Seit bald 36 Jahren besteht der Tauchclub Reusstal in Mellingen. Am Sonntag fand ein Tauchausflug an den Vierwaldstättersee statt
Mitten im Winter herrscht unter Wasser klare Sicht. Manchmal ist es sogar wärmer als an Land. Der Tauchclub Mellingen nützt solche ...
Seit bald 36 Jahren besteht der Tauchclub Reusstal in Mellingen. Am Sonntag fand ein Tauchausflug an den Vierwaldstättersee statt
Mitten im Winter herrscht unter Wasser klare Sicht. Manchmal ist es sogar wärmer als an Land. Der Tauchclub Mellingen nützt solche Situationen.
Anderthalbstündiges Parkour-Tauchen. Drei Grad Celsius, dichter Nebel. Der einzig sichtbare Frühlingsbote am Sonntagmorgen nach dem Nachtumzug in Hägglingen ist eine dichte Schicht Konfetti auf der Strasse. Um 8 Uhr machen sich Brigitte Oberbühler und Maik Thronicker auf den Weg nach Hergiswil. Die beiden gehören zum Tauchclub Mellingen, Thronicker ist Tauchleiter. Oft treffen sich Clubmitglieder am Wochenende für gemeinsame Tauchgänge. Denn: Tauchen allein geht nicht. Gefährlich, und auch nicht wirklich lustig. Tauchen ist ein Teamsport. Rund ein halbes Dutzend Mitglieder trainieren regelmässig am Donnerstagabend im Mellinger Hallenbad.
Immerhin zwei Grad mehr
Fünf Grad hat der Vierwaldstättersee, die Sichtweite beträgt etwa 25 Meter. Man wird den Eindruck nicht los, dass sowohl Temperatur als auch Sicht unter Wasser angenehmer seien als an Land an diesem Februarmorgen. Bevor sich Thronicker und Oberbühler umziehen, montiert der Tauchleiter am Gelände des Tauchplatzes eine kleine Fahne. Sie zeigt Booten auf dem See an, dass Taucher unterwegs sind.
Bei kaltem Wasser verwenden die beiden ihre Trockentauch-Anzüge. Sie werden über einer Schicht Kleider getragen und mit Luft gefüllt. Diese Luft verdrängt das kalte Wasser. «Natürlich spürt man die Kälte mit der Zeit trotzdem», sagt Maik – deshalb ist rund eine Dreiviertelstunde im Wasser geplant.
Bevor es ins Wasser geht, wird die Ausrüstung gründlich gecheckt: Sind alle Schläuche korrekt angeschlossen, die Tauchflaschen voll, das Ventil offen? Dann helfen sich die beiden gegenseitig dabei, die schweren Tauchflaschen auf den Rücken zu schnallen. Rasch wird klar: Der sportlich anspruchsvollste Part eines Tauchgangs ist meistens derjenige vor dem eigentlichen Abtauchen.
Tauchgänge können aus ganz unterschiedlichen Gründen schön oder spannend sein: Da sind die Schwerelosigkeit unter Wasser, das Schweben, die Stille. Dann sind da die Fische, denen man begegnet. Während ein Hecht das Weite sucht, sind zum Beispiel Welse eher unerschrocken und begleiten Tauchende ab und zu. Aber auch Strukturen können Taucherinnen und Taucher begeistern: eine steile Wand, ein Baumstamm, wo viele kleine Egli Schutz suchen. Im Meer trifft man ganz andere, oft auch buntere Fische an, dafür aber auch grössere wie Haie. Aber auch winzige Lebewesen kann man sehen, Pygmäen-Seepferdchen zum Beispiel. Deshalb machen Mitglieder des Tauchclubs Reusstal gerne Ferien an Tauchdestinationen oder nehmen an einer Tauch-Kreuzfahrt teil.
Nach 40 Minuten sind Thronicker und Oberbühler wieder an der Wasseroberfläche in Hergiswil. «Ein schöner Tauchgang, gemütlich und erfrischend», berichtet Thronicker. «Fische sieht man in dieser Jahreszeit weniger, aber die Sichtweite war sehr gut.» Auf der Heimfahrt füllen sie noch an der immer geöffneten Aussenstelle in Baden-Dättwil ihre Tauchflaschen auf – denn nach dem Tauchgang ist vor dem Tauchgang.
Susanne Loacker