Zum Artikel «14 Reusstalgemeinden protestieren» zum Thema Bauauflage für Höchstspannungsleitung, Ausgabe vom 20. März
Sowohl national als auch international werden in rund 99 Prozent der Fälle Freileitungen bevorzugt. In der Schweiz stehen etwa 12 000 ...
Zum Artikel «14 Reusstalgemeinden protestieren» zum Thema Bauauflage für Höchstspannungsleitung, Ausgabe vom 20. März
Sowohl national als auch international werden in rund 99 Prozent der Fälle Freileitungen bevorzugt. In der Schweiz stehen etwa 12 000 Masten, welche ein Leitungsnetz von rund 6700 Kilometern tragen. Die Lebensdauer einer Erdverkabelung beträgt hingegen ungefähr 40 Jahre. Danach muss sie vollständig erneuert werden. Reparaturen an solchen Kabeln sind sehr aufwendig, da die Leitung zuerst genau lokalisiert und danach grossflächig freigelegt werden muss. Beim Bau einer Erdverkabelung muss eine etwa 15 Meter breite Schneise durch den Wald gerodet werden. Dabei wird das gesamte Wurzelwerk entfernt. Bei der geplanten Leitungsführung entspricht das rund 15 Hektaren Wald. Das sind ungefähr sieben Fussballfelder oder etwa 5600 Bäume.
Nach dem Bau dürfen in diesem Bereich keine Bäume mehr wachsen, die tiefe Wurzeln schlagen. Der Boden erwärmt sich zudem leicht durch die Kabel. Die Kosten einer Erdverkabelung sind massiv höher als bei einer Freileitung. Im Durchschnitt kostet eine Erdverkabelung etwa 15,15 Millionen Franken pro Kilometer. Bei Freileitungen liegen die Kosten deutlich tiefer. Im Durchschnitt kostet eine Freileitung etwa 3,4 Millionen Franken pro Kilo- meter. Damit ist eine Erdverkabelung im Durchschnitt rund viermal teurer.
Es geht bei diesem Projekt nicht um eine neue Leitung, die zusätzlich in die Landschaft gestellt wird. Es handelt sich um den Ersatz einer bestehenden Leitung. Die Höhe der Masten ist so geplant, weil dadurch auf der gesamten Trassenlänge rund 14 Masten weniger gebaut werden müssen. Auch der Energieaufwand für den Bau, die sogenannte graue Energie, ist bei einer Erdverkabelung um ein Vielfaches höher als bei einer Freileitung. Das zeigt sich auch deutlich in den höheren Kosten.
Die Waldnutzung wird bei einer Erdleitung langfristig eingeschränkt. Etwa alle zwei Generationen (ca. 40 Jahre) muss der Boden erneut aufgebrochen werden, um die Leitung komplett zu erneuern. Oft wird um das Fällen einzelner Bäume ein grosses öffentliches Thema gemacht. In diesem Fall sprechen wir jedoch von über 5000 Bäumen, die gefällt werden müssten! Solange der Souverän der Gemeinde noch keine Stellung genommen hat, sollten einseitige Berichterstattungen nicht einfach hingenommen werden.
Guido Hufschmid, Nesselnbach