Dank Einsprachen Mitspracherecht
21.07.2026 NiederwilNiederwil: Gegen die geplante Höchstspannungsleitung von Swissgrid deponierte die Gemeinde zwei Einsprachen
An der Gemeindeversammlung informierte der Gemeinderat über den neusten Stand der umsHöchstspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden.
...Niederwil: Gegen die geplante Höchstspannungsleitung von Swissgrid deponierte die Gemeinde zwei Einsprachen
An der Gemeindeversammlung informierte der Gemeinderat über den neusten Stand der umsHöchstspannungsleitung zwischen Niederwil und Obfelden.
Die Gemeinde Niederwil ist auf zwei Wegen an Einsprachen gegen die geplante Freileitung beteiligt», führte Gemeinderat Lukas Vock aus. Einerseits mit anderen betroffenen Gemeinden wie Besenbüren, Fischbach-Göslikon, Jonen, Niederwil, Obfelden ZH, Oberlunkhofen, Ottenbach ZH, Unterlunkhofen, Waltenschwil und Wohlen, anderseits als Ortsbürger- und Einwohnergemeinde gegen zwei Standorte von geplanten neuen Hochspannungsmasten auf Gemeindegebiet.
Beim Gemeindeverbund hätte man sich beteiligt, da im Vorfeld die Gemeinden kein Mitspracherecht hatten. Offizielle Anfragen bei Swissgrid seien nicht beantwortet worden. Ohne Einwendung wären die betroffenen Gemeinden beim Verfahren definitiv draussen gewesen. Vock sagte: «Wir hätten als Gemeinde nichts mehr zu sagen und könnten nichts mehr beeinflussen.» So würde die Gemeinde keinerlei Einblick mehr in Gutachten und technische Berichte erhalten und würde nicht mehr informiert. Man riskiert Überraschungsentscheide, welche der Gemeinderat nachher der Bevölkerung erklären müsse. «Als Gemeinde würden wir nicht mehr ernst genommen werden, wenn wir keine Einsprache gemacht hätten», führte Vock aus. «Die Gemeinderat ist verpflichtet im Sinne der Gemeinde zu handeln. Dass die Freileitung keine Augenweide ist, ist unbestritten.» Die Bevölkerung sei stets über das Vorgehen informiert worden. Es gebe aber immer einzelne Stimmen, die nicht dafür seien.
Mehrere Fragen gestellt
Das Ziel der Einsprachen des Gemeindeverbunds ist: Die Optimierung und Verbesserung der Leitungsführung über oder unter dem Boden. «Was die bessere Variante ist, lassen wir hier und heute offen», sagte Lukas Vock. Weiter wollen die Gemeinden wissen, ob Bedarf für diese Leitung bestehe, ob der Ausbaubedarf von Nöten sei oder ob dies nur für den europäischen Stromhandelsbedarf gebaut werde. Weiter auch, wie die Gemeinden entlastet und wie auf die Bevölkerung Rücksicht genommen wird. «Wir sind überzeugt, dass gesamthaft eine bessere Lösung möglich ist», so Lukas Vock. «Eine fachmännische Abklärung ist daher zwingend erforderlich.»
Die Einsprache vom Gemeindeverbund wurde am 20. März beim Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) eingereicht. Das ESTI prüft nun die Einsprachen und wird versuchen Differenzen zu bereinigen. «Das kann bis zu drei Jahren dauern», führte Lukas Vock aus. Gibt es keine Einigung, würden die Unterlagen mit den Einsprachen für einen Entscheid ans Bundesamt für Energie weitergegeben. Möglich sei auch eine Rückweisung an Swissgrid für weitere Abklärungen. «Dafür dürften weitere sechs Jahre vergehen», sagte Vock. Tatsache sei, die Einsprachen würden nicht den Bau der neuen Leitung verzögern, sondern zum ordentlichen Zeitverfahren dazugehören.
Je nach Entscheid des Bundes kann die Gemeinde eine Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht prüfen. «Dieser Schritt würde grössere Kosten verursachen. Ein solcher Schritt würde deshalb nur im Auftrag der Bevölkerung erfolgen», so Lukas Vock.
Einsprache gegen Standort
Ziel der Einsprache der Einwohnerund Ortsbürger ist, dass die Linienführung etwas anders verlaufen soll, als Swissgrid dies im Projekt vorsieht. Konkret geht es um zwei geplante Hochspannungsmast-Standorte. «Die Ortsbürger und der Gemeinderat sind der Meinung, dass der Mast Nummer drei weiter weg von der Siedlung Meier und an den von uns vorgeschlagenen Standort kommen soll», sagte Lukas Vock. Durch den Standortwechsel würde sich der fast 100 Meter hohe Mast besser ins Landschaftsbild einfügen und sei auch vom Dorf weniger gut sichtbar. Der Mast Nummer fünf würde gemäss aktueller Planung mitten im Feld Richtung Wohlen stehen. «Das ist einfach ein riesiger Turm», so Vock. Diesen könne man näher an den Waldrand setzen, damit er weniger auffalle.
Masten werden doppelt so hoch
Swissgrid plant den Ausbau beziehungsweise den Ersatz der 17 Kilometer langen 220-kV-Leitung zwischen Niederwil und Obfelden durch eine neue 380-kV-Leitung. Die bisher 40 Meter hohen Masten werden durch bis zu 100 Meter hohe ersetzt. Diese sollen gemäss Abschreibungsplan der Swissgrid für die nächsten 80 Jahre dort verbleiben. Dagegen deponierte auch der Verein verträgliche Starkstromleitungen Reusstal (VSLR) eine Einwendung. «Einerseits haben wir als Verein über Grossrat Harry Lütolf und andererseits als einzelne Vorstandsmitglieder Einwendungen beim ESTI eingereicht, damit die geplante Freileitung doch noch in den Boden kommt», sagt Stephan Bärtschi, Präsident VSLR. Zudem wisse der Verein, dass verschiedene Vereinsmitglieder und Privatpersonen ebenfalls Einsprachen beim ESTI eingereicht hätten.
Debora Gattlen

