Bei den Parkplätzen bleibt alles beim Alten
02.06.2026 NiederwilNiederwil: Ein Untergeschoss mit Garage unter dem neuen Gemeindehaus würde das Grundwasser tangieren – der Gemeinderat verzichtet darauf
Die Projektierung des neuen Gemeindehauses wird ohne ein Untergeschoss und eine Tiefgarage darin weitergeführt. Das hat der ...
Niederwil: Ein Untergeschoss mit Garage unter dem neuen Gemeindehaus würde das Grundwasser tangieren – der Gemeinderat verzichtet darauf
Die Projektierung des neuen Gemeindehauses wird ohne ein Untergeschoss und eine Tiefgarage darin weitergeführt. Das hat der Gemeinderat jetzt aufgrund des Resultats von Abklärungen entschieden.
Die Niederwiler Gemeindeversammlung hat am 24. Juni 2025 für den Neubau des Gemeindehauses einen Projektierungskredit von 600 000 Franken und einen Zusatzkredit von 50 000 Franken für separate Abklärungen im Zusammenhang mit einer Tiefgarage bewilligt. Die nötigen Baugrunduntersuchungen und Abklärungen zur Grundwassersituation sind inzwischen erfolgt. «Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse, die bei der Bewilligung des Projektierungskredits noch nicht vorlagen», schreibt die Gemeinde in einer Mitteilung.
Ausnahmebewilligung wäre nötig
Sie zeigten, dass ein Untergeschoss beziehungsweise eine Tiefgarage im Bereich des Grundwassers zu liegen kämen. Da sich das Projektareal im Gewässerschutzbereich Au befindet, wäre dafür eine kantonale Ausnahmebewilligung erforderlich. Zudem wären zusätzliche technische Nachweise und besondere bauliche Massnahmen notwendig. «Damit verbunden wären nicht nur erhebliche zusätzliche Kosten, sondern auch wesentliche Risiken hinsichtlich Bewilligung, Planung und Ausführung», so die Gemeinde. Zudem wären weitere Abklärungen erforderlich, welche das Projekt voraussichtlich um bis zu einem Jahr verzögern könnten. Die heute vorliegenden Erkenntnisse zeigten, dass die Realisierung eines Untergeschosses beziehungsweise einer Tiefgarage deutlich anspruchsvoller wäre als ursprünglich angenommen. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse, sowie gestützt auf die einstimmige Empfehlung der Baukommission, hat der Gemeinderat beschlossen, auf ein Untergeschoss beziehungsweise eine Tiefgarage zu verzichten. «Nach sorgfältiger Abwägung überwiegen die damit verbundenen Risiken den zusätzlichen Nutzen», heisst es weiter.
Gemeindeammann Norbert Ender sagt auf Anfrage, die Änderung werde zu keiner Verzögerung führen. «Im Gegenteil. Wir können den Zeitplan einhalten. Zusätzliche Sondierungen und die Frage der Ausnahmebewilligung durch den Kanton hätten das Projekt um mindestens ein Jahr verzögert.» Laut Ender beginnt der mittlere Grundwasserspiegel bereits 70 Zentimeter unter dem Boden. «Wir hätten deshalb für ein Untergeschoss tief ins Grundwasser bauen müssen.» Wirklich überrascht sei man nicht über das Resultat der Abklärungen. «Nur über das Ausmass», so der Gemeindeammann. «Es wäre wünschenswert gewesen, neben dem Untergeschoss auch gleich eine Tiefgarage zu planen. So lohnt es sich aber nicht.» Der Gemeindeammann räumt auf eine Frage ein, dass man die Bodenuntersuchung eventuell schon vorher hätte machen sollen. «Ja, das stimmt. Es war aber zeitlich leider nicht möglich», sagt er und fügt hinzu: «Die Tiefgarage war aber nur wünschenswert und keine zwingende Anforderung ans Projekt.» Zur Erinnerung: Die Gemeindeversammlung hatte an der Winter-Gmeind separat über den Zusatzkredit zur Tiefgarage abgestimmt und zugestimmt. Das Traktandum gab, wie wir im Juni 2025 berichteten, zu reden. Zu Diskussionen führte jedoch vor allem die Frage, wo Kultursaal und Bibliothek untergebracht werden sollten. Später folgte das Referendum. Dieses wurde abgelehnt. Zur Tiefgarage ist zu sagen: Geplant waren 18 unterirdische Parkplätze. Die genannten Baukosten von 700 000 bis 800 000 Franken wurden von Gegnern als zu teuer erachtet. Letztlich sagte der Souverän aber grossmehrheitlich Ja zum Zusatzkredit. Der jetzige Entscheid betrifft die Ausgestaltung des Neubau-Projekts auf der Peterhans-Wiese unweit des heutigen Gemeindehauses, nicht jedoch die Realisierung des Gemeindehauses als solche. Nun wird ohne Untergeschoss und Tiefgarage weiter geplant. Der Gemeinderat hat auch die Projektierung des Aussenbereichs angepasst. «Die bestehenden Parkplätze vor dem heutigen Gemeindehaus bleiben erhalten und stehen auch künftig zur Verfügung», sagt der Gemeindeammann. «Die Parkplatzsituation bleibt also unverändert und wir sparen Geld.» Verschiedene Risiken seien mit dem Verzicht vom Tisch. Weil es kein Untergeschoss im neuen Gemeindehaus gibt, werden die erforderlichen Technik-, Lager- und Archivflächen im Projekt neu oberirdisch integriert. Dank der klaren und flexibel nutzbaren Gebäudestruktur könnten diese Anpassungen innerhalb des Projekts umgesetzt werden, ohne die wesentlichen Nutzungen und Qualitäten des Gemeindehauses zu beeinträchtigen. Die Projektziele und die funktionalen Anforderungen bleiben unverändert bestehen.
Finanzielle Folgen werden ermittelt
Der Verzicht auf das Untergeschoss und die Tiefgarage schaffe die Voraussetzungen, das Projekt «zielgerichtet, mit höherer Planungssicherheit und deutlich geringeren Risiken weiterzuführen», führt die Gemeinde in der Mitteilung aus. Die Auswirkungen der Projektanpassung auf die Gesamtkosten würden im Rahmen der weiteren Projektierung ermittelt und zusammen mit dem Baukredit ausgewiesen. «Über Kosten und den Zeitpunkt der Vorlegung des Baukredits werden wir an der Sommergemeindeversammlung nähere Aussagen machen können», sagte uns der Gemeindeammann.
Marc Benedetti

