Einen Schritt weiter in Richtung Atlantik
16.05.2026 SportTrainingswochenende von «United4Hope» auf dem Bielersee: Ein bisschen anders als geplant
Manuela Wettstein und Pascal Bircher aus Fislisbach waren mit dem Team von «United4Hope» auf dem Bielersee.
Noch geht es eine ganze Weile, bis im ...
Trainingswochenende von «United4Hope» auf dem Bielersee: Ein bisschen anders als geplant
Manuela Wettstein und Pascal Bircher aus Fislisbach waren mit dem Team von «United4Hope» auf dem Bielersee.
Noch geht es eine ganze Weile, bis im frühen Dezember auf
La Gomera der Start von «The World’s Toughest Row» stattfindet. Doch für Manuela Wettstein und Pascal Bircher aus Fislisbach und ihre Teamkollegen Valerie Zellweger und Eivind Helland tickt die Uhr: Nach einem strengen Plan bereiten sich die vier auf diese unglaubliche Challenge von rund 4800 Kilometern per Ruderboot über den Atlantik vor. Ein weiterer Schritt dieser Vorbereitungsreise war eine Drei-Seen-Tour. Zumindest war das so geplant.
Es kam dann anders, weil Manuela Wettstein eine üble Erkältung erwischte. Dennoch trafen sich alle vier am Freitagmorgen am Bielersee und wasserten dort das Boot mit einem Kran ein. Ebenfalls dabei waren die beiden ehemaligen Spitzen-Ruderinnen Patricia Merz und Frédérique Rol, die zusammen einst einen leichten Doppelzweier bildeten und die die vier von United4Hope in Sachen Rudertechnik, aber auch im Hinblick auf Team-Dynamik und Mentaltraining unterstützen.
Was, wenn das Steuerruder bricht?
Zuerst stand ein Rudertraining auf dem Programm, das von Frédérique Rol begleitet wurde. Rol sah sich genau an, wie die vier zusammen funktionieren. Der Plan für die lange Fahrt über den Atlantik ist, dass jeweils zwei Personen rudern und die anderen zwei essen, «Ämtli» an Bord verrichten und sich ausruhen. Deshalb müssen die Wechsel geübt werden. Auch der Umgang mit dem Para-Anker musste geübt werden: Dieser Anker, eine Art Unterwasser-Fallschirm, soll das Boot im Fall von Sturm auf dem Atlantik stabilisieren.
Am Nachmittag waren jeweils zwei Personen an Land und zwei auf dem Boot. Die zwei an Land hatten Einzelbesprechungen mit Frédérique Rol und Patricia Merz, den beiden erfahrenen Sportlerinnen. Es ging darum, die Zeit bis zur Abreise nach La Gomera im Dezember im Hinblick auf individuelles Training, aber auch auf die Arbeit im Team hin zu optimieren. Die jeweils andere Person bekam zwei Szenarien zugeteilt, die auf dem Boot theoretisch passieren könnten. Das Ziel dahinter ist, dass das Team möglichst viele Szenarien schon einmal durchgedacht hat und einen Plan hat, sollte eine kritische Situation eintreten. Ein solches Szenario war zum Beispiel das zum Glück hypothetische Gedankenspiel, was passieren würde, wenn Pascal Bircher, der auf dem Boot die «Chef»-Rolle des Skippers und damit die finale Entscheidungskompetenz hat, wegen Dehydrierung einige Tage lang ausfallen würde. Ein weiteres Szenario war die Frage, was das Team machen würde, sollte das Steuerruder brechen.
Dann kamen Eivind Helland und Pascal Bircher an Land, und Manuela Wettstein und Valerie Zellweger übernahmen das Boot. Es gab noch letzte Anpassungen zu machen und Einstellungen zu optimieren. So mussten Kompromisse ausgetüftelt werden, weil jeweils zwei Personen abwechslungsweise auf derselben Position rudern werden: Wie muss der Sitz eingestellt werden, damit er für beide passt, und wie müssen die Einstellungen für die Ruder sein? Alle zwei Stunden alle Einstellungen anzupassen, wird viel zu kompliziert sein, wenn es ernst gilt. Am nächsten Morgen folgte ein weiterer Theorieblock, in dem es vor allem um die Reflexion potenziell kritischer Situationen ging. Anschliessend nahm das Team die am Vortag geplanten Anpassungen am Boot vor, bevor alle wieder aufs Wasser gingen, um diese Anpassungen zu testen.
Anstatt wie ursprünglich geplant die Nacht durchzurudern, entschied sich das Team im Hinblick auf Wettsteins Gesundheitszustand dazu, im Hafen auf dem Boot zu übernachten und auch am nächsten Tag noch auf dem Bielersee zu rudern. Damit bewiesen die vier die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die sie im Dezember sicher auch brauchen werden: aus gegebenen Umständen das Beste zu machen. So lag der Fokus nun statt auf möglichst langen Ruderstrecken auf Teamarbeit und Reflexion. Manuela Wettstein sagte im Anschluss: «Wir haben viel mitnehmen können zum Thema Kommunikation im Team.»
Die nächste Trainingsetappe für die vier von United4Hope ist eine zweiwöchige Ruderreise. Die Destination wird kurzfristig beschlossen, weil sie stark wetterabhängig ist. Hoffentlich sind dann alle vier fit und gesund.
Susanne Loacker

