Die Gemeinde Niederwil feiert 2026 das 125-Jahre-Jubiläum
06.01.2026 NiederwilDie Bevölkerung stimmte sich am Neujahrsapéro für das beginnende, besondere Jahr in der Geschichte Niederwils ein
Am 1. Januar 1901 fusionierten Nesselnbach und Niederwil und bilden seither eine Gemeinde. Das Verhältnis war nicht von Anfang an immer harmonisch, ...
Die Bevölkerung stimmte sich am Neujahrsapéro für das beginnende, besondere Jahr in der Geschichte Niederwils ein
Am 1. Januar 1901 fusionierten Nesselnbach und Niederwil und bilden seither eine Gemeinde. Das Verhältnis war nicht von Anfang an immer harmonisch, erfuhr man am Neujahrsapéro.
Heute beginnt für unsere Gemeinde ein besonderes Jahr », begrüsste Gemeindeammann Norbert Ender die rund 60 anwesenden Einwohnerinnen und Einwohner am Neujahrsapéro vom 1. Januar. Es geht um ein geschichtliches Ereignis: Vor 125 Jahren schlossen sich die Bauerndörfer Nesselnbach und Niederwil zur heutigen Gemeinde Niederwil zusammen. «Wenn wir heute von Niederwil sprechen, empfinden wir diese Gemeinde als eine Selbstverständlichkeit», sagte der Gemeindeammann. Doch das war nicht immer so: «Es war keine Liebesheirat.» Beide damals eigenständigen Gemeinden wehrten sich beim Regierungsrat und dem Grossen Rat gegen die Fusion. Doch es half alles nichts, das Kantonsparlament beschloss den Zusammenschluss am 17. Juli 1900 und er trat per 1. Januar 1901 in Kraft.
Grosse Abwanderung in die Städte
Wie Norbert Ender klar machte, geschah dies unter dem Druck der Zeit – «nicht freiwillig, sondern aus strukturellen Gründen.» Beide Gemeinden waren stark landwirtschaftlich geprägt. «Der Arbeitsalltag der Bauern begann um 4 Uhr morgens, die Lebenserwartung lag mit 50 Jahren tief», erklärte er. Gleichzeitig lockten die Städte, wo der Fortschritt stattfand und Fabriken alternative Arbeitsplätze anboten. Die Abwanderung war dramatisch. «Die Zahl der Einwohner in beiden Dörfern sank von knapp 1000 im Jahr 1850 auf rund 750 vor der Jahrhundertwende», erklärte Norbert Ender. Deshalb erfolgte der Zusammenschluss. «Die damals erzwungene Veränderung entwickelte sich aber für unsere Gemeinde zur Chance», sagte Ender rückblickend. Eine wichtige Rolle bei der neuen Identität hätten die Dorfvereine gespielt – etwa der Musikverein, die Theatergesellschaft, der Turnverein und später der Schützenverein, welche just in der Fusionszeit gegründet wurden.
Aktivitäten im Jubiläumsjahr
Ein solches Jubiläum will gefeiert werden. So soll der Fuss- und Radweg zwischen Niederwil und Nesselnbach mit Bäumen bepflanzt und Sitzbänke sollen aufgestellt werden. Am 28. März findet ein Mitmachtag dafür statt. Am 31. Juli wird das grosse Dorffest mit den Vereinen auf die Beine gestellt. «Ich lade alle ein, mitzufeiern und das Jubiläum so mitzutragen», sagte Norbert Ender. Zwei Dorfbewohner untermalten seine Ausführungen mit Anekdoten. Vor allem die Nesselnbacher taten sich schwer mit der Fusion, erzählte der langjährige Sekundarlehrer Hans Ulrich Zimmermann. So gründeten die Nesselnbacher, statt der Schützengesellschaft Emmetfeld beizutreten, 1906 einen eigenen Verein, die Freischützen Nesselnbach. «1914 bauten sie auch ein eigenes Schützenhäuschen», so Zimmermann. Die Niederwiler Schützen zogen 1920 nach. Die beiden Scheibenstände hätten direkt nebeneinander gelegen – dazwischen eine abgeschlossene Eisentüre. «Den Schlüssel hatte ein Nesselnbacher», erzählte er und die Anwesenden lachten. Irgendwann wurde der Wunsch geäussert, die Türe nicht mehr abzuschliessen. Diesem wurde stattgegeben. 1974 entstand ein gemeinsames Schützenhaus. 2011 gründeten die beiden Ortsteile einen gemeinsamen Schiesssportverein, den SSV Niederwil-Nesselnbach.
Für jede Maus gab es 50 Rappen
Der Ur-Nesselnbacher Guido Hufschmid, Unternehmer, gelernter Landwirt und Künstler, blickte in seine Kindheit zurück. Seine Familie zählte, wie viele, zehn Köpfe. «Ich bin bescheiden aufgewachsen, sagen wir es einmal so», sagte er. Hufschmid erzählte auf amüsante Weise, wie er vor 60 Jahren zum Geldverdienen Mäuse fing, deren Schwänze in Zigarettenschachteln aufbewahrte und ablieferte. 50 Rappen erhielt er pro Maus. «Die Gemeinde schuldet mir etwa noch 37 Franken dafür», so Hufschmid mit einem Augenzwinkern. Nach diesen interessanten und kurzweiligen Ausführungen genossen die Anwesenden den Apéro, der von der Gemeinde ausgerichtet wurde. Der Gemeindeschreiber Christian Huber schenkte aus. Musikalisch untermalt wurde der Anlass von der Ländlerkapelle Stubete Höckler.
Marc Benedetti


