Zum Artikel «Ab dieser Woche werden Bussen verteilt» zum Städtlisteg Mellingen, Ausgabe vom 27. März
Wir leben in einer immer schnelleren Zeit, keine Frage. Und trotzdem, oder erst recht deswegen, muss ab und an die Infrastruktur renoviert und in Stand gehalten ...
Zum Artikel «Ab dieser Woche werden Bussen verteilt» zum Städtlisteg Mellingen, Ausgabe vom 27. März
Wir leben in einer immer schnelleren Zeit, keine Frage. Und trotzdem, oder erst recht deswegen, muss ab und an die Infrastruktur renoviert und in Stand gehalten werden. Das geht schlicht und einfach nicht immer ganz ohne Behinderungen ab. Die Brücke über die Reuss in Mellingen muss saniert werden, damit sie weiterhin schweren Gefährten die Überfahrt gewähren kann. Ob sie das denn auch in Zukunft muss, wird sich zeigen. Jedenfalls steigt dadurch die Konzentration an Langsam-Verkehr über den Städtlisteg (und zum Glück auch der Auto-Verkehr über die Umfahrung). Bei dichterem Verkehr ist mehr Vorsicht geboten, daher liegt es auf der Hand, dass der Steg während der Sanierung der Brücke nur gehend benutzt werden darf. Das hat offenbar zu Protesten geführt. Weil es eben nicht mehr ganz so bequem ist wie bisher.
Wenn wir uns nun überlegen, dass der Steg ca. 58 Meter lang ist (gemäss öffentlich einsehbaren Daten), stellt man fest, dass man zu Fuss etwa 80 Schritte für die Überquerung braucht. Ein normaler Fussgänger macht zwei Schritte pro Sekunde und braucht damit 40 Sekunden für die Überquerung des Steges. Ein halbwegs rücksichtsvoller Velofahrer fährt mit «nur» gut 12 km/h über den frequentierten Steg und braucht damit etwa 15 Sekunden für die Querung. Also könnte der protestierende Velofahrer ca. 25 Sekunden bei der Passage über den Fluss verlieren. Das scheint nun wahrlich eine grauenhafte Vision zu sein, gegen die man alle Anstrengungen unternehmen muss, um diesen enormen Zeitverlust nicht einfach hinzunehmen. Interessant ist der Vergleich zur Umfahrung: Wer vom Tank-Kreisel jetzt auf der Umfahrung zum Lindenplatz fah- ren muss (es gibt keine Alternative), der muss einen 400 Meter längeren Weg als über die Brücke in Kauf nehmen. Dafür braucht er unausweichlich auch ziemlich genau 25 Sekunden länger als früher. Und jetzt sollten wir uns einmal alle überlegen, wo wir das letzte Mal 25 Sekunden für eine bessere Lebensqualität mit so grossem Effekt eingesetzt haben.
Stefan Florjancic, Mellingen