Training für Kids beim SV Tägerig: Über Treppen und Geländer – oder auch über Stufenbarren und Böcke
Am Mittwochabend trainieren in Tägerig Kinder zwischen 7 und 15 Jahren die Disziplin Parkour. Sie klettern, wirbeln durch die Luft und haben ...
Training für Kids beim SV Tägerig: Über Treppen und Geländer – oder auch über Stufenbarren und Böcke
Am Mittwochabend trainieren in Tägerig Kinder zwischen 7 und 15 Jahren die Disziplin Parkour. Sie klettern, wirbeln durch die Luft und haben ziemlich viel Spass dabei.
Das anderthalbstündige Parkour-Training beginnt schon, bevor die Hindernisse und Matten in der Halle aufgebaut sind: Es vergeht keine Sekunde, ohne dass eines der Kinder die Ecke des Schwedenkastens mit einer Flanke überwindet, über eine Matte hechtet oder über den Bock springt. Niemand scheint Geduld zu haben, bis es wirklich losgeht. Wer nicht glaubt, dass Kinder einen unglaublichen Bewegungsdrang haben, sollte unbedingt an einem Mittwochabend in der Mehrzweckhalle in Tägerig vorbeischauen.
Im Moment besteht die Parkour-Gruppe des SV Tägerig nur aus Buben. «Wir hatten auch schon Mädchen dabei. Es ist nicht so, dass sie nicht mitmachten dürften», sagt Jonathan Rudolf, der das Training zusammen mit seinen Brüdern Raphael und Thobias sowie den Kollegen Levi Müller und Fabio Strebel leitet.
Mutig, aber auch sicher
Fünf Leiter für 15 Kinder? Kaum beginnt das eigentliche Training, wird klar, weshalb das sinnvoll ist: Aus dem Sack Flöhe wird nun eine unglaublich motivierte Truppe, die an verschiedenen Stationen ausprobiert und übt. Zwei Leiter helfen beim Salto, einer steht beim Trampolin bereit, zwei überwachen den Parcours mit verschiedenen Hindernissen. Hier treten die Kids in zwei Gruppen gegeneinander an: Ein Mitglied einer Gruppe startet von je einer Seite. Dort, wo die beiden sich treffen, spielen sie «Schere, Stei, Papier», und der Sieger darf weiterlaufen und die Stafette fortführen. Pause? Fehlanzeige. Es wird jede Minute genutzt.
Angefangen hat das Parkour-Training in Tägerig mit dem Cousin der drei Rudolf-Brüder, der zwölfmal im Jahr die Sporthalle für ein offenes Parkour-Training buchen konnte. Als er sich die Schulter operieren lassen musste, übernahm Jonathan: Der Sport-Student war bereits Team-Fit-Leiter beim SV Tägerig. Irgendwann kam das Angebot für einen regelmässigen Hallenplatz, und die Trainingsgruppe wuchs. Im Sommer, sobald es warm genug ist, wird draussen auf dem Schulhausplatz trainiert. Inzwischen hat Jonathan Rudolf auch im Rahmen seines Studiums ein Praktikum bei der Swiss Parkour Association gemacht.
Bedingungen für eine Teilnahme am Parkour-Training in Tägerig gibt es keine. «Man sollte einfach Spass an der Bewegung haben», sagt Jonathan Rudolf. Den Mut, Dinge auszuprobieren, scheinen die Jungs alle mitzubringen. Dafür, dass sie das auf möglichst sichere Art und Weise tun, sorgen die fünf Trainer. Was man einem Kind noch nicht zumuten kann, das lehre einen die Erfahrung, sagt Jonathan Rudolf. «Allerdings ist es so, dass die Kids das auch ziemlich gut selber einschätzen können.» Die Trainer stehen bereit, reduzieren die Hilfestellung schrittweise.
Kleine persönliche Triumphe
Parkour ist ein sehr vielseitiger Sport: Man lernt Körperbeherrschung, Kraft und Schnellkraft, und natürlich ist auch das Mentale wichtig – gerade, wenn man sich zum ersten Mal an ein Hindernis wagt. Das zeigen auch die strahlenden Gesichter der Kids beim Training: Der erste Salto ohne Hilfestellung, der Sprung von der hohen Mattenkante aufs Bänkli – wer das zum ersten Mal hinbekommt, feiert einen kleinen persönlichen Triumph. Und bekommt sicher von einem der Kollegen und von den Trainern ein anerkennendes Nicken.
Susanne Loacker