«Es fehlt an Transparenz und am Vertrauen»
08.05.2026 FislisbachFislisbach: Vertreter des Referendumskomitees erklären, warum sie den Kredit «Teilsanierung Schule Leematten» zur Ablehnung empfehlen
Zu wenig Informationen, eine andere Vorgehensweise bei der Planung. Die Vorwürfe des Referendumkomitees an die Behörden ...
Fislisbach: Vertreter des Referendumskomitees erklären, warum sie den Kredit «Teilsanierung Schule Leematten» zur Ablehnung empfehlen
Zu wenig Informationen, eine andere Vorgehensweise bei der Planung. Die Vorwürfe des Referendumkomitees an die Behörden sind happig. Vor allem aber verlangt das Komitee ein Gesamtkonzept für die Schulraumentwicklung in Fislisbach. Und zwar bevor mit «Pflästerlipolitik» viel Geld ausgegeben wird.
Andrea Frey, Viktor Bosshard und Roger Müller verlangen einen Neustart bei der Schulraumentwicklung in Fislisbach. Alle drei gehören der Interessengruppe an, die den Fislisbacher Behörden am 22. Dezember 2025 über 400 Unterschriften überreichen konnte. Nach der Winter-Gmeind im November 2025 hatten sie das Referendum ergriffen. An dieser Gemeindeversammlung war die Teilsanierung der Schulanlage Leematten (Etappe II) mit deutlicher Mehrheit genehmigt worden. Das Referendumskomitee plädiert indes auf Ablehnung des dafür benötigten 5,3-Millionen-Kredits. Am 14. Juni kommt es in Fislisbach zur Referendumsabstimmung. Die Journalistin traf die drei Gegner zu einem Gespräch, das überaus engagiert geführt wurde. Sie erklären, warum sie die Teilsanierung als «Pflästerlipolitik» bezeichnen. Sie sagen, dass sie sich vom Gemeinderat ein anderes Vorgehen gewünscht hätten, unter eine deutlich höhere Transparenz, und ein Gesamtkonzept für die Schulanlage – beides basierend auf einer vorgängigen Bedarfsanalyse.
◆ Am 14. Juni wird erneut über den Kredit in der Höhe von 5,3 Millionen Franken für die Teilsanierung Schule Leematten abgestimmt. Sind sie gerüstet für die Referendums-Abstimmung?
Andrea Frey: Ja. Wir haben unsere Argumente präzisiert und werden demnächst allen Haushalten in Fislisbach einen Flyer mit weiteren detaillierteren Informationen zur Verfügung stellen.
◆ Was ist die Kernbotschaft der Interessengruppe?
Alle: Wir stimmen gegen dieses Projekt, weil es jeglicher Transparenz in der Planung entbehrt und an einer gesamtheitlichen Zukunftsvision mangelt. Ausserdem sehen wir erhebliche finanzielle Risiken.
◆ Sie hätten sich von der Gemeinde eine andere Vorgehensweise gewünscht?
Frey: Ja. Uns scheint unlogisch, jetzt punktuell zu sanieren, wenn in wenigen Jahren bereits wieder über Abriss und Neubauten diskutiert wird: Mit dem aktuellen Kredit werden mehrere Gebäude und die Turnhalle teilweise saniert – überall ein bisschen. In wenigen Jahren folgt mit Etappe III dann eine Neubewertung, für welche in der Investitionsplanung weitere 17 Millionen eingestellt wurden.
Roger Müller: Dann ist das Geld der jetzt zur Abstimmung stehenden Phase II jedoch bereits ausgegeben.
Frey: Allein die Sanierung der Turnhalle aus dem Jahre 1960 kostet weit über 400 000 Franken, möglicherweise deutlich mehr.
Müller: Und weitere Risiken, wie zum Beispiel eine Asbestsanierung, sind noch gar nicht abgewogen und eingerechnet. Das kann zu erheblichen Mehrkosten führen.
