Hüssers machen keine halben Sachen
26.07.2024 SportWas machen eigentlich… Andreas und Christoph Hüsser, Motocross-Töfffahrer?
Wenn die Hüsser-Zwillinge etwas machen, dann richtig. Das hat ihnen zu Erfolg im Geschäftsleben verholfen – und zu zwei WM-Titeln als Motocross-Gespann.
Schlammkönige», ...
Was machen eigentlich… Andreas und Christoph Hüsser, Motocross-Töfffahrer?
Wenn die Hüsser-Zwillinge etwas machen, dann richtig. Das hat ihnen zu Erfolg im Geschäftsleben verholfen – und zu zwei WM-Titeln als Motocross-Gespann.
Schlammkönige», «Haudegen»: Es sind knackige Begriffe, mit denen die Presse versucht, dem Phänomen Andreas und Christoph Hüsser gerecht zu werden. Die beiden Zwillinge, geboren1954 im Abstand von 20 Minuten und aufgewachsen auf einem Bauernhof in Stetten, haben vieles gemacht in ihrem bisherigen Leben. Das meiste davon richtig. Der Anfang der fast schon legendenhaften Hüsser-Story ist hinlänglich bekannt: In der Nähe des Stetter Bauernhofs gibt es eine Kiesgrube. Christoph kauft sich mit dem ersten selbstverdienten Geld eine Cross-Maschine. Er ist 17, und schon bald fährt er an der Weltspitze mit. Sein Bruder Andreas wird Seitenwagenfahrer. Allerdings soll es eine ganze Weile dauern, bis die beiden zusammenspannen. Was umso erstaunlicher ist, als dass die beiden immer schon gemeinsam trainiert haben: «Nach der Arbeit ging es zweimal pro Woche auf den Vitaparcours. Auch im Kraftraum trainierten wir gemeinsam. Bloss fuhren wir an den Wochenenden zu unterschiedlichen Rennen», erzählt Andreas. Beide gewinnen Titel, beide feiern grosse Erfolge. Christoph mit anderen Beifahrern, Andreas mit anderen Piloten. Ihre gemeinsame Basis blieb Stetten.
Was macht einen guten Beifahrer aus? «Ich weiss es auch nicht recht», sagt Andreas. Angeben ist nicht seins. «Ein guter Beifahrer muss vorausschauen, sehen, was für Hindernisse kommen, wie er reagieren, ausgleichen kann.» Vertrauen ist dabei elementar. Kein Wunder also, dass die beiden Zwillingsbrüder nicht lange brauchen, um als Team an die Spitze zu fahren: «Wir haben immer gemeinsam trainiert, und wir kennen einander in- und auswendig», sagt Christoph. Habe einer ein Hühnerauge am Zehen, bekomme der andere auch eins, ergänzt Christoph. Am gleichen Zehen.
1986 beschlossen die beiden Hüssers, es gemeinsam zu versuchen mit dem Motocross. «Das war eine Blitzaktion», erinnert sich Christoph. An einem Rennen in Österreich erzählten sie Kollegen von ihren gemeinsamen Plänen, und im Handumdrehen hatten sie ein Team beisammen. 1987 wurden sie an den Schweizer-Meisterschaften Zweite und Fünfte an den Weltmeisterschaften.
1988 sollte ihr erfolgreichstes Jahr werden: Sie gewannen die WM mit grossem Vorsprung auf die Zweitplatzierten und wurden Schweizermeister. Den Schweizer-Meistertitel mussten sie im Folgejahr zwar abgeben, aber den Weltmeistertitel verteidigten sie 1989.
Fokus, Fokus, Fokus
Andreas und Christoph Hüsser haben schon als Kinder gelernt, Vollgas zu geben: Als Schulbuben halfen sie dem Grossvater auf dem Hof. Später trainierten sie nach der Arbeit. «Kondition ist das Wichtigste für Motocrossfahrer», sagt Christoph. «Das Rennen dauert 30 Minuten, die muss man voll durchstehen können.» Immer am ersten Februarwochenende reisten die beiden zum Trainieren nach Italien. «Am Anfang fuhren wir jeweils etwa 20 Minuten, und wenn die ersten Rennen anstanden, steigerten wir auf 30», sagt Andreas. Dabei achteten sie darauf, so fit zu werden, dass die letzten beiden Runden immer mindestens so schnell waren wie die vorhergehenden. «Wenn man müde wird, verkrampft man sich», erklärt Andreas. «Und wenn man sich verkrampft, hat man sowieso schon verloren.» Nach den Rennen am Wochenende fuhren die beiden in der Nacht heim, um am Montagmorgen rechtzeitig wieder bei der Arbeit zu sein.
Die heimische Kiesgrube erwies sich langfristig als nicht ideal. «Eigentlich sollte man auf den grossen Strecken trainieren, über die ganze WM-Distanz», sagt Christoph. Ihre Lieblingsstrecken waren die Heimrennen: Wohlen, Muri, Rothenturm. Sand hingegen mochten die beiden nie wirklich gern, obwohl sie auf allen Unterlagen Erfolge feierten.
Engagement für nächste Generation
Als die sportlichen Karrieren langsam zu Ende gingen, liessen die Hüsser-Zwillinge nicht nach: Christoph hat sich mit mobilen WCs etabliert, Andreas stellt Baumaterialien für den Kamin- und Cheminée-Bau her. Der Wecker läutet auch heute noch, bevor die Vögel zu pfeifen anfangen.
Auch dem Motorradsport sind die beiden treu geblieben. Im Juli waren die beiden am Sachsenring, um den Schweizer Motorradrennfahrer Alessandro Binder fahren zu sehen. Die beiden überlegen sich, wie sie dem 15-Jährigen unter die Arme greifen können: «Wenn man im Motorradsport Erfolg haben will, muss man zuerst viel investieren. Nicht nur Zeit, sondern auch Geld», sagt Christoph Hüsser.
Der Szene etwas zurückgeben
Beide würden sich wünschen, dass der Mägenwiler, der momentan als bester Schweizer auf Rang 8 des Northern Talent Cup liegt, sein Potenzial ausschöpfen kann. Binders deklariertes Ziel ist die WM.
Was motiviert die beiden Hüssers, die inzwischen 70 sind, dazu, ein Jungtalent zu unterstützen? «Wir sind jetzt seit 50 Jahren mit dem Motorsport verbunden», sagt Christoph. «Da wäre es doch schön, wenn wir einem talentierten und extrem fokussierten jungen Fahrer ein wenig dabei helfen könnten, an die Weltspitze zu kommen.»
Susanne Loacker

