Niederwil: Der Vortrag beim Seniorentreff über das herausfordernde, schöne «Älplerleben» fand grossen Anklang
Die Frühlingsblumen zeigen Hans und Rösli Vock an, wann es Zeit ist, auf ihre Glarner Alp aufzubrechen. In einigen Wochen ist es wieder ...
Niederwil: Der Vortrag beim Seniorentreff über das herausfordernde, schöne «Älplerleben» fand grossen Anklang
Die Frühlingsblumen zeigen Hans und Rösli Vock an, wann es Zeit ist, auf ihre Glarner Alp aufzubrechen. In einigen Wochen ist es wieder soweit.
Vielleicht wollt ihr ja auch aus dem Alltag ausreissen, eure Zelte abbrechen und auf die Alp...», sagte Hans Vock zu Beginn seines Vortrags zu den zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörern. Mit rund 60 Personen war der Pavillon am Schulweg bis auf den letzten Platz besetzt. Alle warteten bei Kaffee und Kuchen gespannt auf die Ausführungen. Eingeladen hatte der Seniorentreff Niederwil-Fischbach-Göslikon.
Alp gehörte dem Kloster Säckingen
Der pensionierte Landwirt vom Wendelinhof, der vor 50 Jahren die Mutterkuhhaltung populär machte (wir berichteten 2025), entführte das Publikum in einer kurzweiligen Diashow auf die Alp Bärebode im Glarnerland. Dort verbringen er und seine Frau Rösli jeweils mit zwei Angus-Mutterkuhherden – rund 55 bis 65 Tiere – den Sommer von Juni bis September. Bereits im April gehen sie jeweils hinauf, um die Sömmerung vorzubereiten und zu zäunen. Vock stellte als erstes den Kanton Glarus mit seinem Schutzpatron Fridolin vor. Die Alp Bärebode bei Linthal sei 1376 von einigen Glarner Bauern aus dem Zins des Klosters von Säckingen gelöst worden. «Man kann sich vorstellen, wieviele Leute seither den Schweiss dort abgeputzt haben», sagte Vock; Lachen im Saal. 1977 erwarben Vocks die Alp mit ihren steilen Hängen. Sie liegt auf 1600 Meter über Meer. «Auf dieser Höhe bewegen wir uns täglich acht Stunden am Tag», erzählte der 79-jährige Landwirt. Das Älplerleben ist arbeitsreich, wurde schnell klar. Es existiert zwar eine Strasse und die Kühe, Kälber und der Stier werden mit zwei Lastenzügen nach Linthal gebracht. Doch die letzten 800 Höhenmeter auf die Alp müssen sie in circa zwei Stunden zu Fuss überwinden. Manchmal kommt es zu dramatischen Momenten. 2025 stürzten Tiere in einen Bach, andere in einen Felsspalt, erzählte Vock sichtlich berührt. Ein Helikopter musste geholt werden, nur ein Tier konnte gerettet werden. Wohnen tut das Ehepaar in einem schmucken selbst gebauten Holzblockhaus. Auch das Kraftwerk für Strom ist eine Eigenfabrikation. Hans Vock pflegt die Landschaft, fällt Bäume, um die jährlich benötigten 200 Weide-Pfähle zu fertigen. An den steilen Hängen wird geheut. Die Tiere geben viel Arbeit und manchmal Sorgen, wenn sie krank oder verletzt sind. Mit Elektro-Hägen schützt der Landwirt das Vieh vor dem Wolf. Das Älplerleben hat auch wunderschöne Seiten. Die Ruhe. Die Natur. Die Majestät der Berge. Hans Vock zeigte Bilder vieler wild blühender Blumen und benannte sie alle. Pilze (Eierschwämmli, Steinpilze) und Beeren stünden auf dem Speiseplan. «Wir leben wie die Fürsten», sagte er.
Nach dem Vortrag dankte Thomi Moor dem Ehepaar: «Es ist eindrücklich, dass ihr das seit bald 50 Jahren macht.» Er überreichte ihm einen Korb mit leckeren Esswaren und wünschte eine erfolgreiche und unfallfreie nächste Alpsaison.
Marc Benedetti