Das Leben in vollen Zügen geniessen
28.08.2026 NiederwilNiederwil: Nach zwei Jahren verlässt Jörg Gehrig das Restaurant Schwyzerhus aus gesundheitlichen Gründen
Der Ur-Niederwiler Jörg Gehrig hatte viel mit dem Restaurant Schwyzerhus vor. Als Quereinsteiger wollte er zusammen mit seiner Frau dort fortfahren, wo ...
Niederwil: Nach zwei Jahren verlässt Jörg Gehrig das Restaurant Schwyzerhus aus gesundheitlichen Gründen
Der Ur-Niederwiler Jörg Gehrig hatte viel mit dem Restaurant Schwyzerhus vor. Als Quereinsteiger wollte er zusammen mit seiner Frau dort fortfahren, wo bereits seine Grossmutter wirtete. Doch gesundheitliche Gründe setzen dem Vorhaben nun ein Ende.
Er hat ein lachendes und ein weinendes Auge. Froh ist Jörg Gehrig (70), dass er dem Tod buchstäblich im November 2025 von der Schippe gesprungen ist. Eine Hirnblutung setzte ihn ausser Gefecht. Traurig macht ihn, dass er nun kürzertreten und dafür seinen Lebenstraum vom Wirten aufgeben muss. Heute und am Samstag ist die letzte Gelegenheit, im Restaurant Schwyzerhus bei ihm vorbeizuschauen. Die Küche ist zwar bereits geschlossen, Getränke werden aber noch serviert. Am 1. September übergibt Jörg Gehrig das Restaurant an seine Nachfolger. Bereits am 1. Oktober öffnet das Restaurant unter neuer Führung. Das neue Wirtepaar führte bisher das Restaurant Bahnhöfli in Würenlos.
Er wollte mit 69 Jahren durchstarten
Jörg Gehrig war vor seiner offiziellen Pensionierung 22 Jahre bei der Swisscom und 21 Jahre bei der Sunrise Projektleiter für Mobilfunk. «Das ‹Schwyzerhus› reizte mich schon seit Jahrzehnten», erzählt der Niederwiler, der just vor zwei Jahren das Restaurant übernahm. Er habe 1993 an der Wand des Traditionsrestaurants ein altes Foto mit dem damaligen Wirtepaar und einem kleinen Mädchen gesehen. Er forschte nach und erfuhr, dass dies seine Urgrosseltern mit der Grossmutter waren. Als Gehrig im Frühjahr vor zwei Jahren erfuhr, dass ein neuer Wirt für das Schwyzerhus gesucht wurde, trat er spontan in die Fussstapfen seiner Vorfahren. Seine Frau Dawa Sherpa stand seither als gelernte Köchin in der Küche und verwöhnte die Gäste mit gutbürgerlich-schweizerischer und nepalesischer Küche.
Hirnblutung wegen Stress
Da Gehrig als Quereinsteiger über kein Wirtepatent verfügte, musste er nochmals die Schulbank drücken. 13 Monate nach der Übernahme des Restaurants bestand er die Wirteprüfung. «Das Führen des Restaurants und die Absolvierung des Wirtepatents waren mit Stress verbunden», führt Gehrig aus. Diese Kombination habe wohl dazu geführt, dass seine Gesundheit darunter litt. «Aus heiter hellem Himmel bekam ich eine Hirnblutung», erinnert er sich. «Ich litt am Abend unter Lähmungserscheinungen.» Anstatt direkt den Arzt aufzusuchen, beschloss Gehrig, eine Nacht darüber zu schlafen. Am nächsten Morgen seien die Lähmungserscheinungen zwar verschwunden gewesen, dafür wurde er von starker Migräne, Schwindel und Übelkeit geplagt. «Mein Schwager fuhr mich ins Kantonsspital Baden», führt er aus. «Dort wurde ein CT gemacht.» Und da wurde die Hirnblutung entdeckt. Diese bildete sich später von selbst zurück. Ein Arzt habe ihm aber geraten, kürzerzutreten. «Meine Frau war geschockt und hat sich grosse Sorgen um mich gemacht», sagt er. Eine Woche verbrachte er im Anschluss im Kantonsspital Aarau, danach musste er für vier Wochen zur Reha in Bellikon. «Ein Tag nachdem ich von der Reha nach Hause kam, starb ein guter Kollege von mir an einer Hirnblutung. In der gleichen Woche ging ich an seine Beerdigung», so Gehrig. Dieses Erlebnis habe ihn definitiv dazu gebracht, mit dem Wirten aufzuhören und sein Leben ohne Stress zu geniessen. «Ich habe daher den Pachtvertrag auf Ende August 2026 gekündigt», sagt er. Seine Frau hat bereits vor zwei Monaten ihre ursprüngliche Arbeit als «Nanny» bei einer Familie mit drei Kindern angenommen. Gestern hat sie nach ihrer Arbeit als Nanny zum letzten Mal im Restaurant für den Kollegen- und Freundeskreis Cordon-bleus gekocht. Heute und am Samstag ist das Restaurant geöffnet – es werden nur noch Getränke serviert. «Wir hatten eine treue Stammkundschaft.» Vor allem auch die Niederwiler Vereine hätten sie stets unterstützt und ihre Veranstaltungen, wie Sitzungen und Generalversammlungen, bei ihnen abgehalten. «Ich bereue nichts. Das Restaurant hat viel Arbeit mit sich gebracht. Trotzdem war es eine gute Erfahrung. Ich hätte gerne noch weitergewirtet», sagt Gehrig. Bereits ist alles für die Übergabe bereit. Gehrig verkauft noch diverse Gastroartikel. Wer Interesse hat, kann sich unter joerg.gehrig@ bluewin.ch melden.
Mit Camper auf zu neuen Ufern
Da die Frau von Jörg Gehrig aus Nepal stammt, erinnern sie Berge an den Himalaja. Deshalb seien sie oft in der Freizeit mit ihrem Camper in die Berge gefahren. Nachdem nun im Restaurant Schwyzerhus Schluss ist, wollen sich die beiden noch mehr Zeit nehmen, um spontan in die Berge zu fahren. «Ziel ist es, dass wir nächstes Jahr mit unserem Camper zum Nordkap in Norwegen fahren und dort eine Tour machen», sagt er.
Und was für Pläne hat Jörg Gehrig für die Zukunft? Trotz seines Wirtepatents werde er kein Restaurant mehr führen. «Ich könnte mir aber vorstellen, später in Niederwil eine Besenbeiz anzubieten», so Gehrig. Das nach dem Motto: Sag niemals nie.
Debora Gattlen

