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03.03.2026 PorträtHeute Thomas Lang
Thomas Lang wohnt in Mellingen und ist seit zehn Jahren Präsident von Birdlife Mellingen. Der pensionierte Lehrer wirkte neben seiner Unterrichtstätigkeit als Schulleiter und evaluierte Schulen im Auftrag der Zürcher ...
Heute Thomas Lang
Thomas Lang wohnt in Mellingen und ist seit zehn Jahren Präsident von Birdlife Mellingen. Der pensionierte Lehrer wirkte neben seiner Unterrichtstätigkeit als Schulleiter und evaluierte Schulen im Auftrag der Zürcher Bildungsdirektion. Während fünf Jahren prägte er die Umweltbildung des WWF Schweiz.
◆ Thomas Lang, welche Vögel sind Ihnen die liebsten?
Von der Ästhetik gefällt mir natürlich der pfeilschnelle Eisvogel, Vogel des Jahres 2026; er kann gut an der Reuss beobachtet werden, selbst beim Städtlisteg habe ich ihn schon vorbeiflitzen sehen. Besonderen Eindruck machen mir die Rotmilane, die inzwischen in der Schweiz häufig anzutreffen sind, so auch im Reusstal oder auf dem Birrfeld. Selbst über dem Städtli kreisen sie oft einzeln oder zu zweit.
◆ Warum engagieren Sie sich für den Natur- und Umweltschutz?
Ich bin ein Idealist mit rosaroter Brille und möchte einen kleinen Beitrag für eine bessere Welt leisten …
◆ Birdlife Mellingen lädt am Donnerstag, 5. März, zu einem Referat über das Konzept «Schwammstadt» ein. Was erwartet Interessierte?
Jenseits von ideologischen Diskussionen gilt es heute, praktische Lösungen zu entwickeln, welche die Auswirkungen von Starkregen und von Trockenperioden mindern. Wie kann das konkret aussehen? Da freue ich mich auf die Inputs aus dem Naturama Aargau und auf konkrete Beispiele aus unserer näheren Umgebung.
◆ Kann Mellingen eine «Schwammstadt» werden? Wie?
Mellingen kann nicht, unser Städtli und alle anderen Gemeinden müssen und werden sich angemessen auf den Klimawandel einstellen. Dabei scheint mir ein integrativer Ansatz zentral, so dass etwa bei Strassenerneuerungen – wie sie aktuell in Mellingen in grosser Zahl anstehen – beim Ersatz von Belag und der verschiedenen Leitungen gleich auch Wasserspeichermöglichkeiten und Gruben für stattliche Bäume mitgeplant werden. Das fördert das Wohlbefinden von Mensch und Tier und ist viel günstiger als nachträgliche Massnahmen.
◆ Wie sorgen wir alle für einen besseren Umgang mit der Natur?
Ich finde wichtig, dass jeder selbst einen persönlichen Beitrag zur Artenvielfalt und zum Umweltschutz leistet, wie gross dieser immer auch ist. Wie das konkret geht, zeigt die Mellinger Kampagne «Natur findet Stadt», bei der Interessierte aus unserer Gemeinde eine unentgeltliche Startberatung durch einen fachkundigen Gärtner erhalten, wie Balkon oder Garten ökologisch aufgewertet werden.
◆ Weshalb engagieren Sie sich in der Stadt Mellingen?
Ich finde es wichtig, dort zu wirken, wo ich lebe. Unterstützung für den Tiger im fernen Indien und den Regenwald in Brasilien ist wichtig. Aber eine Veränderung vor Ort heisst auch: Wir stehen alle in der Verantwortung und müssen hier unseren Beitrag leisten, in der Schweiz oder für ein lebenswertes Städtli an der Reuss.
◆ Was würden Sie an Ihrer Stadt ändern wollen?
Mit dem aktuellen «Massnahmenplan Natur Mellingen» zeigen der Stadtrat und die Natur- und Umweltkommission mit kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen den Weg in eine verantwortungsvolle und ökologisch ausgerichtete Zukunft auf. Nun gilt es diese konkreten Schritte getreu dem Mellinger Motto «Reuss-Stadt-Natur-Nah» umzusetzen. Der «Reussbote» hat im letzten Sommer dazu knackig getitelt «Viele kleine grüne Inseln in der Asphalt-Wüste». Dieses Bild gefällt mir.
◆ Was ist Ihr Lieblings-Ausflugsort?
Das Gute liegt so nahe …, Reuss, Boll, Möser oder Heitersberg. Etwas weiter das Emmental, die Schrattenfluh, der Étang de la Gruère, der Thunersee.
◆ Welche Anlässe besuchen Sie?
In Mellingen schätze ich besonders das grosse kulturelle Engagement von Urs Weber mit einem hochstehenden Programm in seinem Altstadtlokal Tradinoi.
◆ Was hat in Ihrem Leben Priorität?
Ich kämpfe immer ein bisschen mit dem Umstand, dass nicht alle möglichen Projekte gleichzeitig umsetzbar sind, da bin ich auf der Suche nach einer guten Balance.
◆ Wenn Sie einen Tag jemand anderes sein könnten, wer wäre das?
Vielleicht einen Tag als Rotmilan unterwegs sein und dabei von einer guten Übersicht profitieren?
Heidi Hess

