Elektrizitätswerk: Tafelsilber verscherbeln?
23.06.2026 NiederwilNiederwil: Ein Verpflichtungskredit für die Variantenanalyse zum Elektrizitätswerk kommt an die Gemeind
Das Elektrizitätswerk Niederwil (EWN) gehört seit über 100 Jahren zum Inventar. Das Werk bescherte dem Dorf tiefe Strompreise. 2015 unternahm der ...
Niederwil: Ein Verpflichtungskredit für die Variantenanalyse zum Elektrizitätswerk kommt an die Gemeind
Das Elektrizitätswerk Niederwil (EWN) gehört seit über 100 Jahren zum Inventar. Das Werk bescherte dem Dorf tiefe Strompreise. 2015 unternahm der Gemeinderat einen Anlauf, das EWN zu verkaufen. Damals scheiterte das Vorhaben. Elf Jahre später wird ein zweiter Anlauf gestartet.
Der Gemeinderat beantragt an der Sommer-Gmeind vom 25. Juni einen Verpflichtungskredit von 32 000 Franken für eine Variantenanalyse zur zukünftigen Ausrichtung des Elektrizitätswerks Niederwil («Reussbote» vom 16. Mai). Der Gemeinderat schreibt in der Broschüre: «Die Analyse erfolgt ergebnisoffen.» Die Analyse soll die künftigen Anforderungen transparent darstellen, den Investitions- und Ressourcenbedarf abschätzen, verschiedene strategische Optionen prüfen, insbesondere die Weiterführung in Eigenständigkeit, Kooperationen oder andere Organisationsformen bis hin zur Veräusserung. Die zentrale Frage ist, kann und will die Gemeinde Niederwil ihr Elektrizitätswerk auch unter neuen Anforderungen langfristig eigenständig führen oder sind andere Organisationsformen sinnvoller? Ein frühzeitiger Entscheid schaffe Handlungsspielräume und verhindere spätere Sachzwänge. Mit dem Einholen einer Variantenanalyse wird eine fundierte Entscheidungsgrundlage für den Gemeinderat und die Bevölkerung geschaffen.
Vor elf Jahren Verkauf abgelehnt
2015 war der Verkauf des EWNs ein Thema. Emotionale Diskussionen waren damals bereits an der Infoveranstaltung im Vorfeld zur Gemeindeversammlung zu spüren. Vor allem die tiefen Strompreise wollte damals niemand missen. Der Souverän lehnte den Verkauf des EWs ab. Damit sprachen sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger bewusst für den Verbleib des EWs im Eigentum der Gemeinde aus.
Der Gemeinderat nimmt nun an der Sommer-Gmeind einen neuen Anlauf, wie der Betrieb des EWs in der Zukunft aussehen soll. In der Broschüre zur Sommer-Gmeind wird ausgeführt, dass der Betrieb heute deutlich anspruchsvoller ist. So besteht ein steigender Investitionsbedarf bei der Netzinfrastruktur, erhöhtes Fachwissen wird benötigt, regulatorische Anforderungen steigen, neue Anforderungen mit Kundinnen und Kunden, die selbst Strom produzieren und wachsende Abhängigkeiten von externen Dienstleistern. Diese Entwicklungen würden die Rolle des EWN grundlegend verändern – vom lokalen Versorger wandelte es sich zu einem technisch komplexen und stark regulierten Betrieb. Der Verpflichtungskredit basiert auf zwei eingeholten Offerten für eine externe fachliche Begleitung und umfasst auch die Projektleitung, Analyse der regulatorischen und technischen Anforderungen, Workshops mit der Begleitgruppe (bestehend aus Vertretern der Gemeinde und der Finanzkommission), Variantenvergleiche sowie den Schlussbericht. Die Kosten des Verpflichtungskredits gehen zulasten des EWN. Der Gemeinderat hält fest, dass mit der Genehmigung des Verpflichtungskredits noch kein Entscheid über die künftige Organisationsform des EWN getroffen wird. Insbesondere werde weder eine Veräusserung noch eine Kooperation oder Weiterführung beschlossen. Über allfällige weiterführende Beschlüsse werde die Bevölkerung zu einem späteren Zeitpunkt erneut einbezogen.
Erfreulicher Gewinn erzielt
Ein weiteres Thema an der Gmeind ist die Jahresrechnung 2025. Sie schliesst deutlich besser ab. Das Ergebnis beträgt 731 943 Franken, budgetiert waren 70 825 Franken. Zusammen mit dem ausserordentlichen Ertrag aus der Entnahme der Aufwertungsreserve von 213 131 Franken konnten insgesamt 945 065 Franken in die Vorfinanzierung für den Neubau des Gemeindehauses eingelegt werden, das Ergebnis schliesst daher ausgeglichen ab. Die Einlage für das neue Gemeindehaus beträgt inzwischen drei Millionen Franken. Zum positiven Ergebnis trugen die konsequente Ausgabedisziplin sowie höhere Steuererträge von 8,7 Millionen Franken bei.
An der Sommer-Gmeind kann der Souverän über die Jahresrechnung, das Protokoll, den Rechenschaftsbericht und über die Einbürgerung von drei Personen befinden. Zusätzlich wird auch die Kreditabrechnung «Netzverbund Wasserreservoir Moos mit der Hochzone Wohlen» zur Genehmigung vorgelegt. Durch das Bauwerk wird die Wasserversorgung Niederwil/ Fischbach-Göslikon entlastet, die Übernutzung des örtlichen Grundwassers Karrenwald reduziert und die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Trinkwasser bis zur Inbetriebnahme von «Wasser2035» gesichert. Das Projekt konnte kostengünstiger realisiert werden. Der Souverän kann daher die Abrechnung mit einer Kreditunterschreitung von 65 1256 Franken gegenüber dem bewilligten Gesamtkredit von 592 000 Franken befinden.
Debora Gattlen
Die Gemeindeversammlung findet am Donnerstag, 25. Juni um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle statt.

