auch seinem tollen Lauf beim Heim-Weltcup in Olten zu verdanken.
Dass es so gut rauskommt, hätte ich nicht gedacht», erzählte Timo Suter vor zwei Wochen am Telefon. Dankbarkeit, Freude und Stolz über den Erfolg am Heim-Weltcup in Olten, der für ihn kein selbstverständlicher war, schwangen auch noch Tage danach in seiner Stimme mit. «Dass mein Exploit gerade in Olten passierte, hatte ich zwar gehofft, aber nicht erwartet.» Das Publikum und die Stimmung in der Altstadt seien grossartig gewesen.
Am 24. Mai wurde der Orientierungsläufer aus Rütihof in der Disziplin Knock-out beim Weltcup in Olten Fünfter. Es war nicht sein erster Start an einem Weltcup-Rennen. «Aber es war das erste Mal, dass ich in die Top sechs laufen konnte.»
Zieleinlauf unter grossem Jubel
Timo Suter muss für die besondere OL-Disziplin Knock-Out Runde um Runde überstehen. Bereits am Vortag hatte er sich in Zofingen für den Viertelfinal am Samstag in der Oltener Altstadt qualifiziert. Kurz nach zehn Uhr absolvierte er dann am Samstagmorgen einen schnellen Lauf durch Oltens Gassen – zwischen sechs bis acht Minuten dauert in der Regel ein Durchgang beim Knock-out. Dabei starten sechs OL-Läuferinnen oder -Läufer gleichzeitig, danach aber suchen sie mithilfe der Karte von Posten zu Posten ihren eigenen Weg.
Timo Suters Zeit führte ihn in den Halbfinal. «Ich konnte meinen Plan durchziehen», meint er. Kurz nach 12 Uhr stand er neben fünf weiteren Läufern im Final. Gedanken an Müdigkeit seien aufgekommen, erzählt er, er habe sie erfolgreich ausgeblendet, stattdessen auf die Zähne gebissen. «Denn damit hatten auch die anderen zu kämpfen.» Einmal sei er im Finallauf sogar kurz stehen geblieben, um einen Blick auf die Karte zu werfen und sich zu orientieren. «Kaum mehr als zwei Sekunden waren das, gut investierte Zeit», meint er. Von sechs Finalteilnehmern lief Timo Suter als Fünfter ins Ziel – vor Heimpublikum und unter grossem Jubel. Familie, Freunde, Fans – unter ihnen viele aus dem eigenen Club Cordoba Baden – alle hatten ihn unterstützt. «Das war ein unglaubliches Gefühl, ich habe mich riesig gefreut.»
Rund 100 Laufkilometer pro Woche
Timo Suter ist 25 Jahre alt und in der Ausbildung zum Oberstufenlehrer an der Pädagogischen Hochschule in Brugg. Die Freude am Orientierungslauf wurde ihm, aufgewachsen in einer OL-begeisterten Familie, sozusagen in die Wiege gelegt. Im Alter von 15 Jahren nehmen die Ambitionen zu: Timo Suter beginnt auf Niveau Leistungssport zu trainieren. In den letzten Jahren bis zu zweimal am Tag, in erster Linie Lauftrainings, zehn bis zwölf Einheiten pro Woche, die ihm regelmässig 100 bis 120 Laufkilometer einbringen. «Die physische Komponente», erklärt er, «spielt beim OL neben der Kartentechnik eine extrem wichtige Rolle.»
Dank guten Resultaten an internationalen Bewerben verdiente er sich ab dem Jahr 2019 einen Platz im Nationalkader neben bekannten nationalen OL-Grössen wie Matthias Kyburz, Daniel Hubmann oder auch Joey Hadorn. 2022 wurde er schliesslich an der Studenten-WM in Biel mit der Sprint-Staffel Weltmeister und holte zwei weitere Medaillen.
Von Heimvorteil und «Fair Play»
Biel oder Olten? Diese Städte bedeuten für Timo Suter nicht unbedingt Heimvorteil – und wenn dann nur in Bezug auf das Publikum: Es dürften ihn beim Start, entlang der Route und beim Einlauf ins Ziel mehr Familien- und Clubmitglieder, Freunde und Fans unterstützt haben.
Er bewegte sich aber nicht auf bekanntem Gelände, weil im Vorfeld eines Wettkampfes «Üben im Terrain» nicht erlaubt ist. Das Gelände, auf welchem ein solcher OL stattfinden soll, ist vor einem Wettbewerb etwa zwei Jahre lang Sperrgebiet für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Überprüft werden kann das nicht, niemand wird überwacht. Timo Suter aber spricht von «Fair Play», es sei Ehrensache, sich an diese Regel zu halten. Auch deshalb eigneten sich für einen Stadt-OL kleinere Städte besser als grosse wie etwa Zürich oder Basel, wo es kaum möglich ist, sie für eine lange Zeit nie zu besuchen.
Entsprechend setzte das Mitglied des OLC Cordoba aber zwei Jahre lang keinen Fuss auf Oltens Pflastersteine und suchte beim Weltcup in Olten genau wie die Finnen oder die Dänen seine Route, vorbei an Eckhäusern und durch öffentliche Hausdurchgänge.
Timo Suter hat sein Ziel erreicht
Wenige Tage nach dem Erfolg in Olten packte Timo Suter die Koffer für Genua. Am 1. und am 2. Juni startete er zur zweiten Runde im OL-Weltcup mit dem persönlichen Ziel, sich für die kommende WM in Edinburgh, Schottland, zu qualifizieren. Es sei ihm nicht ganz so gut gelaufen wie in Olten, berichtete er am Dienstag danach. Sein Ziel aber hat Timo Suter erreicht. «Ich habe es geschafft. Ich werde an der WM in Edinburgh im Knock-out-Sprint am Start stehen dürfen.»
Heidi Hess


