Birrhard: Wenn Bürgerfragen plötzlich zum Kostenproblem werden
06.11.2026 Leserbriefe«Viele Anfragen bringen hohe Kosten», Reussbote, 16. Oktober 2026
Mit Erstaunen habe ich das Interview mit Gemeindeammann Daniel Knappe und Gemeinderat Gaudenz Lüchinger im Reussbote gelesen. Darin wird eine kleine Gruppe kritischer Bürgerinnen und ...
«Viele Anfragen bringen hohe Kosten», Reussbote, 16. Oktober 2026
Mit Erstaunen habe ich das Interview mit Gemeindeammann Daniel Knappe und Gemeinderat Gaudenz Lüchinger im Reussbote gelesen. Darin wird eine kleine Gruppe kritischer Bürgerinnen und Bürger als erheblicher Kostenfaktor für die Gemeinde dargestellt. Diese Sichtweise greift entschieden zu kurz und lässt wesentliche Fragen unbeantwortet.
Im Mitteilungsblatt vom Mai 2026 forderte der Gemeinderat die Bevölkerung ausdrücklich auf, Bauvorhaben ohne Bewilligung zu melden. Nur wenige Monate später beklagt derselbe Gemeinderat die zahlreichen Anfragen und deren Kosten. Natürlich sind Meldungen und wiederholte Anfragen nicht gleichzusetzen. Dennoch wirkt diese Kommunikation widersprüchlich.
Doch weshalb entstehen überhaupt so viele Fragen, Einsprachen und Rechtsverfahren? Auffallend ist, dass zahlreiche baurechtliche Auseinandersetzungen in Birrhard immer wieder in dieselbe Richtung weisen. Statt die Verantwortung vor allem bei den Fragestellenden zu suchen, müsste sich der Gemeinderat selbstkritisch fragen, ob durch früheres, konsequenteres und transparenteres Handeln nicht viele Konflikte und Kosten hätten vermieden werden können.
Besonders stossend ist, dass öffentlich von Missbrauch und Kosten in der Grössenordnung mehrerer Steuerprozente gesprochen wird, ohne deren Zusammensetzung nachvollziehbar offenzulegen. Wie viel davon entfällt tatsächlich auf wiederholte Bürgeranfragen, wie viel auf externe Anwälte und Rechtsverfahren? Und welchen Anteil daran haben möglicherweise behördliche Entscheidungen, Verzögerungen oder Versäumnisse?
Auch der Zeitpunkt des Interviews gibt zu denken: Kurz vor der Wintergemeindeversammlung und der Beratung des Budgets 2027 wird die Aufmerksamkeit auf angeblich kostspielige Bürger gelenkt. Soll damit bereits vorsorglich eine Erklärung für hohe Ausgaben geschaffen und von den eigentlichen Ursachen abgelenkt werden? Diesen Eindruck könnte der Gemeinderat durch vollständige Transparenz entkräften. Selbstverständlich müssen auch Bürgerinnen und Bürger verantwortungsvoll mit ihren Rechten umgehen. Genauso darf aber erwartet werden, dass Behörden geltende Vorschriften konsequent durchsetzen, alle Beteiligten gleichbehandeln und berechtigte Anliegen ernst nehmen. Kritische Bürger sind nicht das Problem einer funktionierenden Gemeinde. Problematisch wird es, wenn die Ursachen von Konflikten im Dunkeln bleiben und stattdessen die Fragestellenden öffentlich als Kostenverursacher dargestellt werden. Der Gemeinderat sollte deshalb nicht die Überbringer unbequemer Fragen zum Problem erklären, sondern offenlegen, weshalb diese Fragen entstehen und welche Verantwortung er selbst trägt.Denn nicht jede unbequeme Frage verursacht ein Problem. Manchmal macht sie lediglich auf eines aufmerksam.
Thomas Widmer, Birrhard
