Fislisbacher Athletik-Experte betreute FIFA-Schiedsrichter: «Hier musste niemand mehr etwas beweisen»
21.07.2026 Sport, FussballFussball-WM: Der Fislisbacher Diego Sandmeier kümmerte sich in Miami um die Physis der FIFA-Schiedsrichterinnen und -schiedsrichter
Auch in Miami ist es im Sommer heiss und tropisch feucht. Athletik-Experte Diego Sandmeier kümmerte sich unter nicht ganz einfachen Bedingungen ...
Fussball-WM: Der Fislisbacher Diego Sandmeier kümmerte sich in Miami um die Physis der FIFA-Schiedsrichterinnen und -schiedsrichter
Auch in Miami ist es im Sommer heiss und tropisch feucht. Athletik-Experte Diego Sandmeier kümmerte sich unter nicht ganz einfachen Bedingungen darum, dass die FIFA-Schiedsrichter im richtigen Moment maximal performen konnten.
◆ Diego Sandmeier, in Miami war es im Juni und Juli auch heiss, und noch dazu kühlte es nachts wohl weniger ab als in der Schweiz. Wie sind Sie damit umgegangen?
Wir hatten Temperaturen von bis zu 33 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 85 Prozent. Deshalb fanden unsere Trainingseinheiten auf dem Fussballplatz in den frühen Morgenstunden statt, um die grösste Hitze zu vermeiden.
Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die konsequente Hydration. Neben einer ausreichenden Wasserzufuhr setzten wir Elektrolyte und weitere Supplemente ein, welche die Flüssigkeitsaufnahme und die Regeneration unterstützen. Unter diesen klimatischen Bedingungen steigt auch der Energiebedarf deutlich. Entsprechend legten wir grossen Wert auf eine ausgewogene und qualitativ hochwertige Ernährung. Wir waren mit einem eigenen Koch angereist, der täglich sicherstellte, dass die Schiedsrichter optimal versorgt werden und den hohen körperlichen Anforderungen jederzeit gerecht werden konnten.
Während der Trainings und Spiele nutzten wir verschiedene Cooling-Strategien mit Eis, um die Körpertemperatur zu regulieren. Nach den Trainingseinheiten bestand im Regenerationsbereich zudem die Möglichkeit, mit einem Eisbad die Erholung zusätzlich zu unterstützen. Insgesamt waren wir mit den Rahmenbedingungen und dem Umgang mit den klimatischen Herausforderungen sehr zufrieden.
◆ Was war im Hinblick auf die Schiedsrichter-Fitness im Moment besonders wichtig?
Wir befanden uns im Turniermodus. In dieser Phase ging es weniger darum, zusätzliche Leistungsfähigkeit aufzubauen, sondern das bestehende Leistungsniveau konstant hochzuhalten und die richtigen Trainingsreize zum richtigen Zeitpunkt zu setzen. Da sich jede Schiedsrichterin und jeder Schiedsrichter je nach Spielaufgebot in einem unterschiedlichen Belastungsrhythmus befand, wurde das Training individuell gesteuert. Unsere Aufgabe bestand darin, die Trainingsplanung so auszurichten, dass alle zum Zeitpunkt ihres nächsten Einsatzes körperlich optimal vorbereitet waren.
◆Müssen Schiedsrichter einen Fitness-Test absolvieren, damit sie pfeifen dürfen?
Alle Schiedsrichter gehören einer der sechs FIFA-Konföderationen an und hatten im Vorfeld der Weltmeisterschaft ein offizielles Vorbereitungsseminar ihrer jeweiligen Konföderation absolviert.
Ich war im Januar in Rio de Janeiro für die Konföderationen CONME-BOL (Südamerika) sowie CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik) Teil des Athletik-Teams. Während dieser Seminare wurden sämtliche Schiedsrichter-Kandidaten für die Weltmeisterschaft umfassend leistungsdiagnostisch überprüft.
Zu dieser Testbatterie gehörten unter anderem Untersuchungen des Herz-Kreislauf-Systems mit Lactatdiagnostik, verschiedene intermittierende Ausdauertests sowie neuromuskuläre Leistungstests auf Kraftmessplatten. Ergänzend wurden lineare und multidirektionale Sprinttests durchgeführt sowie Biomechanik, Mobilität, Flexibilität und Stabilität analysiert.
Die Vorbereitung endete jedoch nicht mit diesem Seminar. Bereits sechs Wochen vor dem Einrücken nach Miami wurden sämtliche Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter mit GPS-Systemen ausgerüstet. Die jeweiligen Schiedsrichterassistentinnen und -assistenten wurden über Pulsuhren überwacht. Seither standen wir in einem kontinuierlichen Austausch, analysierten die Trainings- und Spieldaten wöchentlich mit den Trios (Schiedsrichter/-in und zwei Assistent/-innen) und arbeiteten gemeinsam am letzten Feinschliff für die Weltmeisterschaft.
◆ Wie lange im Voraus wussten Sie, wer welches Spiel pfeifen würde?
Die Ansetzungen erfolgten gestaffelt. Je nach Turnierphase erhielten wir die Aufgebote unterschiedlich weit im Voraus. Das verlangte von uns ein hohes Mass an Flexibilität, da wir die Trainingsplanung laufend anpassen mussten. Die Kommunikation mit der FIFA-Schiedsrichter-Administration sowie dem gesamten Athletikteam funktionierte dabei hervorragend. Diese enge Zusammenarbeit ermöglichte ein professionelles und vorausschauendes Arbeiten und stellte sicher, dass wir jederzeit optimal auf kurzfristige Veränderungen reagieren konnten.
Unser Ziel war es, dass jede Schiedsrichterin und jeder Schiedsrichter unabhängig vom Zeitpunkt des nächsten Einsatzes jederzeit bereit war, auf höchstem Niveau zu performen.
◆ Schiedsrichter müssen schnell und zugleich ausdauernd sein. Wie trainiert man das unter sommerlichen Bedingungen?
Alle Schiedsrichter sind mit modernsten GPS-Systemen und Herzfrequenzsensoren ausgestattet. Dadurch können wir jede Trainingseinheit und jedes Spiel detailliert analysieren und die Belastung sehr präzise steuern.
Wir arbeiteten in Miami mit einer klar strukturierten Wochenplanung, passten diese jedoch laufend an die individuelle Situation jedes einzelnen Schiedsrichters an. Dabei berücksichtigten wir sowohl den Zeitpunkt des nächsten Spiels als auch die Belastung aus den vorangegangenen Einsätzen. Unser Ziel war es, den Schiedsrichtern die bestmöglichen Voraussetzungen zu bieten, damit sie sich maximal professionell auf ihre nächsten Aufgaben vorbereiten konnten. Sämtliche Trainingsreize wurden deshalb gezielt gesetzt, um sowohl die Schnelligkeit als auch die Ausdauer über die gesamte Turnierdauer auf höchstem Niveau zu erhalten.
◆ Was ist der wichtigste Rat, den Sie den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern im Moment mitgeben?
«Vertraut auf eure Fähigkeiten und richtet den Fokus konsequent auf eure Aufgabe.» In Miami musste sich niemand noch etwas beweisen. Alle Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter, die an dieser Weltmeisterschaft im Einsatz standen, gehören zu den Besten ihres Landes und ihrer jeweiligen Konföderation. Sie hatten sich ihren Platz über Jahre hinweg erarbeitet und waren aus gutem Grund dabei.
Susanne Loacker