Viktor Bosshard: Es ist unseriös, das nicht abzuklären und keine Offerten einzuholen.
Frey: Es hätte zuerst ein übergreifendes Gesamtkonzept für das gesamte Schulareal gebraucht.
◆ Ein Projektierungskredit war nie ein Thema?
Frey: Nein. In der ersten Phase ging es um den Kauf des Modulbaus Leematten IV mit klar definierten Kosten. Diese Kosten wurden auch genehmigt, inklusive Umgebungsgestaltung. Über einen Projektierungskredit für die Phase II wurde nie abgestimmt.
◆ Der Gemeinderat informiert etappenweise. Das kritisieren Sie?
Frey: Ja, Informationen Stück für Stück. Die Teilsanierung Schulhaus Leematten wurde erstmals am Informations-Abend, kurz vor der Winter-Gemeindeversammlung 2026, vorgestellt. Die Kosten für die Teilsanierung erfuhren wir somit sehr kurzfristig.
◆ Diese Zahl kannten Sie noch nicht?
Frey: Nein. Und nach dem Info-Abend blieb bis zur Gmeind nur wenig Zeit, um sich Informationen zu beschaffen und sich eine Meinung zu bilden.
Bosshard: Gleichzeitig wurde signalisiert, dass diese Sanierung zwingend sei und ein Neubau ohnehin nicht finanzierbar wäre – ein Turnhallen-Neubau würde 15 bis 20 Millionen kosten und den Steuerfuss um sechs Prozent erhöhen. Da bleibt dem Stimmvolk keine grosse Wahl.
Frey: Diese Zahlen und Steuerfolgen sind spekulativ und ersetzen keine fundierte, gesamtheitliche Planung.
◆ Wird die Bevölkerung unter Druck gesetzt?
Frey: Der Gemeinderat sagt zwar, er habe Alternativen geprüft.
Bosshard: Diese wurden aber nicht präsentiert.
◆ Was wird konkret saniert?
Frey: In der Turnhalle sind nur Teilbereiche vorgesehen – etwa Lüftung, Garderoben und Storen. Wichtige Elemente wie Dach oder Fenster werden hingegen nicht saniert
Bosshard: Es fehlen auch Investitionen, etwa in Bühnen- oder Gerätetechnik. Gleichzeitig entsteht jedoch der Eindruck, es handle sich um eine vollständige Sanierung.
◆ Fordern Sie eine zukunftsorientierte, bessere Planung?
Frey: Genau. Die Bedürfnisse der Schule und der Vereine hätten frühzeitig einbezogen werden müssen. Gerade im Bereich Turnhalle besteht seit Jahren Bedarf. Viele Fussballjunioren müssen im Winter auswärts trainieren. Diese Situation wird sich mit dem neuen Kunstrasen etwas entspannen. Ich selbst bin Mitglied im Sportverein.
◆ Was beeinträchtigt die Vereine am meisten?
Frey: Für die Entwicklungsmöglichkeiten der Vereine und zur Gründung weiterer Riegen fehlt uns der Platz. Die Infrastruktur ist veraltet, teilweise defekt oder fehlt. Turngeräte mieten wäre möglich, ist aber mit sehr viel Aufwand und Kosten verbunden. In einer Einfachturnhalle lassen sich heute kaum noch grössere Wettkämpfe oder Turnfeste durchführen.
◆ Sind vor allem Vereine betroffen?
Müller: Ich spreche als Steuerzahler, nicht für einen Verein. Und als Steuerzahler verstehe ich nicht, warum schrittweise hohe Beträge ausgegeben werden. Mir fehlen vor einer teuren Sanierung eine Vision und ein klares Konzept, welches die Weiternetwicklung des Schulcampus’ aufzeigt und sicherstellt. Die Anlage ist historisch gewachsen, aber der Platz ist begrenzt. Verdichtetes Bauen würde zum Beispiel Freiraum und Grünflächen für Schülerinnen, Schüler, Vereine und die Bevölkerung enthalten.
