«Beste Kuh im Stall» verkaufen oder behalten?
30.06.2026 NiederwilNiederwil: An der Gemeindeversammlung wurde der Kredit zur Analyse des Elektrizitätswerks angenommen
Nicht nur die Temperaturen waren an der Gmeind Niederwil heiss. Für Gesprächsstoff sorgten das Elektrizitätswerk und das Gemeindehaus.
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Niederwil: An der Gemeindeversammlung wurde der Kredit zur Analyse des Elektrizitätswerks angenommen
Nicht nur die Temperaturen waren an der Gmeind Niederwil heiss. Für Gesprächsstoff sorgten das Elektrizitätswerk und das Gemeindehaus.
Trotz anhaltender Hitzewelle fanden sich am Donnerstagabend 105 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in der Mehrzweckhalle für die Sommer-Gmeind ein. Gegen die Hitze in der Halle wurde Mineralwasser abgegeben. Für zusätzliche Erfrischung sorgten bei einigen mitgebrachte Fächer. Die warmen Temperaturen hielten nicht davon ab, rege zu diskutieren. Ein Votum kam bei Traktandum 7, bei welchem der Gemeinderat einen Verpflichtungskredit über 32 000 Franken für die Durchführung einer Variantenanalyse zur zukünftigen Ausrichtung des Elektrizitätswerks Niederwil (EWN) beantragte.
EWN wirft immer noch Gewinn ab
Das EWN gehört seit über 100 Jahren «zum Inventar». Es bescherte dem Dorf bis anhin tiefe Strompreise. 2015 unternahm der damalige Gemeinderat einen Anlauf, das EWN zu verkaufen. Das Vorhaben scheiterte – das Votum lautete damals, man solle «das Tafelsilber nicht verkaufen». Nach elf Jahren wird ein neuer Anlauf mit einer Variantenanalyse genommen. Norbert Ender sagte an der Gemeindeversammlung: «Wir klären lediglich ab, ob wir nach elf Jahren immer noch auf dem richtigen Weg sind oder nicht. Mit dem Verpflichtungskredit für die Analyse entscheiden wir nicht über einen Verkauf, sondern halten uns lediglich alle Lösungen offen.» Der Grund für die Durchführung der Analyse sei, dass sich das Energiefeld in den letzten drei Jahren stark verändert habe. Ein Votum kam dazu von Toni Rohrer. Er sagte: «Vor elf Jahren haben 80 Prozent den Verkauf des EWs abgelehnt.» Nach wie vor habe man dank des EWs immer noch eine der tiefsten Stromnetzkosten im Kanton. Zudem beschere das EW jedes Jahr einen schönen Batzen in die Gemeindekasse. Es stimme, dass das Leben komplizierter geworden sei. Es werde aber nicht einfacher, wenn die «beste Kuh im Stall» verkauft würde. Nach dem Votum wurde der Verpflichtungskredit trotzdem mit grossem Mehr gegen 28 Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen angenommen.
Erfreulicher Gewinn
Ein weiteres Traktandum an der Gmeind war die Jahresrechnung 2025. Sie schliesst deutlich besser als budgetiert ab. Das Ergebnis beträgt 731 943 Franken Ertragsüberschuss, budgetiert waren 70 825 Franken. Zusammen mit dem ausserordentlichen Ertrag aus der Entnahme der Aufwertungsreserve von 213 131 Franken konnten 945 065 Franken in die Vorfinanzierung für den Neubau des Gemeindehauses eingelegt werden, das Ergebnis schliesst daher ausgeglichen ab. Die Einlage für das neue Gemeindehaus beträgt inzwischen drei Millionen Franken. Zum positiven Ergebnis trugen Ausgabedisziplin sowie höhere Steuererträge von 8,7 Millionen Franken bei. Mit grossem Mehr stimmte der Souverän dem Protokoll, dem Rechenschaftsbericht und der Einbürgerung von drei Personen zu. Zusätzlich wird auch der Kreditabrechnung «Netzverbund Wasserreservoir Moos mit der Hochzone Wohlen» zugestimmt.
Diskussionen wegen Gemeindehaus
Unter dem Traktandum «Verschiedenes» informierte Gemeindeammann Norbert Ender über den Neubau Gemeindehaus. Wegen vorhandenem Grundwasser plant der Gemeinderat den Bau ohne Tiefgarage (der «Reussbote» berichtete). «Die geologischen Gutachten waren sehr ernüchternd, das Grundwasserniveau liegt bereits 70 Zentimeter unter dem Boden», führte Ender aus. Weil das Areal zusätzlich in der Gewässerschutzzone liege, brauche es die Bewilligung des Kantons. Diese werde nur erteilt, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden sei. Das berge ein hohes Bewilligungsrisiko. Aber auch mit einer Bewilligung würde das Projekt um hunderttausende von Franken teurer werden. «Der Gemeinderat hat intensiv mit Bauingenieuren und Architekten diskutiert. Alle haben die Empfehlung abgegeben, auf eine Tiefgarage zu verzichten.» Geplant sei nun, das Gemeindehaus zu verlängern. Damit erhalte man mehr Volumen. Daher könne alles, was im Untergeschoss geplant war, in den oberen Etagen untergebracht werden. Durch das Referendum sei alles ins Stocken geraten. Nun sei das Projekt wieder in Fahrt. Bereits hätten Workshops mit Nutzergruppen stattgefunden. Genaue Kostenberechnungen würden von den Architekten anfangs August erfolgen. Norbert Ender sagte, dass der Baukredit erst 2027 traktandiert werde. Nach den Ausführungen folgten mehrere Voten. Peter Küng fragte: «Wo werden die fehlenden Parkplätze der Tiefgarage hinkommen?» Ender antwortete: «Wir lassen die 18 Parkplätze beim alten Gemeindehaus bestehen.» Hans Angstmann wollte wissen: «Ist das Wasser auf dem ganzen Grundstück vorhanden?» Ender sagte: «Ja. Es wurden mehrere Probebohrungen gemacht.» Alois Horat mahnte: «Ich finde es schade, wenn man das Gemeindehaus nicht wenigstens unterkellert. Das alte Gemeindehaus sei ebenfalls unterkellert.» Man könne auch eine Grundwasserabsenkung während der Bauphase machen. Ender sagte, dass das mehrere Hunderttausend Franken Mehrkosten verursache. Und beim alten Gemeindehaus sei es deshalb so feucht.
Debora Gattlen


