Er war in 31 Ländern auf Montage unterwegs
24.02.2026 BirmenstorfIn der Reihe «Lebens-Geschichten» präsentierte der Kulturkreis Birmenstorf Stefan Zehnder. Das Echo war riesig
130 Interessierte kamen in die Halle Träff, um den spannenden Abenteuern des Birmenstorfers Stefan Zehnder zu lauschen. Dieser war als Monteur für die ...
In der Reihe «Lebens-Geschichten» präsentierte der Kulturkreis Birmenstorf Stefan Zehnder. Das Echo war riesig
130 Interessierte kamen in die Halle Träff, um den spannenden Abenteuern des Birmenstorfers Stefan Zehnder zu lauschen. Dieser war als Monteur für die BBC in aller Welt unterwegs. Im Vortrag berichtete er über seine Aufenthalte in Nigeria, Südkorea und Südafrika.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Erst recht, wenn er so viel gereist ist wie Stefan Zehnder, der ab Ende der 1970er-Jahre 16 Jahre lang auf vier Kontinenten auf Montage unterwegs war. Immer im Auftrag seines damaligen Arbeitgebers, des Badener Elektrotechnikunternehmens Brown, Boveri & Cie. (BBC), später ABB bzw. Alstom. «In dieser Zeit habe ich Erfahrungen gemacht, die nicht zwingend mit den Vorstellungen eines Durchschnittsschweizers übereinstimmen», beginnt Zehnder seinen Vortrag. Er sei stets unvoreingenommen in die Länder gereist. Nach seiner Lehre als Maschinenschlosser bei der Turbinenfabrik der BBC bewarb sich Zehnder, der in Birmenstorf aufgewachsen ist und auch heute dort lebt, in jungen Jahren als Monteur.
Mit 20 Jahren nach Afrika
Von den zahlreichen Reisen, die ihn um den halben Erdball führten, ist ihm besonders seine erste Reise ausserhalb Europas in Erinnerung geblieben: «Ich bin als 20-Jähriger nach Nigeria gegangen», erzählt Zehnder. Schon 1978 habe das westafrikanische Land 80 Millionen Einwohner gehabt, heute sei es mit 232 Millionen das bevölkerungsreichste Land Afrikas, so Zehnder, der zur Einführung einen kurzen Abriss über die Geschichte des Landes gibt. Nicht nur die Bevölkerungsdichte, auch das Klima empfand der junge Schweizer als extrem: «Das Verrückteste war die hohe Luftfeuchtigkeit», erzählt er. Und auch sonst musste er sich in dem Drittweltland auf andere Sitten umstellen. So löste eine kleine monetäre Beilage im Pass schnell die Visumsprobleme bei der Einreise, wie Zehnder in einer seiner unterhaltsamen Anekdoten berichtet. Ende der 1970er-Jahre war auch in Afrika noch eine andere Zeit: «Die Einheimischen hatten damals so gut wie keine Weissen gesehen», so Zehnder. Seine Aufgabe war es, im Land irgendwo im Nirgendwo ein von Gasturbinen betriebenes Kraftwerk aufzubauen.
Mit 55 Kilo und Malaria nach Hause
Zehn-Stunden-Arbeitstage waren die Regel. Häufig mussten die ausländischen Experten gar noch nachts ran, um Pannen zu beheben. Denn wenn alle Nigerianer gleichzeitig das Licht anschalteten, gab es nicht selten einen landesweiten «Blackout». Untergebracht waren sie in einfachen Holzhäusern, die zwar klimatisiert, aber schnell von Termiten zerfressen waren. Seinen Vortrag würzt Zehnder immer wieder mit privaten Fotos: Sie zeigen ihn in der spärlich gesäten Freizeit unterwegs mit dem Motorrad. Einmal hätte ihn auf einer Tour beinahe eine vom Vordermann aufgeschreckte Schlange gebissen. Aber auch im Pw war das Reisen nicht ungefährlich: «Die Schlaglöcher waren so tief wie ein ganzes Auto», erinnert sich Zehnder. Passiert ist ihm während des einjährigen Aufenthalts zum Glück nichts. Ungeschoren kam er dennoch nicht nach Hause: «Als ich heimgekommen bin, wog ich 55 Kilo und hatte Malaria», erzählt er.
Südafrika gefiel ihm am besten
Eine gegensätzliche Welt erwartete Stefan Zehnder 1979 in Südkorea, wo er ebenfalls ein Jahr verbrachte. «Im Winter liefen die Kinder auf den gefrorenen Reisfeldern Schlittschuh», erzählt Zehnder, der in dem politisch geteilten Land ein Dampfkraftwerk zum Laufen bringen sollte. Neben technischen Details, erzählt er von der Geschichte des Landes und den kulturellen Unterschieden: «Je älter einer ist, desto wahrer ist der Seich, den einer erzählt», witzelt er und schwärmt vom Fleiss der Koreaner. Von all den Ländern, die er besuchte, gefiel ihm Südafrika, wo er in den 1980ern 2,5 Jahre verbrachte, aber am besten: «Südafrika ist ein Stück Europa.» Vor allem von Landschaft und Tierwelt war er angetan. Privat reiste er an der Küste entlang und machte Abstecher in den Kruger-Nationalpark, wo er faszinierende Tieraufnahmen machte. Später konnte sogar seine Frau für ein Jahr nachkommen. Ab 1986 begleitete Zehnders Familie ihn generell auf seinen Auslandaufenthalten. Zwei der drei Kinder wurden in Syrien geboren, wo die Familie drei Jahre lebte. Aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt wird. Das Publikum würde sich jedenfalls freuen.
Michael Lux