◆ Was wäre aus Ihrer Sicht nötig?
Müller: Eine umfassende Machbarkeitsstudie: Wie lässt sich der Bedarf auf dem Areal sinnvoll abbilden? Welche Kosten entstehen? Und vor allem: Welche Bedürfnisse haben Schule und Vereine? Erst danach sollte man über konkrete Projekte entscheiden.
◆ Eine solche Bedarfsanalyse fehlt?
Müller: Ja. Ich fühle mich als Stimmbürger ungenügend informiert, zu wenig einbezogen – wenn nicht sogar von diesem Prozess ausgeschlossen.
◆ Sie plädieren für eine gesamtheitliche Planung?
Müller: Unbedingt. Die Bedürfnisse der Bevölkerung sollten im Vorfeld zwingend abgeholt werden. Basierend darauf können Varianten geprüft werden, welche Interessen und Machbarkeit berücksichtigen. Das wiederum sollte zu einer mehrheitsfähigen Lösung mit Detailkonzept führen, über welches die Bevölkerung abstimmen kann. Letztlich ist niemand mit einem Projekt zufrieden, das an den Anforderungen vorbei realisiert wurde. Vielleicht braucht es am Ende tatsächlich eine neue Mehrzweckhalle. Eventuell wäre diese teurer als eine Sanierung – würde im Unterhalt aber über Jahrzehnte deutlich weniger kosten. Es wäre eine nachhaltige Lösung.
◆ Also Nein zum Kredit für eine Teilsanierung?
Müller: Ich finde es unklug, jetzt Millionen in Zwischenlösungen zu stecken, bevor bekannt ist, wohin die Reise überhaupt geht. Ein Teil dieses Geldes ist verloren, wenn in drei oder vier Jahren erneute Rück- oder Umbauten stattfinden müssen.
Bosshard: Oder es bleibt am Ende «ein alter Seich», der nur halb erneuert ist. Ein mutiger Schritt fehlt – anders als vor 60 Jahren als man sich im Gemeindehaus entschloss, in der Leematten eine Schule zu bauen. Auch damals fehlte das Geld, dennoch wurde gebaut.
◆ Sie kritisieren alle die «Pflästerlipolitik» des Gemeinderates?
Frey: Ja. Über Jahre wurde zu wenig investiert. Das ist das Problem.
Müller: Der Unterhalt wurde vernachlässigt.
Bosshard: Überall wurde gespart, Licht und Tontechnik nicht mehr repariert. Für Anlässe muss zugemietet werden. Zudem fehlt eine Wirtschaftlichkeitsrechnung, welche künftige Kosten «Sanierung versus Neubau» aufzeigt.
◆ Ein weiterer Kritikpunkt ist die Transparenz?
Bosshard: Planungsunterlagen sollten heute online zugänglich sein, um sich eine Meinung zu bilden. Stattdessen muss man Termine mit der Gemeindeverwaltung vereinbaren.
Frey: Die Gemeinde argumentiert mit «sensiblen Daten». Andere Gemeinden veröffentlichen solche Projekte aber umfassend im Internet.
Müller: Es fehlt an Transparenz – und damit auch am Vertrauen. Bei mir kommt der Verdacht auf, dass man uns bewusst Informationen vorenthält. Wir wollen aber wissen, was wir für unser Geld erhalten und welche Risiken bestehen.
◆ Was fordern Sie konkret?
Frey: Mehr Einblick in Projekt-Details.
Müller: Eine klare Planungsgrundlage mit Berechnungen zum künftigen Nutzungsverhalten durch Schule und Vereine. Fislisbach wird weiterwachsen, auch wenn grosse Baulandflecken weg sind. Ich möchte auch Transparenz zu Kosten und möglichen Risiken.
Bosshard: Und die Einbindung der zuständigen Fachgremien.
Heidi Hess

