Der Reusspark stösst mit Mitarbeitenden und Freiwilligen auf das Neue Jahr an. Die Institution setzt auch 2026 aufs Motto «heiwärts»
Das Motto ist so vielschichtig, dass es erneut im Zentrum steht. Urs Bosisio blickt zurück und überlässt die Bühne ...
Der Reusspark stösst mit Mitarbeitenden und Freiwilligen auf das Neue Jahr an. Die Institution setzt auch 2026 aufs Motto «heiwärts»
Das Motto ist so vielschichtig, dass es erneut im Zentrum steht. Urs Bosisio blickt zurück und überlässt die Bühne schliesslich der Kabarettistin Judith Bach, die «heiwärts» auf ihre eigene Weise interpretiert.
Was bleibt von Dir? Welche Spuren hinterlässt Du?» Mit diesen Worten richtete sich Reusspark-Direktor Urs Bosisio an die über 150 anwesenden Mitarbeitenden und Freiwilligen. Mit diesen Fragen stimmte er auch ins zweite «heiwärts»-Jahr ein, das am Montagnachmittag mit einem Neujahrsapéro im Reusspark-Saal begangen wurde. Erneut steht dieses Motto, das Tod, Sterben und die eigene Endlichkeit in den Mittelpunkt stellt, im Zentrum der Niederwiler Pflege- und Betreuungsinstitution. Ziel ist, die gesellschaftliche Tabuisierung dieser «unvermeidlichen Aspekte des Lebens» aufzubrechen. Vor allem aber ist das Thema so vielschichtig, dass es genügend Stoff bietet, um sich ein weiteres Jahr damit zu beschäftigen.
«Thema bewegt und interessiert»
«Denn das Thema bewegt und interessiert», meinte Direktor Bosisio. Das hätten nicht nur die Reusspark-Veranstaltungen gezeigt, die im vergangenen Jahr von insgesamt über 1340 Menschen besucht wurden. Auf grosses Interesse stiessen Anlässe wie «Digitaler Nachlass», «Dem Tod mit Würde begegnen», «Humor in der Hospizarbeit», «Trauern heisst Lieben» oder auch das Kabarett «Sterbeamme». Dass das Thema im Reusspark gut ankommt, zeigt aber auch eine Mitarbeiter-Befragung, wonach das Motto «heiwärts» von 97 Prozent aller Mitarbeitenden positiv bewertet wurde.
Auch dieses Jahr sind zahlreiche Fachvorträge geplant: Den Auftakt macht am 26. Februar «Abschied – ein Gespräch über das Lebensende», das als Podcast live im Reusspark aufgezeichnet wird. Trauerbegleiter Thomas Feldmann spricht am 31. März zum Thema «Wenn Männer die Trauer trifft» und am 30. April kommt die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello in den Reusspark, ihr Referat trägt den Titel «Sinnerfüllt altern».
«Letzte Reise» – eine Ausstellung
Schon jetzt und noch bis zum 15. März kann im Foyer des Hauptgebäudes die Ausstellung «Letzte Reise» besichtigt werden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählen auf kleinen Tafeln neben grossformatigen Foto-Porträts, welche Spuren sie im Leben hinterlassen und welches Gepäck sie auf ihre letzte Reise mitnehmen möchten. Manche formulieren das überaus verspielt. Beispielsweise eine Mitarbeiterin, die viel Rosa, Leichtigkeit, Freude und ein herzhaftes Lachen hinterlassen will. Sie möchte auf ihrem letzten Gang in dieser Farbe weiterleuchten. «Denn rosa bin ich...» Anders drückt es ihr Kollege aus, der «helfende Hände» zurücklässt, weil er «stets Menschen unter die Arme greift, die Hilfe brauchen». Auf seine letzte Reise nimmt er «die leichten Momente und die schweren Stunden mit. Denn beides hat mich zu dem Menschen geformt, der ich heute bin». Diese Ausstellung zeigt auf berührende Weise eine ernsthafte, sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Tod.
Bevor die vielen Gäste an diesem Nachmittag aber im Foyer auf das Neue Jahr anstossen, tritt die deutsche Kabarettistin Judith Bach auf, die heute im Tösstal lebt. Als «Claire» zeigt sie ein Konzentrat aus ihrem aktuellen Soloprogramm «Endlich – ein Stück für immer». Sozusagen als Appetithäppchen. In voller Länge wird dieses Programm im Reusspark dann am 23. September gezeigt. Dabei dreht sich manches um «Oma Fritz», die aussehe wie sie, so «Claire» – «nur in Falten». Wegen ihr stehe sie auf der Bühne, auch auf «dieser berühmtesten in Niederwil». Ihre Oma habe sie stets ermutigt, «Klärchen, mach dein Ding». Mittlerweile habe die Oma allerdings eine neue Adresse: «Waldfriedhof, Reihe 7, Grab 25». Mit viel (Sprach-) Witz, mit Gesang und mit Komik gibt Judith Bach dem Reusspark-Motto «heiwärts» nochmals einen neuen Twist.
Heidi Hess